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Kleine und grosse Lebensweisheiten

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Im Krankenhaus ziehen sich die Tage wie Kaugummi, und viel Besuch bekommt Jean-Pierre, verwitweter Rentner ohne Kinder oder Hund, nicht gerade. Das ist dem Eigenbrötler auch ganz recht so, lieber schreibt er an seinen Memoiren. Doch dazu kommt er kaum, denn ständig fällt ihm jemand auf die Nerven: Maëva hat es auf seinen Laptop abgesehen, um «schnell mal Facebook zu checken». Maxime, ein junger Polizist, versucht herauszufinden, wie Jean-Pierre in der Seine gelandet ist – und schon bald entdecken die beiden ihre gemeinsame Leidenschaft für Schwarz-Weiss-Filme.

Nie zu spät

Vielleicht ist ein bisschen Gesellschaft also doch nicht ganz verkehrt? Der gutherzigen Krankenschwester Myriam wächst der Griesgram mit Galgenhumor so ans Herz, dass sie ihn zu ihrem Lieblingspatienten ernennt. Und dann ist da noch Camille, der Student, der Jean-Pierre aus der Seine gefischt hat. Allen zusammen gelingt es nach und nach, Jean-Pierre das Leben wieder schmackhaft zu machen – und für einen Neuanfang ist es bekanntlich nie zu spät.

Eine Verfilmung dieses Romans ist in Vorbereitung. Ein klein wenig erinnert dieser Inhalt an den «Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg», ein Bestseller-Roman, der ebenfalls auf die Leinwand gebracht wurde und einen sensationellen Erfolg feiern durfte.

Die Handlung beschränkt sich konsequent auf die Zeit, die Jean-Pierre im Spital verbringt. Doch die Schilderung dieses unfallbedingten Aufenthalts im Krankenhaus hat es in sich! Vor allem die Ärzteschaft bekommt gehörig ihr Fett weg. Jederzeit können die Halbgötter in Weiss ins Zimmer platzen, angeführt von einem Oberguru, der nicht den Menschen behandelt, sondern den Fall, den «Beckenbruch von Zimmer 28».

Ein kräftiger Seitenhieb auf die zunehmende Anonymisierung in den Spitälern, wo Zeitmanagement und Renditedenken überhandzunehmen drohen.

Ein Griesgram taut auf

Wie bei anderen Romanen der Autorin, zum Beispiel «Der Poet der kleinen Dinge», haben wir es mit Protagonisten zu tun, die am Rande der Gesellschaft leben und sich jedoch als Aussenseiter ordentlich behaupten und sich immer wieder mit viel Witz und Schläue durchs Leben schlagen. Eine erstaunliche Entwicklung macht die Hauptfigur Jean-Pierre durch. Sein bisheriges Leben, von dem wir viel Interessantes erfahren, wenn Jean-Pierre in Erinnerungen schwelgt, war alles andere als einfach. Von daher lassen sich seine anfängliche Verbitterung und seine schroff abweisenden Reaktionen den Mitmenschen gegenüber zum grössten Teil erklären. Doch selbst Jean-Pierre bleibt nicht der raubeinige Griesgram, den er anfänglich gerne mimt. Mit der Zeit, zwar sehr spät, aber nicht zu spät, kommt sein weicher Kern zum Vorschein.

Roger erzählt in kurzen Kapiteln kurzweilig, humorvoll und mitunter gar sarkastisch: eine erfrischende Lektüre, richtig aus dem Leben geschrieben!

Marie-Sabine Roger:«Das Leben ist ein listiger Kater», Roman, Hamburg: Atlantik, 2014 (aus dem Franz. übersetzt).

Aldo Faselist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

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