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Keine Lust auf Profikarriere

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In der Schweiz sind rund 185 000 Fussball-Junioren lizenziert und die meisten haben alle denselben Traum: Sie wollen Fussballprofi werden. Gemäss einer Studie der Swiss Football League SFL schafft es pro Jahr allerdings nur gerade ein Spieler pro Super-League-Klub in den bezahlten Fussball.

Der Weg ins Profigeschäft ist lang und steinig, doch das konnte Elia Geissbühler nicht davon abhalten, ihn zu beschreiten. Den Ueberstorfer zog es schon ziemlich bald von seinem Stammverein ins kantonale Förderzentrum, zum Team AFF/FFV. Dort durchlief Geissbühler alle Jahrgänge bis zu den U15 und galt bald einmal als eines der grössten Talente des Kantons. «Elia war ein läuferisch starker Spieler, sehr leichtfüssig», erinnert sich sein damaliger U14-Trainer Magnus Baeriswyl. «Er war relativ gross gewachsen und hatte dadurch schon früh viel Einfluss auf das Spiel.» Die Talentspäher des BSC Young Boys wurden auf den rothaarigen Schlacks aufmerksam und holten ihn in die Hauptstadt. «Dass YB einen Jungen bereits im U15-Alter bei sich aufnimmt, ist aussergewöhnlich, normalerweise erfolgt der Schritt erst bei den U16. Das macht der Verein nur, wenn er vom Potenzial des Spielers absolut überzeugt ist», sagt Baeriswyl.

Der mühsame Kampf zurück

Geissbühler schrieb sich im Gymnasium Neufeld ein, rund 1,5 Kilometer entfernt vom Stade de Suisse, der Spielstätte der Young Boys. Nur weil er eine nationale Talentkarte von Swiss Olympic besass, war es ihm überhaupt möglich, ausserkantonal die Schule zu besuchen. In einer speziellen Klasse, in der sich die Matura über fünf Jahre erstreckt, hatte er mehr Zeit zum Trainieren. Sechs Mal pro Woche trainierte der 15-Jährige fortan. Der Start bei den Gelb-Schwarzen verlief allerdings etwas harzig. «Zum Ende der U15-Saison riss ich mir in meinem rechten Fuss die Bänder», erinnert sich Geissbühler. «Beim ersten Training im neuen Verein verletzt zu sein, das war das Worst-Case-Szenario.»

Der Ueberstorfer brauchte eine halbe Saison, um sich bei YB voll reinzukämpfen. Ein dreiviertel Jahr lief es gut, sehr gut sogar. Bei den U17 trumpfte der Innenverteidiger gross auf, stand regelmässig in der Stammelf. Er gehörte gar zum Kreis der Schweizer Nationalmannschaft. Doch kurz vor Saisonende folgte der nächste Dämpfer: ein Muskelriss im rechten Oberschenkel. «Ich wusste noch vom ersten Mal, wie schwer es ist, sich zurückkämpfen zu müssen. Ich war mir nicht sicher, ob ich nochmals die Kraft dafür haben würde.»

Fussball, Fussball, Fussball

Der Youngster hatte sie. Im vergangenen Sommer schaffte er den Sprung ins U18-Nachwuchsteam. Der nächste Schritt auf dem langen und steinigen Weg zur Profikarriere war geschafft. Doch als alle Weichen voll auf Profi gestellt schienen, rutschte Geissbühler in eine Krise. «Bei YB sagte man uns immer: Fussball muss deine Nummer eins sein, Fussball muss deine Nummer zwei sein und Fussball muss deine Nummer drei sein. An guten Tagen konnte Fussball problemlos meine Nummer eins sein, aber je länger je mehr gespürte ich, dass Fussball niemals auch meine Nummern zwei und drei sein wird. Das Leben hat so viele andere Sachen zu bieten, die sich lohnen, ebenfalls mit Leidenschaft zu machen.»

Eine seiner grossen Leidenschaften ist die Musik. Elia Geissbühler aka Fitch hat kürzlich sein zweites Album herausgegeben, das er alleine in seinem Home-Studio erarbeitet hat. «Ich kann mich nicht auf Fussball beschränken.» Je länger er sich darüber Gedanken gemacht habe, desto mehr habe er gemerkt, dass ihm ein Leben als Profifussballer nicht entspreche. «Bei YB sind einige Sachen passiert, die mich haben zweifeln lassen. Die Kommunikation ist zum Beispiel mehr als fragwürdig.» Für ein Spiel sei man aufgeboten worden, für das nächste plötzlich nicht mehr, obwohl man keinen schlechten Match gemacht habe. «Ich bin sehr selbstkritisch, habe mich dann immer hinterfragt und überlegt, was ich wohl falsch gemacht habe. Eine Erklärung habe ich nie erhalten. Irgendwann hat bei mir ein gewisses Vertrauen gefehlt.»

Verblasste Leidenschaft

Seine Art zu Denken und seine vielseitigen Interessen führten dazu, dass sich Geissbühler nicht mehr mit voller Leidenschaft dem Fussball hingeben konnte und wollte. «Es war nicht die Schuld von YB, Spitzenfussball ist einfach nicht der passende Ort für mich. Ich musste mich für jedes Training zwingen hinzugehen, deshalb habe ich die Konsequenzen gezogen.» Im vergangenen November teilte der Ueberstorfer den YB-Verantwortlichen mit, dass er seine Fussballschuhe an den Nagel hängt.

Bereits am Tag nach seinem Abgang in Bern erhielt Geissbühler Anrufe von Vereinen aus dem Sensebezirk: Der FC  Ueberstorf, der SC  Düdingen, Plaffeien, Wünnewil-Flamatt, Breitenrain – sie alle wollten das Talent zu sich holen. «Das Buschtelefon im Sensebezirk geht schnell», scherzte der 18-Jährige. «Ich habe allen gesagt, dass ich zuerst Zeit brauche für mich, um etwas anderes zu machen.»

Geissbühler hat die Zeit genützt, hat unter anderem angefangen, Klavier zu spielen. Seit Anfang März spielt er nun wieder für seinen Stammverein FC  Ueberstorf in der 2. Liga inter – lange hat seine Auszeit vom Fussball nicht gedauert. «Das habe ich so erwartet», sagt er mit einem Lachen. «Mein Leben bestand sieben Jahre nur aus Fussball, Fussball, Fussball, vier Wochen Ferien, und dann wieder Fussball, Fussball, Fussball. Das kann man nicht einfach so abschalten. Ich brauche die Herausforderung, mich mit anderen zu messen und zu duellieren. Entscheidend ist, dass sich die Rahmenbedingungen geändert haben.»

Wieder echter Teamgeist

Beim FC Ueberstorf geht Rapper Fitch wieder gerne ins Training. Er schätzt den Teamgeist, den er bei YB vermisst hat. «Bei den Junioren von YB wirkte der Teamgeist immer aufgesetzt. Die Trainer und Juniorenfunktionäre wollten Teamgeist sehen, aber echt war er nicht.» Die Motivation von jedem U18-Spieler sei es, in die U21 zu kommen. Und jeder U21-Spieler wolle es irgendwie in die erste Mannschaft schaffen. «Das Team diente etwas überspitzt gesagt nur dazu, die eigenen Ziele zu erreichen.» Beim FC Ueberstorf hingegen müsse niemand auf die nächste Stufe kommen. «Bei den Spielern steht nicht die Eigenmotivation im Vordergrund, sondern der Spass. Und hier ist auch der Trainer ein Teil des Teams. Bei YB war der Respekt vor den Trainern und Juniorenverantwortlichen immer sehr gross, weil sie entscheiden, wer weiterkommt, und sie deine Zukunft in der Hand halten.»

Über seine Zukunft entscheidet Elia Geissbühler selber – und die sieht er beim FC Ueberstorf, für den er inzwischen sechs Spiele absolviert und ein Tor erzielt hat. Der Traum von der zweiten Karriere, es irgendwie in die Promotion League oder die Challenge League zu schaffen, hegt er nicht. «Ich muss niemandem mit dem Fussball etwas beweisen. Mein Karrierehöhepunkte bleiben die Zeit mit YBs U18 und der U16-Nati. Ich spiele Fussball nur noch zum Spass. Ich hatte schon fast vergessen, wie sich das anfühlt.»

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