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«Kultur unterscheidet uns von Tieren»

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Wenn es Sarah Chardonnens an etwas nicht fehlt, dann ist es Energie. Nicht einmal der Corona-Lockdown konnte die Klarinettistin ausbremsen. Zwar wurden alle ihre Konzerte mit spürbaren ­finanziellen Einbussen von einem Tag auf den anderen abgesagt. Doch die Musikerin verharrte nicht lange in der Schockstarre. Schon am Ostermontag öffnete sie in ihrem Haus in Schmitten alle Fenster und Türen und gab mit Kollegen ein Konzert: «Alle Nachbarn waren eingeladen zuzuhören. Jene, die keine Lust auf unser

Spiel hatten, forderten wir auf, die Fenster zu schliessen», erzählt Chardonnens mit einem verschmitzten Lächeln.

Weil zudem der Präsenzunterricht am Konservatorium sowie an der Universität wegfiel, wo die 44-Jährige Musikdidaktik lehrt, musste sie sich überlegen, wie sie den Fernunterricht gestalten sollte. Innerhalb von zwei vollen Tagen produzierte sie für ihre Studentinnen und Studenten fünf Video-Tutorials und lud sie hoch. Für den Instrumentalunterricht liess sie sich etwas Besonderes einfallen. Sie drehte eine Anleitung zum Selbststudium. Kleine musikalisch umrahmte Erklärstücke ergänzte sie mit selber gemalten Zeichnungen, die sie mithilfe eines Softwareprogramms animierte.

Kehrseiten einer Krise

«Natürlich bringen schwierige Situationen auch neue Lösungen hervor», bestätigt Chardonnens. «Aber irgendwie führt uns die Corona-Krise auch in eine Sackgasse.» Gerade die Musik lebe von der Interaktion mit dem Publikum. «Der Klang in einem Konzertsaal ist nicht derselbe wie aus einem MP3-Player», sagt Chardonnens. Aber das sei vielleicht auch nur ihr Empfinden. «Ich mag das Stoffliche, ich muss die Dinge berühren, die Natur spüren.» Dennoch hofft sie auch auf die Politik. Denn Kultur könne man zwar als Luxus sehen, aber tatsächlich sei sie Teil des menschlichen Daseins und eine Form von Kommunikation. «Sie unterscheidet uns von den Tieren.» Sie fühle sich verpflichtet, für diese Botschaft einzustehen. «Sonst bin ich als Musikerin nicht glaubwürdig», sagt Sarah Chardonnens.

Freude vermitteln

Die Musik wurde der Freiburgerin bereits in die Wiege gelegt. Ihr Vater spielte Klarinette. Mit zwei Jahren blies sie in die Blockflöte. Mit vier stibitzte sie dem Vater heimlich die Klarinette und ruinierte mehrfach das am Mundstück befestigte Rohrblatt, bis der Vater entschied, ihr das Klarinettespielen beizubringen. Den Drang, ihr Können und Wissen weiterzugeben, hat sie ebenfalls vom Vater, der Lehrer war. So hat sie mehrere musikalische Märchen für Kinder geschrieben, illustriert, komponiert und vertont sowie ein Lehrbuch für Musikpädagogen herausgegeben. «Musik ist für kleine Kinder hilfreich beim Spracherwerb. Am Anfang nehmen sie Musik wie eine Wolke aus Emotionen und Klängen wahr. Wird dann das aktive Zuhören gefördert, können sie nach und nach Strukturen erkennen und die einzelnen Töne bewusst wahrnehmen. Das fördert die kognitive Strukturierung, die auch beim Erlernen der Sprache wichtig ist.» Hinzu komme, dass das gemeinsame Musizieren auch die sozialen Kompetenzen fördere.

Wie Wissen überhaupt erworben und im Gehirn verarbeitet wird, so dass es am Ende effi­zient und autonom in die Praxis umgesetzt werden kann, ist eine Frage, die Chardonnens fasziniert, weshalb sie sich aktuell auch in einer Doktorarbeit mit dem Thema beschäftigt. «Was in sechs Stunden erreicht werden kann, ist bei konzentriertem und gezieltem Üben auch in zwei möglich», sagt sie. Klar käme man in jungen Jahren um fleissiges Üben nicht herum, um es zu etwas zu bringen. «Früher übte ich brav mehrere Stunden pro Tag.» Heute aber profitiere sie von ihrem Wissen und ihrer Erfahrung.

Spass trotz Perfektionismus

In der Regel plant Chardonnens ihre Konzerte weit im Voraus, so dass sie neben ihrer Unterrichtstätigkeit und ihren Verpflichtungen als Familienfrau nicht in Zeitnot kommt. Steht ein Konzerttermin fest, spielt sie das Stück umgehend einmal auswendig. «Je nachdem, wie es läuft, weiss ich, was ich noch zu tun habe. Das beruhigt.» Danach packt die Musikerin jene Stellen an, die noch verbessert werden müssen. «Als Perfektionistin ist man allerdings nie zufrieden mit dem Ergebnis. Man sieht immer noch etwas, das besser sein müsste.» Deshalb spiele sie neben dem Pflichtstoff stets auch andere Stücke, damit der Spass an der Musik und die Frische nicht verloren gingen.

Vielseitiges Talent

Um den Kopf durchzulüften, geht Chardonnens regelmässig joggen. Sport sei ihr wichtig. Und damit es der Power­frau dabei nicht langweilig wird, probiert sie auch mal was Neues aus. So fing sie im letzten Winter mit Telemark-Skifahren an. «Das geht unglaublich in die Beine. Aber ich brauche manchmal den Schmerz, um zu spüren, dass ich lebe.»

Musikerin, Dozentin, Sportlerin, Grafikdesignerin – die Ausbildung zu Letzterem begann die zweifache Mutter, während sie mit ihrem ersten Sohn schwanger war: Das Leben von Sarah Chardonnens ist ein ständiger Balanceakt. Die vielen Talente und Interessen fordern aber auch ihren Tribut. Bei der Frage, ob sie einer möglichen internationalen Solistinnenkarriere nachtrauere, wird sie nachdenklich: «Ja, in jungen Jahren war ich schon ambitioniert. Ich habe viele Konzerte und Wettbewerbe im Ausland bestritten. Ich war von 46 Klarinettisten aus der ganzen Welt die einzige Schweizerin, die an einem ARD-Wettbewerb teilnehmen durfte.» Mit 30 Jahren habe dann aber die biologische Uhr immer lauter zu ticken begonnen. Sie entschied sich für eigene Kinder, für die sie auch da sein wollte. «Ich muss aber auch sagen, dass ich mich als Klarinettistin nie so ganz ernst genommen habe. Das liegt vielleicht auch daran, dass mir schon immer vieles leicht von der Hand gegangen ist.»

Zur Person

Musikerin und Lehrerin

Sarah Chardonnens Lehmann ist 1976 geboren und in Estavayer-le-Lac aufgewachsen. Zusammen mit ihrem Mann und ihren zwölf- und dreizehnjährigen Söhnen lebt sie heute in Schmitten. Chardonnens liess sich an den Musikhochschulen von Freiburg, Zürich und Winterthur zur Klarinettistin ausbilden. Sie ist Solistin des Freiburger Kammerorchesters. Neben ihrer Konzerttätigkeit unterrichtet Sarah Chardonnens am Konservatorium Freiburg Klarinette und gibt Kurse, in denen sie Kinder auf spielerische Weise an die Musiktheorie heranführt. Zudem lehrt sie Musikdidaktik an der Uni und der PH.

rsa

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