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Keine neue Chance für die Kiesgrube

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In Tentlingen entsteht in den nächsten Jahren nun doch keine neue Kiesgrube. Gestern teilte der Gemeinderat seinen Entscheid mit, die erneut vom Kanton geforderte öffentliche Auflage für die Einzonung einer Kiesabbauzone nicht durchzuführen. Diese wäre aber nötig gewesen, damit das Projekt hätte realisiert werden können (die FN berichteten).

Einfach sei die Entscheidungsfindung nicht gewesen, erklärte Ammann Gerhard Liechti gestern auf Anfrage. Stand der alte Gemeinderat noch hinter dem Kiesabbauprojekt, haben die Gesamterneuerungswahlen im Februar 2016 nun eine Änderung herbeigeführt. Die genauen Gründe für den Entscheid nannte Liechti nicht. Er erklärte hingegen, dass der Gemeinderat sich klar vor Augen halten musste, dass der Streit und die Einsprachen wieder von vorne losgehen würden, hätte er die Pläne für die Kiesabbauzone nochmals öffentlich aufgelegt. Auch wenn nun die Befürworter der Kiesgrube wohl nicht zufrieden seien, hoffe er dennoch, dass früher oder später in dieser Sache wieder Ruhe einkehren werde.

Vigier wartete vergeblich

«Die Vigier Beton Romandie AG ist enttäuscht und bedauert den Entscheid des Gemeinderates, zumal das Unternehmen nach wie vor der Meinung ist, dass es sich beim Projekt Räbhalta um ein gutes Projekt gehandelt hätte», teilt Daniel Schneuwly, Verwaltungsratspräsident der Vigier Beton Romandie AG auf Anfrage schriftlich mit. Nachdem die kantonale Baudirektion das Kiesgrubenprojekt im Januar 2016 sistiert und vom Gemeinderat wegen weitreichender Änderungen im Dossier eine Neuauflage verlangt hatte, war Vigier auf die erneute Auflage der Pläne angewiesen und wartete. Wie Schneuw­ly erklärt, liege die Kompetenz für die Änderung des Zonennutzungsplanes von Gesetzes wegen ausschliesslich beim Gemeinderat. «Indem der Gemeinderat beschlossen hat, die vom Kanton geforderte, ergänzende öffentliche Auflage nicht durchzuführen, wird das Verfahren für die Einzonung der Kiesabbauzone Räbhalta faktisch beendet.» Was dies für Vigier finanziell bedeutet und wie viel Geld Vigier bereits in das Projekt investiert hatte, will der Verwaltungsratspräsident nicht ausführen. Er hält lediglich fest, dass die Ausarbeitung eines Projektes wie desjenigen der Kiesabbauzone Räbhalta «einen bedeutenden Einsatz finanzieller Mittel» erfordere.

Kein Ersatz in Aussicht

Das bestehende Werk in Tentlingen sei aufgrund der neusten Entwicklung aber nicht in Gefahr, so Daniel Schneuwly. Die Vigier Beton Romandie AG werde ihren Standort in der Stersmühle aufrechterhalten und die Versorgung der Bauunternehmen im Raum Tentlingen, Giffers, Marly oder auch in Freiburg bliebe erhalten. Eine andere Kiesabbauzone als Ersatz für jene in Tentlingen habe Vigier keine in Aussicht. «Das Projekt Räbhalta hätte der langfristigen Versorgung des Standortes Tentlingen mit eigenen Kiesreserven dienen sollen», so die Begründung Schneuwlys.

Finanzielle Konsequenzen?

Einer, der sich über die neuste Entwicklung in Sachen Kiesgrube besonders freut, ist André Schorro, Präsident des Vereins Zukunft Tentlingen. Der Verein hatte sich aus Angst vor Lärm, Staub und Mehrverkehr stets gegen die Kiesgrube ausgesprochen. «Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir in diesem Dossier an ein Ende kommen», sagte Schorro auf Anfrage. Er ist überzeugt davon, dass die Gemeinde finanziell nicht von der Kiesgrube hätte profitieren können, auch wenn Vigier zugesagt hatte, die Gemeinde jährlich mit 100 000 Franken zu entschädigen. «Denn ohne Kiesgrube kommen auch keine Kosten auf uns zu, wie etwa die Sanierung der Strasse für über 1,5  Millionen Franken.» Etwas anders sieht dies Ammann Gerhard Liechti, der auch die Finanzen unter sich hat. Die finanziellen Konsequenzen seien aus heutiger Sicht schwierig einzuschätzen. «Die Zeit wird zeigen, ob der Wegfall der Entschädigung Auswirkungen hat oder nicht», so Liechti.

Nicht restlos glücklich

Die Freude des Vereinspräsidenten André Schorro über den Neuanfang ist nicht ungetrübt, er gibt sich nachdenklich: «Nach dem ganzen Streit über die Kiesgrube ist die Bevölkerung nach wie vor gespalten.» In Familien und auch in Quartieren seien Zwiste ausgebrochen. «Es gibt eigentlich nur Verlierer», so Schorro.

Rückblick

Fast 20 Jahre nach dem ersten Projekt

Die Vigier Beton Romandie AG hatte vor, in einer Kiesgrube in Tentlingen während 22 Jahren in Etappen 1,8  Millionen Kubikmeter Material abzubauen. Die Pläne dazu wurden 2012 vorgestellt. Der ehemalige Gemeinderat befürwortete das Projekt. Anwohner wehrten sich jedoch dagegen, weil sie Lärm, Staub und Mehrverkehr befürchteten. Sie erwirkten eine Konsultativabstimmung, bei der sich 51 Prozent der Tentlinger gegen die Kiesabbauzone aussprachen. Trotzdem reichte der Gemeinderat das Dossier 2013 beim Kanton ein. Anfang 2016 sistierte der Kanton das Projekt und verlangte eine zusätzliche öffentliche Auflage. Dieser Bedingung ist der neu zusammengesetzte Gemeinderat nun nicht nachgekommen. Bereits 1997 scheiterte ein von Vigier geplantes Kiesabbauprojekt in der Räbhalta in Tentlingen, weil es ebenfalls Opposition gab.

ak

Kommentar

Neue Köpfe, neue Richtung

Karin Aebischer

Der Richtungswechsel im Dossier Kiesgrube Tentlingen ist ein Produkt der demokratischen Prozesse. Der Widerstand gegen die Pläne von Vigier, die vom ehemaligen Gemeinderat unterstützt wurden, wuchs in einer Gruppe, die sich in einem Verein organisierte. Dieser Verein Zukunft Tentlingen erwirkte eine Konsultativabstimmung, die knapp zu seinen Gunsten ausfiel, jedoch auf politischer Ebene zu keiner Veränderung führte.

Mit den Gemeinderatswahlen im Februar 2016 änderte sich dies: Die Tentlinger wählten zwei Vereinsmitglieder in den Gemeinderat und spurten damit das Aus der Kiesgrube vor. Denn da das Vorhaben bereits in der vorhergehenden Legislatur nicht von allen Gemeinderäten getragen worden war, war die Kursänderung nur eine Frage der Zeit. Nun ist das Projekt für eine Kiesgrube in Tentlingen innerhalb von 20 Jahren zum zweiten Mal gescheitert. Die Opponenten treten jedoch nicht einfach als destruktive Kritiker auf, sondern haben als Gemeinderätinnen und Gemeinderäte Verantwortung für die Zukunft der Gemeinde übernommen. Das sollte auch die Kiesbefürworter etwas beruhigen können.

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