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«Keine Werbung für den Basketball»

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Tumulte, Schlägereien, vier Ausschlüsse, ein drohender Spielabbruch und zwei Teams, die nur unter Protest zu Ende spielten – die zweite Partie in der Playoff-Halbfinalserie zwischen Olympic und Neuenburg vom Mittwochabend verkam beinahe zur Farce. Nicht nur, dass das Fair Play mit Füssen getreten wurde, nein, der nach grösserer Aufmerksamkeit heischende Schweizer Basketball präsentierte sich in einem schiefen Licht und sorgte damit für negative Schlagzeilen par excellence. Es war ein trauriges Kapitel, welches die Mannschaften schrieben. Eines, das zwangsläufig Konsequenzen nach sich ziehen muss.

«Knapp an einer Katastrophe vorbei»

 Sicher ist bisher einzig, dass die vier disqualifizierten Spieler Nemanja Calasan, Clint Chapman (beide Freiburg), Babacar Toure sowie Pape Badji (beide Union) automatisch für die dritte Partie von morgen Samstag in Neuenburg gesperrt sind. «Über weitere Sanktionen wird der Einzelrichter befinden, nachdem er den Rapport der Schiedsrichter und die Videoaufnahmen konsultiert hat», sagt François Barras, Präsident der Nationalliga, der Zeuge der Entgleisungen gewesen ist. Der Freiburger, der selbst jahrelang dem Vorstand von Olympic angehört hatte, verteidigte den Entschluss des Schiedsrichtertrios, den Match nach dem rund halbstündigen Spielunterbruch und den darauffolgenden Diskussionen mit den Trainern sowie dem Liga-Kommissär fortzusetzen. Denn eigentlich hätten praktisch sämtliche Spieler disqualifiziert werden müssen, nachdem sie beim Handgemenge in der 17. Spielminute aufs Parkett gestürmt waren. «Wir gingen knapp an einer Katastrophe vorbei. Wenn wir konsequent gewesen wären, hätte es schlicht keinen Halbfinal mehr gegeben. Es war deshalb ein weiser Entscheid, die Partie doch noch fortzusetzen.»

Ein adäquates Sicherheitsdispositiv

 Unmittelbar nach Spielschluss hatte Barras –, nachdem er sich im Namen des Basketballs für die Geschehnisse entschuldigt hatte–beide Klubs aufgefordert, sich gut zu überlegen, welche Schritte sie nach diesem beschämenden Abend einleiten würden. «Wir werden zunächst vor der eigenen Tür wischen, bevor wir schauen, was unser Gegenüber gemacht hat», sagt Zeki Ayan, Mitglied der technischen Kommission von Olympic. «Sicher ist, dass wir–falls es denn ein fünftes Spiel im St. Leonhard geben sollte–zusätzliche Sicherheitsleute aufbieten werden.» Eben diese Sicherheitsvorkehrungen – die anwesenden Mitarbeiter der Securitas stiessen angesichts der aufgebrachten Spielermeute an ihre Grenzen – brachte die Neuenburger dazu, das Spiel unter Protest zu Ende zu spielen. «Da die Sicherheit in der Halle jedoch nicht Teil eines Spielfeldprotestes sein kann, haben wir uns entschieden, darauf nicht weiter zu insistieren», sagt Claude Baumgartner, der Vorstandsdelegierte von Union Neuenburg, gegenüber den FN. Laut François Barras war das Sicherheitsdispositiv adäquat. «Man kann nicht immer mit dem Schlimmsten rechnen. Das Aufgebot der Securitas war im normalen Rahmen. Aus meiner Sicht kann man Olympic dafür nicht zur Verantwortung ziehen.»

Entschuldigungen

 Neuenburgs Baumgartner liegt im Vorfeld der nächsten Halbfinalspiele viel daran, die Wogen zu glätten. «Wir wollen die ganze Sache nicht noch zusätzlich anheizen. Wir behalten uns einzig vor, zu reagieren, falls wir uns bei den von der Liga zu fällenden Sanktionen benachteiligt fühlen.» Union setze alles daran, dass die Zuschauer am Samstag einem fairen Basketballspiel beiwohnen könnten. «Die Probleme gab es auf dem Parkett. Die Zuschauer beider Lager haben am Mittwoch nach dem Match friedlich zusammen etwas getrunken», so Baumgartner.

Mit zivilrechtlichen Folgen, welche am Mittwoch unmittelbar nach Spielende in den Katakomben der Halle St. Leonhard von Neuenburger Seite noch erwogen worden waren, ist also nicht zu rechnen. Derweil die Sanktionen der Liga sowie des Einzelrichters noch ausstehen, sind alle Beteiligten um Schadensbegrenzung bestrebt. «Ich möchte mich in erster Linie bei den vielen jungen Zuschauern, die das Spiel gesehen haben, entschuldigen», hält Ayan fest. «Wir von Olympic investieren unsere Arbeit nicht dafür, um solche Sachen mit ansehen zu müssen.»

Ein soziales Phänomen

Olympic-Präsident Philippe de Gottrau, der zurzeit in den Ferien weilt, wollte sich aus der Ferne kein abschliessendes Urteil erlauben. «Langfristig sind die Geschehnisse sicher nicht gut für den Sport und schon gar keine Werbung für den Basketball. Wir werden die ganze Geschichte heute Abend (Red.: gestern) im Vorstand per Telefonkonferenz aufarbeiten. Aus neutralen Erzählungen weiss ich aber bereits, dass es schrecklich gewesen sein muss.» Klar ist für de Gottrau, dass alle Beteiligten die Nerven verloren haben. «Jeder trägt deshalb Verantwortung: Spieler, Schiedsrichter, Zuschauer und auch wir als Klub. Vielleicht haben wir den Spielern zu viel Druck gemacht, indem wir ihnen eingetrichtert haben, dass nun Playoffs seien und nur noch Siege zählten.» De Gottrau wies zudem darauf hin, dass der Klub gegenüber seinen fehlbaren Spielern Chapman und Calasan auch interne Sanktionen ergreifen werde, sollte deren Schuld eindeutig nachgewiesen werden können.

Für Gabriel Gisler schliesslich, den Direktor der Schweizerischen Basketball-Liga, müssen die Lehren aus den Vorfällen vom Mittwoch gezogen werden. «Ich habe wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass bei allen Beteiligten der Wille zur Selbstkritik vorhanden ist. Aber an diesem Mittwoch wurde bedauerlicherweise einmal mehr offensichtlich, dass wir als Liga nicht Herr über alle möglichen Auswüchse sein können. Letztlich waren diese Tumulte auch ein soziales Phänomen.»

 

Fliegende Fäuste: Toures Ausraster als Auslöser

U rsprung der Tumulte im Spiel vom Mittwoch war Unions Babacar Toure, der zunächst Jonathan Kazadi den Ellbogen ins Gesicht rammte und anschliessend Arnaud Cotture den Ball an den Kopf war. Die folgende Rauferei hatte Spielausschlüsse von Toure, Pape Badji sowie Olympics Nemanja Calasan zur Folge. Auf dem Gang in die Kabine gerieten die Streithähne erneut aneinander, wobei ein Mitarbeiter der Securitas verletzt und Freiburgs Clint Chapman ebenfalls disqualifiziert wurde. Die Partie wurde nach langen Diskussionen schliesslich zu Ende gespielt. Die Freiburger setzten sich mit 65:63 durch und glichen in der Halbfinalserie (best of 5) zum 1:1 aus. Die nächsten beiden Partien finden morgen Samstag und Dienstag in Neuenburg statt.

Dass sich Olympics Trainer Petar Aleksic im Schlussviertel nach einem unabsichtlichen Rencontre mit Neuenburgs Tresor Quidome zu allem Überfluss auch noch die Nase gebrochen hatte, passte zu diesem mehr als tristen Basketball-Spiel. fs

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