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«Kleine Schritte statt Heldentaten»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Nicole Jegerlehner

Ein Freiburger Strassenwischer hatte es gewagt, drei Männer zu bitten, kein Terrassenmobiliar herumzuwerfen – und wurde verprügelt (siehe Text oben). Viele Menschen haben heute wegen solcher Beispiele Angst, sich einzumischen, wenn im öffentlichen Raum etwas schiefläuft. Die Psychologin Veronika Brandstätter-Morawietz lehrt an der Universität Zürich und bietet Trainings für Zivilcourage an.

Wie soll jemand vorgehen, wenn im öffentlichen Raum Störendes vor sich geht?

Die Beobachter müssen abschätzen, ob Sachschaden entsteht oder gar Personen verletzt werden. In diesen Fällen sollte sie die Polizei kontaktieren. Sehr heikel sind Situationen mit Betrunkenen: Ihre Selbstkontrolle ist ausser Kraft gesetzt.

Die Beobachter sollen also nicht selber eingreifen?

Das ist ein grosses Missverständnis: Zivilcourage besteht nicht darin, den Täter anzugehen. Besser ist es, das Opfer aus der Situation herauszuführen, solange keine Gewalt im Spiel ist.

An welche Situationen denken Sie?

Oft pöbeln Gruppen Behinderte, Alte, Ausländer oder Frauen an – Leute aus einer sozialen oder ethnischen Minderheit. Hier können wir dem Opfer die Hand reichen und es aus der Situation begleiten. Wenn aber physische Gewalt voraussehbar ist, gehe ich nicht zu nahe heran, um mich nicht selber in Gefahr zu bringen – sondern rufe die Polizei. Auch wer die Polizei alarmiert, zeigt Zivilcourage.

Wie sehen Ihre Trainings für Zivilcourage aus?

Wir haben das Motto «Zivilcourage kann man lernen – kleine Schritte statt Heldentaten». Wir zeigen, dass Zivilcourage lange vor der Schlägerei beginnt. Wir sollten auch in Situationen reagieren, in denen Menschen schlecht behandelt werden, zum Beispiel wenn jemand über Abwesende herzieht. Das üben wir in Rollenspielen. Situationen mit physischer Gewalt hingegen können wir nicht nachspielen, das simulieren wir mental.

Wie lernen Kinder, Zivilcourage zu zeigen?

Das ist eine Frage der Werte, die ich den Kindern vermittle: Welche Situationen dulde ich, welche nicht? Wir sollten in den Kindern den Mut stärken, aus der Gruppe herauszutreten und ein Fehlverhalten anzusprechen. Erwachsene können mit den Kindern solche Situationen besprechen und ihnen Vorbild sein.

Zivilcourage ist eine Frage der Werte. Wo hört der Interpretationsspielraum auf?

Es gibt Leute, die reagieren bereits bei rassistischen Witzen. Andere betrachten diese als reinen Spass. Bei physischer Gewalt hingegen ist der persönliche Interpretationsspielraum nicht mehr gegeben.

Greifen die Menschen heute weniger ein als früher, weil sie Angst vor Konsequenzen haben?

In grossen sozialen Gefügen – wie Städten – nimmt die gegenseitige Hilfe ab, weil alles anonymer ist. Zivilcourage zu zeigen hat zudem immer etwas Unangenehmes: Wir exponieren uns und ziehen Blicke auf uns. Dazu kommt die Angst, selber angegriffen zu werden. Angst hat aber auch eine wichtige Signalfunktion: Sie zeigt uns an, wann wir uns in kritischen Situationen befinden.

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