Kommentar 19.02.2020

Wir sagen «Greyerzer» – und Sie?

Als Schülerjournalistinnen wollten wir den Verantwortlichen der Sortenorganisation Gruyère auf den Zahn fühlen. Bei unserem Besuch in Pringy wies uns Marketingmitarbeiterin Anaïs Grandjean mit Nachdruck darauf hin, im Zeitungsartikel ausschliesslich die Bezeichnung «Le Gruyère AOP» zu verwenden. Das haben wir beim Schreiben des Artikels so umgesetzt. Nichtsdestotrotz hat uns die Sortenorganisation dazu verpflichtet, eine fest verankerte deutsche Bezeichnung, Greyerzer, durch eine französische Marke zu ersetzen. Das geht nicht, finden wir. Weshalb sollten wir als Deutschsprachige plötzlich einen Namen verwenden, der uns fremd erscheint? Für die meisten von uns war es schon immer der Greyerzer. Die Sorge um den Markenschutz ist verständlich. Und doch scheint uns, dass zumindest im Inland die deutsche Version des Namens nicht verschwinden sollte. Immerhin ist Freiburg, der Herkunftskanton des Käses, ein zweisprachiger Kanton. Produktbezeichnungen wie «Greyerzer» haben sich hier bei der deutschsprachigen Bevölkerung seit langem etabliert. Das sollte auch die Sortenorganisation in ihren Marketingkampagnen berücksichtigen. Sie strebt das Ziel an, dass die Bezeichnung des Käses dem Markennamen entspricht. Ob sich das im Alltag tatsächlich etablieren wird, scheint uns fraglich. Die Romands sagen schliesslich auch nicht «Le Gruyère AOP», sondern nur «Gruyère». Unternehmen aus dem französischsprachigen Teil des Kantons müssen erkennen: Wir Deutschfreiburger sind stolz auf unsere Sprache, und dazu gehört auch die Bezeichnung bestimmter Produkte, die seit langem so heissen, wie sie heissen.