Silvan Jampen 30.01.2020

Taten statt Worte

Die Madrider Weltklimakonferenz im Dezember 2019 endete nach allgemeiner Einschätzung ergebnislos – die Regierungsvertreter konnten sich nicht auf gemeinsame und verbindliche Massnahmen gegen die negativen Auswirkungen der Klima- und Umweltveränderungen einigen. Nicht nur auf globaler Ebene hat die Politik Mühe, konkrete und wirksame Vorschläge durchzubringen, auch in unserem Kanton mahlen die politischen Mühlen extrem langsam, wenn man den zehnjährigen Leidensweg eines halbwegs griffigen Energiegesetzes betrachtet. Das verwundert wenig, denn selbst in unserer konsensbasierten Demokratie wollen Politikerinnen und Politiker wiedergewählt werden, und Bürgerinnen und Konsumenten finden, dass zuerst die anderen handeln sollen. Und zur Not kann man sich hinter der Komplexität des Themas verstecken. Selbst wenn die Wählerinnen und Wähler im vergangenen Herbst massiv die grünen Parteien unterstützt haben, bleibt die Hoffnung vage, der gordische Regulierungs-Knoten könne endlich durchhauen werden. Gefordert sind Taten statt Worte.

Intuitiv ahnen wir es alle: Es wird unangenehm werden. Und zwar so oder so: Die aktuelle Umweltbelastungen erfordern unangenehme Verhaltensänderungen, sonst werden wir von unangenehmen Folgen überrascht werden. Nach Jahren relativ wenig wirksamer Subventionierungen vieler gut gemeinten Ideen und Regulierung in homöopathischen Dosen wird der Druck auf den Energie- und Ressourcenverbrauch gerade im Privatbereich (Mobilität, Wohngebäude) zunehmen. In unserer Demo­kratie wird dies zum ultimativen Test.

Taten statt Worte liefert seit 2001 die praktisch ausschliesslich von Unternehmen finanzierte Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW). Sie berät und begleitet Unternehmen, selbst gesetzte Klimaziele oder Verpflichtungen aus den Reduktionsvereinbarungen mit dem Bund zu erreichen. Dabei wird jeweils die unternehmensspezifische Ausgangslage analysiert und dann die auf den Betrieb angepasste Massnahmen ergriffen. Aufgrund des erfreulich wirtschaftsfreundlichen ersten CO2-Gesetzes des Bundes wurde mit der EnAW ein überaus erfolgreicher Prozess angestossen. In diesem haben bisher mehr als 4000 Unternehmen eine über den Erwartungen liegende Reduktion der CO2-Intensität der Wirtschaft erreicht. Dank der bisher ergriffenen Massnahmen stösst die Schweizer Wirtschaft Jahr für Jahr weniger CO2 aus. Dadurch haben die hiesigen Unternehmen massgeblich dazu beigetragen, dass die Schweiz die Ziele des Kyoto-Protokolls bisher überhaupt erfüllen konnte.

Aber nicht nur das. Die EnAW hat auch eine sich selbst verstärkende Motivations­spirale ausgelöst. Unternehmen, die erfolgreich Projekte zur Ressourcenreduktion umgesetzt haben, wollen mehr machen. Zudem weitet die EnAW ihre Dienste auf KMU aus, die oftmals noch zögern, scheinbar unrentable Erstinvestitionen zu tätigen. Insgesamt entwickelt sich damit ein Multiplikator-Effekt, welcher der öffentlichen Hand und uns Einzelnen als Inspiration dienen kann.

Statt öffentliche Gelder in Subventionen zu stecken, die in alle Himmelsrichtungen zu verpuffen drohen, sollten Kantone damit ihre Vorbildfunktion finanzieren (z.B. Sanierung ihres Immobilien- oder Fahrzeugparks, Umstellung auf erneuerbare Energiequellen). Unser Kanton könnte hierbei proaktiv die «vier Säulen der Freiburger Wirtschaft» (FKB, Groupe E, KGV und TPF) miteinbeziehen. Auch Gemeinden haben ein grosses und weitgehend ungenütztes Potenzial, zum Beispiel beim Werkstoff-Recycling, wo die Schweiz gerade im Bereich Plastik international schlecht dasteht. Die Gemeinden sollten dabei verstärkt untereinander und mit privaten Dienstleistern zusammenarbeiten. Zu viel Naheliegendes liegt schon zu lange ungenutzt brach, selbst wenn die Politik ein rosigeres Bild malt.

Taten statt Worte – die Wirtschaft macht es vor. Jetzt sind die öffentliche Hand und wir Bürgerinnen und Bürger an der Reihe. Lassen wir uns inspirieren, werden wir kreativ und fangen mit jenen Massnahmen an, die rasch, unkompliziert und kostengünstig umgesetzt werden können! Denn wir alle wissen: Es gibt nichts Gutes – ausser man tut es.

Silvan Jampen ist als Unternehmens­jurist tätig und wohnt mit seiner Familie in Kerzers. Im Rahmen der FN-Gastkolumne äussert er seine persönliche Meinung zu gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Themen.