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Konzeptlosigkeit des Bundes kritisiert

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Konzeptlosigkeit des Bundes kritisiert

PAA Romont: Glanebezirk will ersatzlosen Verlust der Arbeitsplätze nicht hinnehmen

Mit der ersatzlosen Schliessung des Armeefahrzeugparks (PAA) in Romont werde der Bund im Glanebezirk einen Scherbenhaufen hinterlassen, stellen die verantwortlichen Behörden empört fest. Jetzt verlangen sie mit einer Petition an den Bundesrat, dass Kompensationsmassnahmen eingeleitet werden.

Von WALTER BUCHS

Als im Dezember 2004 bekannt wurde, dass Grolley (Saanebezirk) als Standort für das einzige Logistik- und Infrastrukturzentrum der Armee in der Westschweiz gewählt wurde, spürte man im Kanton Freiburg eine gewisse Erleichterung. Dazu kam, dass, unterstützt von den kantonalen Behörden, der Oberamtmann des Glanebezirks und die betroffene Gemeinde den PAA in Romont für gewisse Dienstleistungen als Filiale von Grolley ins Spiel brachten.

Lange hoffte man, dass diese Option ein Chance haben könnte. Diese Hoffnung hat sich nun aber zerschlagen. Armeechef Keckeis hatte diese Möglichkeit im Sommer in einem Schreiben an die zuständige kantonale Direktion ausgeschlossen. Die Empörung im Glanebezirk ist dementsprechend gross. In den vergangenen Wochen haben die Behörden den Gegenangriff vorbereitet. Am Montag haben sie den Medien ihre Aktion «Réagir» vorgestellt.

«Ohrfeige an den Glanebezirk»

Jean-Dominique Sulmoni, Ammann von Romont/Remund, wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass die 120 Arbeitsplätze, die beim PAA verloren gehen, 4,5 Prozent der verfügbaren Arbeitsplätze in seiner Gemeinde und 1,8 Prozent jener im Bezirk ausmachen. Der PAA biete heute mit seinen 25 Plätzen sogar einen Viertel der Lehrstellen in der Gemeinde und fünf Prozent jener im Bezirk an.

Syndic Sulmoni gab im Weiteren bekannt, dass die Lohnmasse der 120 Angestellten und 25 Lehrlinge neun Millionen Franken ausmache. Zudem vergebe der PAA an lokale Unternehmen noch Arbeiten im Wert von 2,4 Mio. Fr. Dazu kämen jährliche Unterhaltsarbeiten im Wert von 200 000 Fr. All diese würde die Region nach der Schliessung des PAA verlieren. Dem ist anzufügen, dass die heutigen Angestellten grundsätzlich die Zusicherung haben, dass sie von der Armee in Grolley oder anderswo weiterbeschäftigt werden. Sie müssen sich allerdings individuell bewerben.
Was die Verantwortlichen im Glanebezirk so in Rage bringt, ist der Umstand, dass von Seiten des Bundes nichts unternommen wird, um für den heutigen Armeefahrzeugpark, der technisch gut eingerichtet ist, gleichwärtige Tätigkeiten zu finden, und dass generell gar nichts getan wird, um die bedrohten Arbeitsplätze zu ersetzen. «Von einem privaten Unternehmen würde man ein solches Vorgehen nicht akzeptieren», sagte Oberamtmann Jean-Claude Cornu an der Presseorientierung. Zudem gab er zu bedenken, dass von Seiten des Bundes die «extrem schwierige Lage des Glanebezirks in Sachen Schaffung und Erhaltung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen völlig ignoriert wird». Beim Beginn des Evaluationsprozesses über die künftigen Standorte hätte man noch zugesichert, solche Überlegungen würden ebenfalls in den Entscheidungsprozess miteinbezogen.

Sozialer Scherbenhaufen

Für die Bevölkerung im Glanebezirk hinterlässt der Bund mit der definitiven Schliessung des PAA in Romont aber auch einen Scherbenhaufen in sozialer Hinsicht. Oberamtmann Cornu macht sich keine Illusion darüber, dass auch bei einer Verlegung von Arbeitsplätzen nach Grolley viele Familien den Bezirk innerhalb einer halben Generation verlassen haben werden. Überhaupt nicht nachvollziehen können die Behörden schliesslich den Umstand, dass der Bund die guten technischen Einrichtungen in Romont einfach aufgeben will. Immerhin habe er seit den 80er Jahren am Standort Romont über 45 Mio. Fr. investiert. Nun wolle man einen fast neuen Betrieb einfach schliessen, obwohl man wisse, dass Grolley gar nicht alle Dienstleistungen von Romont werde aufnehmen können.

In dieser Situation haben der Gemeindeverband des Glanebezirks, das Oberamt, die Grossrats-Deputation sowie der IHG-Regionalverband beschlossen, mit einer Petition direkt an den Bundesrat zu gelangen. Damit verlangen sie Begleitmassnahmen, die dazu führen sollen, dass an diesem Standort möglichst schnell neue Tätigkeiten entstehen, die Arbeitsplätze schaffen. Dazu sollen auch die nötigen Finanzen bereitgestellt werden. Zusätzlich wird verlangt, dass einem anerkannten Spezialbüro der Auftrag erteilt wird, ein komplettes Dossier über die frei werdende Industrieanlage und die vorhandenen personellen Ressourcen zu erstellen.

Zudem werden Kompensationsmassnahmen in Form der Ansiedlung einer Bundesstelle oder Tätigkeiten von bundesnahen Unternehmen wie SBB, Post oder Ruag gefordert. Dazu solle der Bund die Garantie abgeben, dass ein Interessent für den frei werdenden Standort des PAA Romont in den Genuss von Sonderhilfen kommen könne.

Die Behörden im Glanebezirk erwarten ebenfalls, dass in der Planung des Bundes Verkehrsvorhaben (Strasse oder Schiene) aus oder in ihre Region Priorität erhalten. Schliesslich erwarten sie Garantien, dass in der Westschweiz proportional nicht mehr Armeeinfrastruktureinrichtungen und -arbeitsplätze abgebaut werden als in anderen Regionen. Insbesondere dürfe der jetzige Abbau nicht ein erster Schritt sein, später noch mehr in die Deutschschweiz, v.a. nach Thun, verlegt wird.
Aufruf an die
Bevölkerung

Die Bevölkerung des Glanebezirks wird aufgerufen, die Petition an den Bundesrat aktiv zu unterstützen. Mit den Unterlagen für die eidgenössische Abstimmung vom 27. November erhält jeder Stimmbürger und jede Stimmbürgerin einen zusätzlichen Stimmzettel mit einer entsprechenden Information.

Dieser Stimmzettel landet dann am Abstimmungstag in einer speziellen Urne, die in jedem Lokal aufgestellt wird, oder er kann beim
Abstimmen auf dem Korrespon-denzweg mit dem Abstimmungsmaterial zurückgeschickt werden. Damit bezeugt der Stimmende seine Unterstützung für die Petition, was dem Vorgehen dem Bundesrat gegenüber eine grössere Legitimation geben soll.

Schliesslich wird die Bevölkerung (nicht nur des Glanebezirks) eingeladen, auf die Telefon-Nummer 0900 Réagir oder 0900 732 447 (entspricht der Buchstabenzuteilung auf der Handy-Tastatur) anzurufen. Die Anrufe werden ebenfalls als Unterstützung der Petition gewertet. Beim Anruf hört man dann eine imitierte Stimme von Bundesrat Samuel Schmid, der sich in einem stark übertriebenen «Français fédéral» meldet. Jeder Anruf kostet 50 Rp. Der Erlös geht an den Hilfsfonds zu Gunsten der Schüler der OS Glane. wb

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