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Kriegsschuldfrage neu aufgerollt

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Es war so etwas wie ein Paukenschlag, als der australische Historiker Christopher Clark sein Buch «Die Schlafwandler – Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog» vorstellte. Clark überraschte die Öffentlichkeit mit bahnbrechenden neuen Erkenntnissen über den Weg in den Ersten Weltkrieg 1914. Denn lange Zeit galt es als ausgemacht, so die Beschreibung zu Clarks Buch, dass das deutsche Kaiserreich wegen seiner Grossmachtträume die Hauptverantwortung am Ausbruch des Ersten Weltkrieges trug.

Andere Einschätzung

Da die Geschichte von den (vermeintlichen) Siegern geschrieben wird, war es besonders für die französische Seite ein gefundenes Fressen, alle Schuld dem mächtigen Nachbarn in die Schuhe zu schieben und nach dem Waffenstillstand 1918 dem Deutschen Reich einen schmachvollen Friedensvertrag aufzuerlegen. Doch der renommierte australische Historiker und Bestsellerautor kommt zu einer anderen Einschätzung.

Wenn man nun den historischen Roman von Marko Rostek liest, kann man diese Einschätzung des Australiers sehr gut nachvollziehen. Zwischen dem 28. Juni 1914, dem Tag des Attentats auf den österreichischen Thronfolger in Sarajevo, und dem Beginn des Ersten Weltkrieges, der Europa völlig verändern wird, liegen 33 Tage. Die verantwortlichen Minister, Botschafter und Generäle in Wien, Berlin, London und St. Petersburg ahnen sehr wohl, dass ihre Entscheidungen mehr als wahrscheinlich eine Katastrophe auslösen werden.

Marko Rostek erzählt in seinem Erstling die Julikrise 1914 Tag für Tag und aus dem Blickwinkel der wichtigsten Entscheidungsträger. In einem Panoptikum der Ereignisse werden Strategien und (Fehl-) Entscheidungen auf österreichisch-ungarischer ebenso wie auf deutscher, russischer, französischer und englischer Seite erkennbar.

Dieses Buch ist empfehlenswert und höchst interessant, weil die heutige politisch-militärische Situation in Europa oft mit derjenigen von 1914 verglichen wird. Auch wenn die Lage nicht identisch ist, kommt man nicht umhin, gewisse Parallelen zu erkennen. Und besonders in Frankreich sieht man es nicht gerne, dass die Schuldfrage – 100 Jahre nach Kriegsausbruch – neu aufgerollt und relativiert wird. Hat man sich doch komfortabel eingerichtet in der Gewissheit, widerwillig in den Krieg hineingezogen worden zu sein.

Die Geschichte dieses letzten Sommers im Frieden ist Spannung pur. Staunend und kopfschüttelnd erlebt der Leser, wie Europa sehenden Auges in den Untergang marschiert. Im Erinnerungsjahr 2014 gehört dieses aussergewöhnliche Buch nicht nur für historisch Interessierte zur «Pflichtlektüre».

 Marko Rostek:«33 Tage – der letzte Sommer des alten Europa», Roman, Wien, Styria Premium, 2014.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

«Staunend und kopfschüttelnd erlebt der Leser, wie Europa sehenden Auges in den Untergang marschiert.»

Zur Person

Drei Jahre Recherche und Forschung

Marko Rostek ist 1969 in Graz in Österreich zur Welt gekommen. Er studierte an der Donau-Universität Krems. In seinem Hauptberuf ist er Unternehmensberater. Seinem vorliegenden Erstlingsroman liegt eine dreijährige Recherche- und Forschungsarbeit zugrunde. Marko Rostek lebt und arbeitet in Wien.af

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