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Knutti: «Zum Glück ist Julien ein offener Mensch»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Bruno Knutti, Sie haben Julien Sprunger auf dem Weg zum Comeback eng begleitet. Was stand bei Ihrem Aufbautraining im Vordergrund?

Zunächst einmal stand der Mensch Julien Sprunger im Zentrum. Der stand im Sommer, man kann es nicht anders ausdrücken, völlig neben den Schuhen. Da ging es zunächst darum, wieder Ordnung und Struktur in sein Leben zu bringen. Deshalb war ein geregeltes, strukturiertes Trainingsprogramm wichtig.

 

 War bei ihm nach über drei Monaten ohne merkliche Verbesserung im August eine gewisse Resignation spürbar?

Nein, ich kenne Julien schon lange und sehr gut. Er ist ein dankbarer Spieler, der dir Vertrauen schenkt. Ich habe ihm gesagt: Ich habe dich schon dreimal zurückgebracht und werde dich auch dieses Mal zurückbringen. Es begann ideal, der Rest der Mannschaft war wegen der European Trophy in Schweden und Tschechien, ich kehrte gerade von den Olympischen Spielen zurück und konnte mich voll auf ihn konzentrieren. Wir haben viel miteinander gesprochen und langsam angefangen, zu trainieren. Aber er benötigte viele Pausen, war schnell müde und hatte Schwindelanfälle.

 

 Was haben Sie dagegen unternommen?

Da ich schon oft mit Torhütern zusammengearbeitet hatte, wusste ich, dass die Arbeit mit den Augen wichtig ist. Wir haben festgestellt, dass bei Julien die Augen schnell überfordert waren. Bewegte er diese schnell auf und ab, wurde ihm schwindelig. Also haben wir mit Augentraining angefangen. Letztlich ist das vergleichbar mit einem Muskelaufbau an einer anderen Körperstelle.

 

 Was muss man sich unter Augentraining vorstellen?

Wir haben seine Augen langsam ans Limit geführt. Zum Beispiel indem er Kniebeugen machte und gleichzeitig mit den Augen einem Tennisball folgte, den ich hin und her bewegte. Später habe ich ihm mit einer Taschenlampe in die Augen gezündet und er musste dem Licht folgen. Mit dem grellen Licht ist das dann die volle Belastung. Man spielt in einem solchen Aufbautraining mitunter ein bisschen Daniel Düsentrieb. Zum Glück ist Julien ein offener Mensch.

 

 Waren diese Augenprobleme eine Folge der Hirnerschütterung im April?

Ich bin überzeugt, dass es keine Hirnerschütterung war, sondern eher ein Schleudertrauma. In diese Richtung geht auch der Bericht der Ärzte in Atlanta, die Sprunger im Juli aufgesucht hatte. Ich habe diesen Bericht genau gelesen und mich später an die Tipps der Ärzte gehalten. Beim ImPACT-Test (eine neuropsychologische Beurteilung, bei der nach Gehirnerschütterungen unter anderem die Denkgeschwindigkeit getestet wird, Red.) hat Julien besser abgeschnitten als vor dem Unfall. Ein Sturz aus dieser Höhe auf den Hinterkopf ist indes vergleichbar mit der Situation, wenn ein Auto von hinten in ein anderes prallt; deshalb ist ein Schleudertrauma möglich. Die Probleme mit den Augen rührten aber tatsächlich von der Kopfverletzung her.

 

 Neben Augentraining stand wohl auch viel Krafttraining an. Sprunger sagt, er habe in zwei Monaten zehn Kilogramm zugelegt.

Wir haben versucht, den Ernährungsbereich und das Krafttraining zu optimieren. Julien muss um jedes Gramm Muskelmasse kämpfen. Deshalb mussten wir uns in diesem Bereich am Limit bewegen. Doch es ist alles perfekt verlaufen. Ich würde sagen, Julien ist momentan physisch stärker denn je.

 

 Dennoch werden Sie auch in Zukunft ein spezielles Auge auf ihn werfen. Worauf muss er besonders achten?

 Seit der Nackenoperation 2009 achten wir darauf, den gesamten Nackenbereich besonders gut zu stabilisieren. Wegen seiner Körpergrösse fällt er von besonders weit oben. Nacken, Hals und Schultern müssen deshalb besonders gut stabilisiert sein. In diesem Bereich macht er ein bisschen mehr als die anderen Spieler. Sonst aber wird er dasselbe Programm absolvieren.

 

 Obwohl Sprunger, wie Sie sagen, physisch so stark ist wie nie zuvor, zögert er mit dem Entscheid, ob er heute sein Comeback geben soll. Wie ist das zu verstehen?

Ich habe ihn diese Woche gefragt, ob er noch Angst verspüre, und er hat ein bisschen zögerlich geantwortet. Da habe ich ihm gesagt: Als Antwort gibt es nur ein Ja oder ein Nein, nichts dazwischen. Wenn er voll überzeugt ist und Hans Kossmann voll überzeugt ist, steht einem Einsatz nichts im Weg. Aber wenn er mit Angst rausgeht, bringt das nichts. Dann wartet er besser noch eine Woche ab. Wir können mit ihm sprechen und ihm unsere Eindrücke schildern, aber entscheiden muss Julien letztlich ganz alleine.

 

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