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«Kultur ist ein wichtiger Wirtschaftsakteur»

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Association K/Verein C will mit neuer Schlagkraft die Interessen der Kulturveranstalter im Kanton verteidigen: Liliane Galley wurde zur neuen Präsidentin gewählt. Philippe Clivaz und Eloïse Brügger stehen als Vizepräsidenten an ihrer Seite.

Nach vier Jahren als Präsident des Dachverbands Association K/Verein C ist Gerhard Andrey zurückgetreten. Der Nationalrat hat das Zepter an Liliane Galley übergeben. Die Mitglieder wählten sie am Dienstagabend zur Präsidentin. Mit der Wahl der Grossrätin soll der Einfluss des Verbands auf kantonaler und kommunaler Ebene gestärkt werden. Wiedergewählt wurde Co-Vizepräsident Philippe Clivaz zusammen mit Eloïse Brügger, Verwalterin von Ebullition in Bulle. Clivaz ist Direktor des Internationalen Filmfestivals Freiburg, Fiff. Die FN sprachen mit den beiden über die Situation der Kulturveranstalter im Kanton.

Der Verein C wurde 2019 gegründet. Nach der Covid-Pandemie rückte er 2022 mit der Wahl von Gerhard Andrey zum Präsidenten ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit. Philippe Trinchan, Vorsteher des kantonalen Amts für Kultur, sprach damals von einem «Tag der Freude». Der Verein C sei ein wichtiger Partner für den Kanton. Was ist von dieser Anfangseuphorie geblieben? Geht es der Kultur besser?

Clivaz: Wir kommen Schritt für Schritt voran. Man beginnt, die Kultur ernst zu nehmen und sie als wichtiges Bindeglied in der lokalen Wertschöpfungskette wahrzunehmen.

Wie manifestiert sich das?

Clivaz: Als Direktor des Fiff stelle ich fest, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen des Festivals immer stärker interessieren. So stehen wir etwa in engem Kontakt mit der Wirtschaftskammer. Zudem war der Verein C während der Coronapandemie ein wichtiger Gesprächspartner für die Kulturämter von Stadt und Kanton Freiburg. Der Dachverband geniesst ihre Anerkennung und allgemein jene des Kantons.

Und dennoch haben beispielsweise die Verantwortlichen des Konzertlokals Fri-Son erst kürzlich einen Hilfeschrei ausgestossen. Wenn es nicht bald Unterstützung gebe, drohe der Konkurs. Wie ist das möglich – trotz der zunehmenden Professionalisierung des Kulturbetriebs, für die der Verein C steht?

Clivaz: Die Situation der kulturellen Strukturen ist grundsätzlich nicht gut. Ein Element für die Krise ist gerade die Professionalisierung. Im Einvernehmen mit dem Kanton versuchen wir, die Leute, die in der Kultur arbeiten, besser zu bezahlen. Das führt zu höheren Organisationskosten. Ein anderes Element ist die allgemeine Wirtschaftslage. Nicht nur Fri-Son ist davon betroffen, allgemein die Klubs. Die Konsumgewohnheiten haben sich stark verändert. Es braucht eine gewisse Zeit, um sich anzupassen.

Und worin liegt die politische Dimension der Krise?

Clivaz: In der Unsicherheit über die künftigen Subventionsträger auf regionaler Ebene. Man weiss, dass die Agglo Freiburg keine Zukunft hat. Das Oberamt und der Regionalverband des Saanebezirks arbeiten an Lösungen für den Tourismus, die Wirtschaft und die Mobilität. In Bezug auf die Kultur weiss man hingegen noch nicht, wohin es geht.

Galley: Ja, die grosse Unsicherheit liegt in der ungewissen Zukunft der Agglo-Kulturförderung.

Haben Sie als Grossrätin den Hilfeschrei von Fri-Son gehört?

Galley: Natürlich. Nicht nur das Fri-Son, auch andere Kulturorganisationen beginnen Alarmsignale auszusenden. Das ist etwas, was auch im Rahmen der Revision des Kulturgesetzes berücksichtigt werden muss. Zwei Aspekte spielen dabei eine wichtige Rolle: Der bisherige Umfang der Unterstützung muss erhalten werden – wünschenswert wäre eine Erhöhung, aber da muss man schauen, was möglich ist. Und der zweite Aspekt besteht in einem System, das effizienter und unkomplizierter ist, um Zugang zu Subventionen zu erhalten. Die Vielzahl an Institutionen, die Subventionen vergeben, sorgt heute für einigen Wirrwarr.

Wie konkret soll das im Kulturgesetz umgesetzt werden?

Galley: Das wichtigste Element wird sein, welche Rolle den Regionen in der Kultursubvention zugeschrieben wird. Welches sind die möglichen Regionen und wie viele Gemeinden umfassen sie. Das ist eine grosse Herausforderung. Denn ihr Perimeter wird nicht zwangsläufig jener der Bezirke sein.

Wo harzt es bei den diesbezüglichen Verhandlungen? Daran, dass die Gemeinden, die über keine kulturellen Einrichtungen verfügen, keine Lust haben, Einrichtungen in anderen Gemeinden, wie beispielsweise das Equilibre oder das Nuithonie, zu unterstützen?

Galley: Es gibt Gemeinden, die das Spiel mitspielen oder mitspielen möchten. Aber es gibt auch Gemeinden, die bisher nur profitiert, aber nicht gezahlt haben. In Bezug auf die Gleichbehandlung der Gemeinden müssen wir darum nochmals über die Bücher gehen. Es gibt das Kriterium der Distanz zu den kulturellen Einrichtungen, aber auch die Anzahl Einwohnerinnen und Einwohner.

Ist es nicht nachvollziehbar, wenn Dörfer in der Peripherie argumentieren, dass ihre Bevölkerung die Angebote fernab ihrer Gemeinde nicht in Anspruch nimmt, und sie daher auch nicht einsehen, warum sie zahlen sollen?

Clivaz: Die Frage muss andersrum gestellt werden, scheint mir. Gemeinden, die sich sträuben, einen Beitrag zu leisten, sollten sich vielmehr fragen: Profitieren wird als Gemeinde davon, wenn unsere Leute ins Nuithonie gehen?

Und die Antwort lautet?

Clivaz: Ja. Denn diese Personen bleiben in meiner Gemeinde, weil das Nuithonie unweit meiner Wohngemeinde liegt. Wenn wir das Nuithonie also nicht unterstützen, verschwindet das Theater, und die Einwohnerinnen und Einwohner meiner Gemeinde ziehen dahin, wo es noch ein Theater gibt.

Galley: Die Gemeinden haben in jedem Fall eine Struktur in ihrer Nähe, von der ihre Einwohnerinnen und Einwohner profitieren können. Es gibt Kultureinrichtungen im ganzen Kanton. In unserem Verein sind das Bad Bonn in Düdingen, L’Azimut in Estavayer-le-Lac, Bicubic in Romont, das Kulturzentrum Ebullition in Bulle und viele mehr vertreten.

Clivaz: Es ist eine Frage der Geisteshaltung. Nehmen wir die «agri»-culture, die Landwirtschaft. Wer behauptet, dass die Landwirtschaft kein Wirtschaftsakteur ist?! Niemand. Dies, obwohl die Landwirtschaft stark subventioniert wird. Es geht nicht darum, die beiden Wirtschaftszweige gegeneinander auszuspielen, aber es gibt keinen Grund, der Kultur diesen Anspruch abzusprechen.

Der Dienstchef des Stadtfreiburger Kulturamts, Juan Diaz, forderte in unserer Zeitung ein Ende des Silodenkens. Gemeint hat er damit die bisherige Arbeitsteilung unter den öffentlichen Akteuren. Er wünschte sich vielmehr eine umfassende Sicht auf den Prozess der kulturellen Produktion. Philippe Clivaz, Sie waren als Vertreter der Kultur im Leitungsausschuss zur Revision des Kulturgesetzes, was erwartet uns diesbezüglich im neuen Gesetz?

Clivaz: Ich denke, es wird keine grossen Änderungen bei der Frage geben, welche Instanz was subventioniert. Die grossen zwei Änderungen werden sein: Die Schaffung einer zusätzlichen regionalen Ebene, die bisher nur mit der Agglo Freiburg und im Greyerzbezirk existiert hat, sowie die Vereinfachung des Zugangs zu Subventionen.

Kommt das Guichet unique?

Clivaz: Nein, angestrebt wird nur eine Vereinheitlichung der Formalien. Die Antragsteller müssen sich nach wie vor an die verschiedenen Instanzen wenden – die Gemeinden, den Kanton, die Region.

Warum kein Guichet unique?

Clivaz: Das ist gefährlich, weil dann nur eine Instanz entscheidet.

Nun braucht es nebst einer Effizienzsteigerung in der Verwaltung der Subventionen, die am Ende den Kulturveranstaltern vielleicht auch mehr Geld einbringt, auch höhere Subventionsbeiträge. Das neue Gesetz wird die Geldfrage aber nicht regeln. Wer ist da gefordert?

Galley: Effektiv. Über das Gesetz werden wir die Unterstützung des Staates kaum gross erhöhen. Hingegen gibt es noch andere parastaatliche Organisationen, wie die Loterie Romande, Loro. Aktuell wird die Verteilung der Loro-Gelder zwischen dem Sport und der Kultur neu diskutiert. Zentral ist dabei, mindestens die bisherigen Beiträge für die Kultur zu erhalten, zumal es einige Akteure in der Wirtschaft gibt, die viel Geld dem Sport zukommen lassen. So zum Beispiel die vier Pfeiler der Freiburger Wirtschaft: Die Freiburger Kantonalbank, die Kantonale Gebäudeversicherung, Groupe E und die Freiburgischen Verkehrsbetriebe TPF investieren sehr viel in den Sport und viel weniger in die Kultur.

Clivaz: Die Idee von FDP-Grossrat Pascal Lauber, die Loro-Beiträge, von denen heute 85 Prozent an die Kultur und die sozialen Institutionen fliessen und 15 Prozent an den Sport, zu tauschen, sodass die Kultur neu den kleineren Anteil erhält, ist jedenfalls falsch.

Galley: Ja, seine Argumentation, dass die Loro-Gelder aus Sportwetten stammen und daher das Geld dem Sport zusteht, ist nicht stichhaltig.

Regelt das neue Kulturgesetz denn die Rolle der parastaatlichen Organisationen?

Galley: Ich weiss nicht, ob alles geregelt werden kann. Die Organisationen geniessen ja auch eine gewisse Unabhängigkeit. Es geht mehr um eine Bewusstseinswerdung.

Clivaz: Die staatlichen und parastaatlichen Akteure werden im Gesetz erwähnt werden. Das Gesetz wird indes keine Geldbeträge definieren, aber einen Kontext, der die Wichtigkeit der Kultur anerkennt. Der Verein C hat für einige unserer Mitglieder errechnet, was sie der Wirtschaft bringen. Danach entspricht ein Franken, den die öffentliche Hand in die Kultur investiert, zwei bis vier Franken, die in die kantonale Wirtschaft zurückfliessen.

«Die Kultur ist kein toter Ast, den man abschneiden muss, wenn es der Gesellschaft schlecht geht und man das Geld lieber in die Armee steckt, sie ist ein aktiver Wirtschaftsakteur.»

Philippe Clivaz
Vizepräsident Verein C

Egal, ob es sich um die sogenannte elitäre Kultur oder die Nischenkultur handelt.

Es ist ja schön und gut, wenn die Gesetzesrevision diese Tatsachen wieder ins öffentliche Bewusstsein ruft. Aber nach einiger Zeit wird man das wieder vergessen.

Clivaz: Das stimmt. Das ist ein fortwährender Prozess.

Galley: Ja, aber das Gesetz kann Grundsätze festschreiben.

Welche?

Galley: Aus Sicht der Association K sind es der Beitrag der Kultur an die Wirtschaft und für die Ausstrahlung des Kantons, aber auch der Umstand, dass die Kultur wichtig ist für die soziale Kohäsion.

«In einer Situation mit unzähligen Krisen haben wir die Tendenz, uns auf uns selber zu konzentrieren. Die Kultur dagegen fördert die Teilhabe und ist ein Ort, wo verschiedene Ideen aufeinandertreffen.»

Liliane Galley
Präsidentin Verein C

Wir haben davon gesprochen, was Dritte tun können, damit es der Kultur besser geht. Inwiefern sind die Kulturveranstalter und Kulturschaffenden gefordert?

Clivaz: Wir müssen in unserem Vorgehen, in Bezug auf unsere Anträge, professioneller werden. Man muss erklären, warum man unterstützt werden soll. Die Existenz allein rechtfertigt keine Unterstützung. Wir müssen unterstützt werden, weil wir ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind.

Konnte der Verein C zu dieser Professionalisierung bereits etwas beitragen?

Galley: Ja. Es ist einzigartig, dass sich alle Kulturveranstalter eines Kantons unter einem Dach vereinigen, dass sie sich nicht gegenseitig ausspielen. Dank des Vereins hat es der Staat mit einem einzigen Gesprächspartner zu tun. Das ist eine Chance.

Was tragen Initiativen wie der Verein Buro, der Kulturschaffenden bei juristischen und finanziellen Fragen hilft, zur Professionalisierung bei? Oder Forschungsresidenzen, wo Künstlerinnen und Künstlern einen Arbeitsraum, eine Vergütung und soziale Absicherung erhalten?

Clivaz: Buro, das Künstlerhaus in Givisiez und die Forschungsresidenzen, alle helfen. Denkbar ist darüber hinaus, dass sich mehrere kleinere Strukturen gemeinsam einen Administrator oder eine Administratorin teilen. Dank solcher Synergien können Ausgaben zugunsten der künstlerischen Arbeit eingespart werden. Association K überlegt sich ebenfalls, solche Gemeinschaften zu bilden.

Schliessen sich mehr Management und Kreativität nicht aus?

Clivaz: Das Organisatorische muss sich für die Kultur interessieren. Ich denke, dass man sich von der Idee des Künstlers verabschieden muss, der hungern und arm sein muss, um gute Kunst zu schaffen. Es geht selbstverständlich auch nicht darum, in der Opulenz, in Gold zu baden, um eine Künstlerin zu sein.

«Der Staat muss sich aber fragen, was er als Gesellschaft will. Will er eine Gesellschaft, in der nur die Wirtschaft und die Arbeit zählen, oder will er eine klügere, poetischere Gesellschaft, in der auch die Kunstschaffenden ihren Platz haben?»

Philippe Clivaz
Vizepräsident Verein C

Welche Akzente wollen Sie in Ihrer Präsidentschaft setzen, Liliane Galley?

Galley: In erster Linie geht es darum, die Errungenschaften zu verteidigen. Wir befinden uns in einer instabilen Phase, man sieht das auch auf eidgenössischer Ebene mit den Budgetkürzungen. Zudem bleiben die angesprochenen Synergien innerhalb des Vereins C ein Thema, aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Wirtschaftsakteuren wie dem Tourismus, der Gastronomie.

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