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Kleine Fortschritte im Kampf gegen häusliche Gewalt

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Gewalt gegen den eigenen Partner oder die eigene Partnerin kommt häufiger vor, als man meint, besonders bei älteren Menschen. (Symbolbild)
keystone sda

Häusliche Gewalt – ein Phänomen, das zwar niemand toleriert, das jedoch regelmässig vorkommt und sogar eher zunimmt. Ältere Menschen sind besonders betroffen.

Heute Dienstag beschäftigen sich Fachkräfte im Rahmen einer Schulung der kantonalen Gesundheits- und Sozialdirektion mit der Bewältigung von häuslicher Gewalt in Paarbeziehungen. Die Veranstalter setzen einen besonderen Fokus auf die Gewalt unter älteren Menschen. Das Problem werde sozial unterschätzt, erklärt Géraldine Morel, Koordinatorin Bekämpfung von Gewalt in Paarbeziehungen, im Interview mit den FN. Doch das Phänomen sei durchaus alltäglich – und habe in letzter Zeit sogar zugenommen.

Das Thema häusliche Gewalt wird regelmässig in der Öffentlichkeit diskutiert. Wie präsentiert sich die aktuelle Lage aus Ihrer Sicht?

Das Problem ist so aktuell wie eh und je. Häusliche Gewalt gehört zu den wenigen Punkten in den internationalen, nationalen und kantonalen Kriminalstatistiken, deren Zahlen seit Jahren nicht zurückgehen. Die intensive Diskussion in der Öffentlichkeit und in den Medien über die internationale Istanbuler Konvention von 2018, beispielsweise mit der Ablehnung durch den Gastgeberstaat Türkei, belegt dies.

Das heisst, der Kampf gegen häusliche Gewalt war und ist umsonst?

Nein, es wurden in den letzten Jahren viele Massnahmen ergriffen. Insbesondere wurde die Koordination unter den betroffenen Stellen verstärkt, um häusliche Gewalt bekämpfen und reduzieren zu können. Auf dem Papier könnte man eigentlich zufrieden sein. Dennoch erkennt man in den Statistiken eine wenn auch leichte Erhöhung der Zahlen und auch der Anzeigen.

Wenn also Strukturen aufgebaut werden, um gegen häusliche Gewalt anzutreten, diese aber nicht reichen, was kann man sonst noch machen?

Wir müssen die Mentalität der Menschen ändern. Grundsätzlich sind zwar alle gegen Gewalt. Doch nur wenn wir die Mentalität vor allem junger Menschen, von Kindern und Jugendlichen, ändern, langfristig ändern, können wir des Problems langfristig Herr werden. Denn noch immer wird häusliche Gewalt weitgehend lediglich als Ehekonflikt verstanden. Dabei stehen dahinter vielmehr ein generelles Gewaltproblem und ein Mangel an Gleichstellung.

Wie müssen wir uns das konkret vorstellen?

Die Frage der Gleichheit von Mann und Frau müsste im normalen Schulunterricht gelehrt werden, dass die Kinder keine Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs machen. Es reicht zum Beispiel nicht, dass wir Jungs beibringen, dass sie Mädchen nicht ohne deren Zustimmung berühren dürfen. Wir müssen Mädchen und Frauen klar machen, dass sie die Macht über ihren Körper haben. Wir müssen Kindern und Jugendlichen ganz allgemein Respekt beibringen. Wir müssen auch die Arbeitswelt so gestalten, dass Frauen Arbeit und Familie vereinbaren können, dass sie ihr eigenes Geld verdienen. Denn je unabhängiger sie sind, desto weniger riskieren sie, Opfer zu werden. Je grösser das Machtgefühl der Männer ist, desto eher werden sie übergriffig.

Wir sprechen von Prävention. Doch wie wichtig ist in diesem Bereich die Repression, also zum Beispiel das Eingreifen der Polizei?

Heute greift die Polizei sehr schnell und effektiv ein. Sie weiss ja auch, wie man mit Gewalttätern und den Opfern umgeht. Und was auch anders ist: Die Täter werden nicht nur deutlich öfter, sondern auch länger weggewiesen aus den gemeinsamen Wohnungen. Zentral ist das Zusammenwirken verschiedener Stellen, also von Prävention und Repression.

Géraldine Morel, beim Kanton zuständig für den Bereich Bekämpfung von Gewalt in Paarbeziehungen.
zvg

Wie wichtig sind Opfer- und Frauenhäuser für die Betreuung der Betroffenen?

Sie sind entscheidend. Auch die Opferhilfe mit ihren Beratungen sowohl am Telefon als auch im direkten Gespräch ist ein wichtiger Pfeiler der Unterstützung.

Wie steht die Schweiz im internationalen Vergleich da?

In Spanien zum Beispiel wird das Thema deutlich ganzheitlicher betrachtet. So urteilt derselbe Richter zum Beispiel über Scheidungen, Sorgefälle von Kindern und häusliche Gewalt. Die Strukturen sind darauf ausgerichtet, dass den Opfern zugehört und geglaubt wird, dass man sie unterstützt. Es wurden zu diesem Zweck zudem bedeutende Mittel investiert. Auch in den skandinavischen Staaten ist die strukturelle Zusammenarbeit zwischen den Stellen besser ausgebaut. Es gibt noch viel zu tun, aber wir wissen, in welche Richtung wir wollen. Das Ziel muss sein, das Opfer zu schützen und zu entlasten.

Das Seminar von heute wirft ein besonderes Schlaglicht auf die Gewalt, die vor allem ältere Männer gegenüber ihren Partnerinnen ausüben. Warum ist das ein spezifisches Problem?

Die bestehenden Dispositive sind auf jüngere Menschen im aktiven Alter ausgerichtet. Doch man stellt fest, dass die Pensionierung ein schwieriger Einschnitt im Leben von Menschen ist. Die organisatorischen und finanziellen Veränderungen können zu Spannungen und Schwierigkeiten im Zusammenleben führen. Sie könnten auch bereits bestehende Gewalterfahrung in der Partnerschaft verschlimmern, die bereits während des Arbeitslebens bestanden hat. Man hat weniger Geld, lebt den ganzen Tag zusammen und fühlt sich ohnmächtig, stellt fest, dass man schwach und krank ist. Dieses Gefühl verstärkt das Risiko von Gewalt.

Und für diese Gruppe ist das Unterstützungsdispositiv schwächer?

Es ist eine Generation, die oft eine patriarchale Mentalität hat, bei der der Mann der Herr im Haus zu sein glaubt, die Frau kaum oder gar nicht gearbeitet hat und die Abhängigkeit wie auch die soziale Ungleichheit gross war. Zum Teil erleben diese Frauen schon seit Jahren Gewalt von ihrem Ehemann, das war in vielen Kreisen früher gang und gäbe. Schliesslich sind diese Menschen es auch nicht gewohnt, staatliche Hilfe entgegenzunehmen oder im Notfall Hilfe anzunehmen. Das machte man früher einfach nicht. Kurzum: Wir kommen schlechter an alte Menschen heran, wenn wir helfen wollen. Es ist also durchaus auch eine Generationsfrage. Denken Sie nur auch an die relativ zahlreichen erweiterten Familiendramen unter älteren Menschen, wenn zum Beispiel der Mann seine Frau in den Tod mitnimmt, weil er sie nicht allein lassen möchte. Was sie wollte, erfahren wir dann nie.

Sozialer Brennpunkt

Gewalt gegen alte Menschen

Opferhilfeangebote, Forschung und Prävention beschäftigen sich generell mit jüngeren Menschen. Doch häusliche Gewalt hört nicht mit der Pensionierung auf. Das ist die wenig überraschende Erkenntnis aus repräsentativen Bevölkerungsstudien. Ein Faktor für die Zunahme sind auch die Folgen der gesellschaftlichen Alterung. Der Anteil der Bevölkerungsgruppe der über 65-Jährigen wird gemäss Bundesamt für Statistik bis 2050 von heute 19 auf 25 Prozent der Gesamtbevölkerung steigen. Sie haben ein tendenziell erhöhtes Risiko, Opfer von häuslicher Gewalt zu werden – von Partnern, anderen Angehörigen oder von Pflegenden. Strukturelle Defizite wie kein Internetzugang, Mobilitätsprobleme, Abhängigkeit bei der Pflege oder kognitive Probleme fördern dieses Risiko. Und wie bei Menschen im aktiven Alter sind Frauen von häuslicher Gewalt unter älteren Menschen deutlich mehr betroffen als Männer. fca

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