Tafers 08.02.2020

«Es findet ein sozialer Kontakt statt»

Beat Hayoz ist Stiftungsratspräsident des Sensler Museums.
Die Klasse 1R hatte die Gelegenheit, den Stiftungsratspräsidenten des Sensler Museums, Beat Hayoz, für ein Interview zu treffen.

Der Stiftungsratspräsident des Sensler Museums, Beat Hayoz, erzählt den ZiG-Reporterinnen und -Reportern von den Herausforderungen eines regionalen Museums und spricht darüber, wie dieses vermehrt auch Jugendliche ansprechen möchte.

 

Beat Hayoz, wie sieht die Zukunft des Sensler Museums aus?

Die Frage, die sich hier stellt, lautet: Was heisst Zukunft und wie kann man sie gestalten? Es gibt einige Herausforderungen. Das Museum ist klein, wir bräuchten mehr Platz. Zudem bräuchten wir dringend eine wissenschaftliche Mitarbeiterin oder einen wissenschaftlichen Mitarbeiter. Solche Veränderungen sind mit dem vorhandenen Budget aber nicht machbar. Ein Museum zu eröffnen, ist eine Sache. Die Herausforderung liegt aber darin, es langfristig zu erhalten.

Wie haben sich die Besucherzahlen in den letzten Jahren verändert? Und worauf führen Sie diese Veränderungen zurück?

Es gab Jahre mit sehr hohen Besucherzahlen. Im Jahr 1998 hatte das Museum beispiels-weise um die 13 000 Besucherinnen und Besucher. Heute sind es in einem schlechten Jahr noch um die 4000 Besucher. Worauf das zurückzuführen ist, können wir uns bis heute nicht recht erklären. Das Freizeitangebot ist mittlerweile aber viel grösser und die Leute sind anspruchsvoller geworden. Im laufenden Jahr sind neue Konzepte geplant. So steht beispielsweise Yoga im Museum auf dem Plan.

Können Sie uns zu diesem neuen Konzept etwas mehr erzählen? Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Bis jetzt gab es vier Wechselausstellungen pro Jahr. Ab nächstem Jahr sind es nur noch drei. In der Übergangszeit wird das Museum nicht geschlossen. Das neue Konzept dient dazu, den Besucherinnen und Besuchern auch zwischen den Wechselausstellungen etwas Spezielles zu bieten.

Haben Sie Projekte, die explizit auch Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen?

Es ist relativ schwierig, die jungen Leute nach Tafers ins Museum zu bringen. Deswegen besteht eine Idee darin, zu den Menschen zu gehen. Man bräuchte dafür aber mehr Personal. Junge Leute haben heutzutage andere Interessen, als ins Museum zu gehen. Mir ging es damals ähnlich. Bevor ich mit 29  Jahren in den Stiftungsrat gewählt wurde, war ich selber wahrscheinlich noch nie im Museum.

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Ist es ein Ziel des Sensler Museums, Traditionen und Digitalisierung zu verbinden?

Ja, das ist eines unserer Ziele. Einige Schritte wurden bereits unternommen. So sind wir beispielsweise auf den sozialen Medien wie Facebook und Instagram aktiv und informieren auf unserer Homepage über aktuelle Anlässe.

 

Wie oft sind Sie selber im Sensler Museum anzutreffen?

Ich bin zu jeder Wechselausstellung bei der Vernissage dabei und auch sonst relativ oft im Sensler Museum anzutreffen.

Welchen Stellenwert hat ein Museum in einer Zeit, in der im Internet viele Informationen erhältlich sind und Räumlichkeiten virtuell entdeckt werden können?

«Museum» bedeutet, dass man die Gegenstände oft auch anfassen kann. Man kann Gespräche führen und es findet ein sozialer Kontakt statt. Solche Vorteile sollte das Museum nutzen.

Spielen aktuelle Ereignisse wie die Klimadebatte eine Rolle bei den Ausstellungen im Sensler Museum?

Eher nicht, das würde unseren Rahmen sprengen. Ein naturhistorisches Museum kann das besser integrieren. Das bedeutet aber nicht, dass es uns nicht interessiert.