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Kleiner Verein in grossen Nöten

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Die Eltern der kleinen Marie sind geschieden. Die Trennung verlief konfliktgeladen, weil die Mutter dem Vater unterstellte, er habe das Kind misshandelt. Viele Monate hat er seine vierjährige Tochter nicht mehr gesehen. Doch das Gericht hat ihm zugestanden, dass er sie regelmässig sehen darf, allerdings nur unter Aufsicht. Diese fiktive Situation zeigt, wie schwierig die Ausübung eines Besuchsrechts sein kann. Unterstützung bietet der Verein Begleitete Besuchstage Freiburg. Die 1994 als gemeinnütziger Verein gegründete Organisation gibt getrennten oder geschiedenen Elternteilen eine Möglichkeit, ihr Kind in einem geschützten Rahmen abzugeben beziehungsweise zu sehen.

Ein professionelles Team aus Fachpersonen mit pädagogischem und sozialem Hintergrund begleitet die Familien. Der Verein stellt Räume zur Verfügung und übernimmt während des Besuchs die Aufsicht. Das begleitete Besuchsrecht wird vom Zivil- oder Friedensgericht verfügt. 705 solcher Besuche für 51 Familien mit 70 Kindern hat der Verein letztes Jahr durchgeführt.

Schwierige Beziehungen

Sascha Zimmermann, Begleiterin und Vorstandsmitglied, erklärt, dass die Dienste des Vereins meistens bei sehr schwierigen Beziehungen zwischen den Eltern verlangt werden – etwa dann, wenn ein Elternteil drogenabhängig oder alkoholkrank ist, wenn psychische Probleme oder häusliche Gewalt im Spiel sind oder wenn Verdacht auf sexuellen Missbrauch, Misshandlung, angedrohte Entführung oder Inhaftierung durch einen Elternteil besteht. Aber auch dann, wenn eine Beziehung zwischen Kind und Elternteil nach einem Abbruch und einer längeren Pause wieder aufgebaut werden muss. «Jeder Fall ist anders. Deshalb verläuft auch jede Begleitung auf unterschiedliche Weise», sagt Sascha Zimmermann. Die Kinder sind im Baby- bis Teenageralter, oft mehrere aus derselben Familie.

Immer mehr Fälle

Die Dienste des Vereins sind sehr gefragt. Pro Besuchstag am ersten und dritten Wochenende pro Monat von 13.30 bis 17.15  Uhr betreute ein Team aus fünf Fachpersonen letztes Jahr 18 Besuchssituationen, wie die Geschäftsführerin Christiane Rossier Cosandey in ihrem Jahresbericht schreibt. Insgesamt hat der Verein in den 24  Jahren seit der Gründung 576 Familiensituationen begleitet.

Letztes Jahr haben die Gerichte dem Verein via Jugendamt 54 Fälle mit Beziehungsproblemen übertragen, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. 2016 registrierte er gar eine 40-prozentige Zunahme. «Es gibt eindeutig mehr Anfragen, als wir fassen können», so Zimmermann. Friedensrichter seien zudem daran interessiert, dem Verein auch in weniger schwierigen Situationen ein Mandat zu übertragen. Der Vorstand verspüre das Bedürfnis, Besuchstage auch an schulfreien Mittwochnachmittagen anbieten zu können.

Doch der Verein konnte zuletzt seinen Auftrag immer weniger gut wahrnehmen. «Wir kämpfen seit Jahren mit finanziellen Problemen», sagt Sascha Zimmermann. Vor allem, seit der Verein für die Lokalitäten Miete bezahlen muss (siehe Kasten). Er finanziert sich hauptsächlich über einen Leistungsvertrag mit dem Kanton, über den er 170 000 Franken pro Jahr erhält. Zudem kommen Beiträge von Gemeinden und Spenden, etwa von der Loterie Romande. Das reicht aber nicht, um die Ausgaben zu decken; die Rechnungen weisen seit Jahren rote Zahlen aus. Mit den Einnahmen zahlt der Verein die Begleiter im Stundenlohn, mietet die Räume und entlöhnt die Geschäftsführerin. Diese prüft die Dossiers, sorgt dafür, dass die gerichtlichen Verfügungen umgesetzt werden, koordiniert die Besuchstage, führt mit den Eltern Gespräche und hält den Kontakt zum Jugendamt.

Lange Wartelisten

Die mangelnden finanziellen Ressourcen haben letztes Jahr zu einer Krise geführt. Der Verein musste die Einsätze des Begleitteams auf ein Minimum reduzieren und konnte so nicht alle Anfragen bewältigen. Dies betraf etwa 20  Prozent der von den Gerichten zugewiesenen Fälle. 2017 fanden an den 24 geöffneten Nachmittagen 436 Besuchssituationen statt, 38  Prozent weniger als im Vorjahr. Die Warteliste wurde immer länger: Heute müssen Familien bis zu einem Jahr warten, bis ein Besuch zustande kommt. «Das ist keine gute Situation für die Betroffenen, aber wir mussten diese Entscheidung treffen», sagt Zimmermann. Zudem musste der Verein die frühere, gefragte Dienstleistung «Passage», bei welcher der Verein Kinder bei der Übergabe von einem Elternteil zum anderen begleitete, aufgrund des Geldmangels einstellen.

Ein grosser Berg von Problemen, die der Verein, der am Mittwoch seine Generalversammlung abhält, bewältigen muss. Neue Vorstandsmitglieder, eine Erweiterung des Betreuungsteams auf die frühere Grösse von zwölf Personen und die Finanzen (siehe Kasten rechts unten) stehen auf der Aufgabenliste.

Der Verein würde gerne auf das Niveau anderer Kantone kommen. In Neuenburg etwa finden die Besuchstage jeden Mittwoch und jedes zweite Wochenende am Freitag, Samstag und Sonntag statt, in Genf an drei Tagen am Wochenende jeweils während neun Stunden. «Hätten wir mehr Kapazität, könnten wir die Wartelisten innert kurzer Zeit abbauen.»

Politik

Jetzt reagiert der Kanton

Lange hat der Verein Begleitete Besuchstage gehofft, die Finanzkrise aus eigenen Kräften bewältigen zu können, jedoch ohne Erfolg. Letzten Herbst ist der Vorstand bei Gesundheitsministerin Anne-Claude Demierre (SP) vorstellig geworden. Der Kanton habe die Anliegen zwar angehört, passiert sei dann aber nichts. Im März 2018 haben die Sensler Grossräte André Schneuwly (Freie Wähler, Düdingen) und Bernadette Mäder-Brülhart (Mitte links – CSP, Schmitten) eine Anfrage eingereicht. Sie verlangten, dass der Kanton den seit 2011 nicht mehr angepassten Leistungsvertrag über 170 000 Franken erhöht und dem Verein hilft, passende Räumlichkeiten zu finden oder die Dienstleistung in einem staatseigenen Gebäude unterzubringen. Ausserdem wollten die beiden Grossräte, dass das Angebot «Passage» wieder möglich gemacht wird.

Funkstille bis letzte Woche

Bis vor kurzem hat der Staatsrat trotz mehrmaliger Nachfrage keine Antwort auf die Anfrage gegeben. Vorwärts ging es erst, als die Justizkommission in der Grossratssession von letzter Woche Druck machte: Sie hat verlangt, dass das Angebot des Vereins institutionalisiert wird, damit die Wartelisten abgebaut werden kann. Die Motion ist mit 86 zu 0 Stimmen als dringlich überwiesen worden. Das heisst, dass der Staatsrat bis November darauf antworten muss. Nur zwei Tage später hat er bereits die Antwort auf die Anfrage Mäder/Schneuwly publiziert.

Der Kanton sei bereit, 36 000 Franken zusätzlich zu sprechen, um die Verluste der Vorjahre zu decken. Auch für das Budget 2019 will der Kanton 30 000 Franken mehr sprechen. Ausserdem hat die Gesundheitsdirektion der Loterie Romande empfohlen, dem Verein dieses und allenfalls auch nächstes Jahr 50 000 Franken zuzuweisen. Mit diesem Geld solle der Verein ein passendes Lokal finanzieren können, heisst es in der Antwort.

Geschäftsführerin Christiane Rossier Cosandey hat gegenüber der Tageszeitung «La Liberté» bezweifelt, dass diese Übergangshilfe auf Dauer genug ist. Das Geld reiche nicht aus, um einen neuen Standort zu finden, zu bezahlen, ihn sicherheitstechnisch auszustatten und zugleich die lange Warteliste von bis zu einem Jahr abzubauen. Der Verein will das weitere Vorgehen an der Generalversammlung vom Mittwoch besprechen.

Noch andere Vereine?

Bernadette Mäder-Brülhart und André Schneuwly sind zwar erstaunt, dass es so lange gedauert hat, bis sie eine Antwort auf ihre Anfrage erhalten haben, und dass erst die Justizkommission Druck machen musste. Sie sind aber froh, dass sich zum Wohle der betroffenen Familien jetzt endlich etwas tut. Die Schmittner Grossrätin ist überzeugt, dass es noch andere Vereine wie diesen gibt, die einen gesetzlichen Auftrag erfüllen und allenfalls mit finanziellen Problemen kämpfen. Sie will deshalb ein Postulat einreichen, um zu erfahren, wie es um die Dotation dieser Organisationen steht.

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Verein Begleitete Besuchstage

Schwierige Suche nach Lokal

Ein Teil des Problems des Vereins Begleitete Besuchstage sind die Räumlichkeiten, sagt Vorstandsmitglied Sascha Zimmermann. Früher stand ihm in der Stadt Freiburg kostenlos ein Lokal zur Verfügung, seit 2015 ist er in Lokalitäten der Bruderschaft des Heiligen Sakraments in Marly eingemietet. Diese Räume seien nicht ideal, weil die Raumaufteilung die Aufsicht erschwere und so mehr Personal eingesetzt werden müsse. Zudem gebe es Verkaufsabsichten für die Gebäude.

«Wir brauchen einen grossen Raum mit mehreren Tischen, der gut beaufsichtigt werden kann», erklärt Zimmermann. Auch Sitzungszimmer für die Elterngespräche, Toiletten, ein vom Lokal abgetrennter Eingangsbereich und ein Aussenbereich sind gefragt. Zudem muss das Lokal Parkplätze haben und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sein – und die Miete muss in einem vertretbaren Rahmen sein, damit der Verein sie sich leisten kann. «Das ist eine grosse Wunschliste, dessen sind wir uns bewusst», sagt sie. «Wir haben über 50 Organisationen angefragt, ob sie uns Obhut gewähren würden, bisher ohne Erfolg.»

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«Es gibt eindeutig mehr Anfragen, als wir fassen können.»

Sascha Zimmermann

Begleiterin, Vorstandsmitglied

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