Katharina M. Fromm 25.01.2018

Der beste Freund des Hundes ist der Mensch!

 

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ugegeben – ich habe eine Schwäche für fellige Vierbeiner. Ist Ihnen aufgefallen, dass viele Haus- und Hoftiere ganz weiche, puschelige Ohren haben? Und dass das Streicheln dieser plüschigen Ohren irgendwie entspannend wirkt? Sehr zu empfehlen für gestresste Menschen und zum Beispiel als Therapie für Alzheimerpatienten im Einsatz.

 

Neulich durfte ich bei einer Freundin die Bekanntschaft zweier Hunde machen. Nach anfänglichem Argwohn der beiden mir gegenüber wurde ich bald durch Schweifwedeln begrüsst. Einer der beiden Hunde, mit Namen Pünktchen, hat mich sehr schnell zu einem Lieblingsmenschen erkoren und kommt nun, sobald ich irgendwo kaum sitze, im Hundegalopp auf mich zu, um mit Schwung und etwa zwölf Kilogramm Lebendgewicht auf meinem Schoss zu landen. Dort thront und wacht die Hundedame über alles, insbesondere über den Tisch – es könnte ja etwas Fressbares geben. Nachdem ihre Neugier in dieser Hinsicht gestillt ist, dreht sie sich zu mir um und schaut mir tief in die Augen. Sie glauben ja nicht, wie schmachtend ein Hund gucken kann. Ehrlich! Man kann nicht anders, als den Hund zu streicheln. Nach einer ausgiebigen Krauleinheit wird noch einmal rundum geschnuppert, bevor sich die Hundedame etwas umständlich auf meinen Knien einrollt, den Kopf unter meinen Unterarm steckt und mit einem tiefen Seufzer in Schlafposition geht. Am Zucken der Muskeln merkt man schnell, wie tiefenentspannt der Hund ist, dessen Atmen bald in zartes Schnarchen übergeht. Tja, und da sitzt man nun und wagt sich kaum zu rühren, man möchte ja nicht die süssen Träume stören, die gerade vor den Augen des Hundes ablaufen. Das einzige, was den Hund nun wecken kann, sind die Zaubersprüche «Fressen» und «Leckerchen». Beim Fressen ist es jedoch so, dass Pünktchen Manieren hat und ihr Futter langsam kaut, was ihrem Bruder Anton in die Karten spielt. Der vertilgt seine Portion doppelt so schnell wie seine Schwester, und damit der Platz auf meinem Schoss nicht kalt wird, was es unbedingt zu vermeiden gilt, kommt alsbald schon Hund Nummer zwei mit fliegenden Ohren auf mich zu.

Während Pünktchen meine Knie zum Schlafen nutzt, besetzt Anton den Platz auf meinen Knien aus Prinzip. In der Tat schaut er zunächst in Pünktchens Richtung, bis diese mit Fressen fertig ist, zurückkommt und sieht, dass ihr Platz besetzt ist. Sie schaut dann recht konsterniert – ja, auch das können Hunde – und trollt sich auf den Hundesessel. Dann erst springt Anton runter und geht in seine Lieblingsecke. Ein weiterer Trick seinerseits, wie er Pünktchen zu seinem Vorteil von mir weglocken kann: Liegt sie seiner Meinung nach schon zu lange auf meinem Schoss, rennt Anton zur Tür und bellt. Schon springt Pünktchen von meinen Knien, rennt ebenfalls zur Tür und bellt mit. Sobald sie an der Tür ankommt, hört Anton mit dem Theater auf, flitzt zu mir, und schon ist der Platz wieder besetzt. Ein Hund ist eben auch nur ein Mensch!

Und wer jetzt keinen Hund zum Kraulen hat, der möge mal wieder Erich Kästner lesen! Zum Beispiel «Ein Hund hält Reden». Und ich schliesse mit Louis Armstrong: «Mit einem kurzen Schweifwedeln kann ein Hund mehr Gefühl ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.» Und Loriot: «Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.»

Katharina M. Fromm wohnt in Freiburg und ist seit 2006 Professorin für Chemie an der Universität Freiburg. Sie ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die im Monatsrhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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