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Keine Nacht gleicht der anderen

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Abends um 20 Uhr wird im Pflegeheim St-François in Courtepin die Nacht vorbereitet. Dilsa und Lina sitzen im Schwesternzimmer und hören sich an, was die Tagesequipe zu erzählen hat. «Herr K. sieht nicht mehr so gut, er ist in eine Tür gelaufen und hat Schmerzen.» Dilsa nickt und fragt nach: «Hat er ein Medikament in Reserve?» Die Pflegerin beantwortet Fragen, erzählt, wer viel und wer nichts gegessen hat, wer Besuch hatte und auf wen man heute Nacht besonders achten sollte. Nachdem Lina und Dilsa über alle 44 Heimbewohner ins Bild gesetzt worden sind, machen sie sich ans Werk. Die Nacht ist noch jung, und es wartet die erste Zimmerrunde auf die Pflegerinnen.

Die 31-jährige Dilsa aus den Kapverden arbeitet als Fachfrau Gesundheit im Altersheim. An diesem Abend ist es ihre Aufgabe, die Medikamente für jeden Bewohner bereitzustellen. Mit geübten Griffen rührt sie Pülverchen an, zählt Tropfen und füllt farbige Becher mit verschiedenen Pillen. In der Pharmacie müsse sie den Kopf bei der Sache haben, erklärt Dilsa. «Darum bereite ich die Medikamente für den nächsten Tag wenn möglich vor Mitternacht vor. Morgens um drei Uhr bin ich zu müde.»

Lina ist unterdessen bereits mit dem Teewagen unterwegs. Sie und Dilsa gehen bei jedem Bewohner vorbei, bringen Tee und Medikamente und schauen, ob alles in Ordnung ist. Dabei gehen sie auf die Wünsche und Gewohnheiten eines jeden Bewohners ein. Herr P. hat die Klingel wieder einmal abgerissen, Dilsa muss eine neue organisieren. Bei Frau H. gibt es wie immer ein Stück Schokolade für die Nachtschwester. Lina bereitet den nächsten Tee vor und drückt zweimal auf den Assugrinspender. «Am Abend süssen wir den Tee lieber mit Assugrin, Zucker putscht die alten Menschen zu sehr auf», verrät Lina und lacht. «Wir kennen hier alle Tricks.»

Tagsüber für die Kinder da sein

Nach der ersten Runde am frühen Abend dürfen sich die Pflegerinnen eine Verschnaufpause gönnen, während der sie sich das Menü vom Vortag aufwärmen können. Lina, die quirlige Kolumbianerin, erzählt, wie sie zur Nachtarbeit gekommen ist: «Seit der Scheidung bin ich fast nur noch nachts hier.» Die Nachtarbeit habe für sie den Vorteil, tagsüber für ihre Kinder da sein zu können. «Wenn ich von der Arbeit komme, bringe ich die Jüngste in die Krippe, die Gros­sen gehen in die Schule», erzählt die 38-Jährige. «Danach schlafe ich und stehe am Mittag zum Kochen auf. Am Nachmittag gehts wenn möglich wieder ins Bett.» Auf die Frage, ob ihr Körper diesen strengen Rhythmus gut vertrage, antwortet Lina mit Gelächter. «Den Körper frage ich nicht, der muss einfach.»

Die kinderlose Dilsa hat es einfacher. «Ich schlafe einfach, bis ich nicht mehr müde bin», erklärt sie. So fällt es ihr auch leicht, zwischen Tag- und Nachtdienst zu wechseln. Dilsa erzählt von ihren Freundinnen, die sich oft nach ihr richten müssen, wenn sie gemeinsam etwas unternehmen wollen. «Sie verstehen mich, aber es ist nicht immer einfach, Nachtarbeit und Privatleben zu vereinbaren.»

Mit Kaffee gegen die Müdigkeit

Inzwischen hat sich Herr B. im Schwesternzimmer dazugesetzt. «Er kommt meistens noch einmal vorbei, weil er nicht schlafen kann», sagt Dilsa und erzählt, dass Herr B. ein grosser Fan von Johnny Hallyday sei. Herr B. lässt sich nicht lange bitten und gibt gleich einen Song von Johnny zum Besten, bevor er meint: «Jetzt geh ich aber noch eine rauchen. Kommt jemand mit?»

Lina und Dilsa sind ein eingespieltes Team. Bereitet die eine die Frühstückstische vor, kümmert sich die andere um die Betagten, die geklingelt haben. Um halb zwei und morgens um fünf Uhr machen die Pflegerinnen eine weitere Zimmerrunde. Und dazwischen kämpfen sie schon einmal gegen die bleierne Müdigkeit, die sie zwischen den zwei letzten Zimmerrunden überfällt. «Dann darf ich mich auf keinen Fall an den Computer setzen, sonst nicke ich gleich ein», lacht Lina. «Ich halte mich dann mit Kaffee wach. Und ab halb fünf Uhr sind viele der Betagten schon wieder auf den Beinen und läuten, weil sie etwas brauchen.»

Vollmond und Demenz

Spezielle Nächte seien die Vollmondnächte, erzählen die erfahrenen Nachtschwestern. «Da nehmen wir halt manchmal jemanden mit, wenn wir die Runde machen», verrät Dilsa. Sie beobachten auch, dass es für die Betagten mit fortschreitender Demenz schwieriger wird, eine ruhige Nacht zu verbringen. Lina und Dilsa müssen ein Auge auf all ihre betagten Schützlinge haben, die manchmal ihre Zimmer verlassen und durch die Gänge irren. Bei manchen Bewohnern ist deshalb ein kleiner Alarm an der Zimmertür angebracht. Bei Menschen, die stürzen könnten, installieren die Pflegenden eine Klingelmatte vor dem Bett. «Viele Stürze passieren in der Nacht. Darum müssen wir wissen, wenn jemand das Bett verlassen hat», so Dilsa. In der Zwischenzeit haben Lina und Dilsa ihre Mahlzeit beendet. Eine Zimmernummer blinkt auf der Anzeigetafel. «Das ist eine Frau mit einer Klingelmatte», sagt Lina und verschwindet im Aufzug, um nach dem Rechten zu sehen.

Zahlen und Fakten

Auch mit der Pflege am Tag vertraut sein

Rund 70 Menschen arbeiten im Pflegeheim St-François. Davon sind etwa 45  Frauen und Männer in der Pflege tätig. «Es gibt nur eine Person, die stets in der Nacht arbeitet», erklärt Pflegedienstleiterin Valérie Lavergne. «Und auch sie arbeitet zwischendurch einmal tagsüber. Uns ist es wichtig, dass alle Pflegenden mit der Pflege am Tag vertraut sind und die Bewohner auch tags­über erleben.» Pro Nacht sind zwei Pflegerinnen im Heim präsent. Eine diplomierte Pflegefachfrau hat jeweils Pikettdienst und muss kontaktiert werden, wenn zusätzliche Medikamente verabreicht werden sollten oder sonst etwas Aussergewöhnliches passiert. Die Nachtschicht dauert von 20  Uhr bis kurz vor 7 Uhr. Für Dilsa ein klarer Vorteil der Nachtarbeit. «Dank der langen Schicht gibt es zusätzliche Freitage», freut sie sich und fügt an, dass auch der Nachtzuschlag nicht zu vernachlässigen sei.

cbs

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