Beat Brülhart 13.02.2020

Mehr Spinner braucht die Welt

Egal, wohin man blickt, an jeder Ecke lauern ungelöste Probleme. Manche ziehen sich schon über viele Jahre hin. Und wenn mal ein Problem gelöst wird, schafft die Lösung oft gleich ein paar neue dazu. Dabei halten wir uns für die intelligentesten Wesen, die dieser Planet je gesehen hat. Warum sind wir dann nicht in der Lage, endlich unsere Probleme vernünftig zu lösen? Hatte Albert Einstein recht, als er meinte, dass man unmöglich ein Problem mit Gedanken und mit Leuten lösen könne, durch die es ja erst geschaffen wurde?

 

Ich jedenfalls denke, dass es an der Zeit ist, gewisse Zeitgenossen zu ignorieren. Skeptiker, die den Nuller anzeigen, bevor der Schuss losgegangen ist, ewig Gestrige, die glauben, dass früher alles besser war und die jede neue Idee mit «Ja, aber» killen, Realisten, die nur für möglich halten, was sie kennen, und ihre Sichtweisen mit der Wirklichkeit verwechseln, Leute für die jeder Winter zu kalt, jeder Frühling zu nass, jeder Sommer zu heiss und jeder Herbst zu trüb ist, auf all diese Normalen dürfen wir nicht länger hören. Wir dürfen uns von all den Empörten und Alarmisten, den Weltuntergangspropheten, den Angst- und Panikmachern nicht ins Bockshorn jagen lassen. Wir sollten uns distanzieren von Leuten, die mit erhobenem Finger durchs Leben rennen, andere anklagen und verurteilen, die glauben zu wissen, was für andere gut ist und was diese zu tun und zu lassen haben; von all diesen Leuten gibt es so viele wie Sand am Meer, und ein Fensterplatz in den Medien ist ihnen erst noch sicher. Nur: Lösungen sind von ihnen keine zu erwarten.

Dabei brauchen wir dringend gute Lösungen. Dafür braucht es «Spinner». Wir brauchen Menschen, die wissen, dass wir noch lange nicht alles wissen, die erkennen, dass wir erst am Anfang und nicht am Ende sind, denen bewusst ist, dass alles im Fluss und nichts von Dauer ist. Menschen, die glauben dass mehr möglich ist, als das, was wir gerade für möglich halten. Wir brauchen Menschen, die trotz aller Widerwärtigkeiten an das Gute glauben, die glauben, dass Mensch und Natur in Einklang leben können, die eine friedliche Welt für realistisch halten, Menschen, die es wagen, das bisher Ungedachte zu denken und das noch nie Versuchte zu versuchen. Wir brauchen Menschen, die ohne ideologische Brille das Ganze sehen und ökologische, ökonomische und soziale Aspekte unter einen Hut bringen. Wir brauchen Menschen, die den kühlen Kopf bewahren, wenn alle um sie herum den Kopf verlieren. Wir brauchen Mutige und Beherzte, die gegen den Strom schwimmen. «Spinner» eben. Und wer weiss: Vielleicht liest gerade jetzt, hier in diesem Augenblick, ein solcher Spinner, eine solche Spinnerin diese Kolumne. Das wäre grossartig.

Beat Brülhart wohnt in Düdingen. Er ist Unternehmensberater und Trainer für Führungskräfte sowie Referent am Schweizerischen Institut für Unternehmensschulung. Als Mitglied des Gewerbeverbands Sense ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.