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Landsgemeinde soll Interessen bündeln

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Die Zukunft des Drei-Seen-Landes ist das Thema der Landsgemeinde am Freitag in Murten. Hintergrund ist eine Resolution des Verbandes Pro Agricultura Seeland (PAC) vom März. Die Resolution fordert eine dritte Juragewässerkorrektion, um die nationale Ernährungssicherheit zu gewährleisten. «Der Bund und die Kantone stehen in der Pflicht, für den Hauptteil der Mittel in der Höhe von einer Milliarde Franken aufzukommen», sagt PAC-Präsident Peter Thomet. Der Verfassungsartikel zur Ernährungssicherheit verpflichte Bund, Kantone und Gemeinden dazu, aktiv zu werden. Konkret lautet die Forderung, die Probleme mit dem Wasserhaushalt sowie mit der Absenkung der Böden im Grossen Moos zu lösen. Peter Thomet ist auch Sek­retär des Patronats­komitees der Landsgemeinde Drei-Seen-Land und BDP-Gemeinderat von Ins. Den Vorsitz des Anlasses hat der Murtner FDP-Grossratspräsident Markus Ith. Auf dem Programm stehen Referate und Podiumsdiskussionen mit Teilnehmern aus Landwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz sowie die Gründung einer Organisationsstruktur. «Am Freitag können alle ihre Maximalinteressen auf den Tisch legen», sagt Ith. «Die Herausforderung besteht darin, ein gemeinsames Bundesprojekt im Rahmen des Raumkonzeptes Schweiz zu erarbeiten.»

Der Agronom Peter Thomet erläutert die Sicht der Landwirtschaft: «Im Drei-Seen-Land befindet sich der fruchtbarste Boden der Schweiz. Teile der Gesellschaft wollen zurück zur ursprünglichen Natur.» Das passe aber nicht zum Bedürfnis der Ernährungssicherheit: «Wir müssen die natürlichen Ressourcen im Drei-Seen-Land dafür verwenden, unsere Ernährung zu sichern.»

Der Boden im Grossen Moos hat sich abgesenkt. Teilweise ragen die Dolendeckel aus den Feldern heraus, und viele Feldwege liegen höher als die Felder selber. «Das hat aber nicht mit einer Misswirtschaft der Landwirte zu tun», betont Thomet. «Überall auf der Welt, wo Menschen Moore drainiert haben, baut sich das Torf langsam ab, und es entweicht CO2.» Als Folge davon senke sich der Boden. Weil sich der Boden nun aber nicht gleichmässig abgesenkt hat, sind im Grossen Moos bei starken Regenfällen oft kleinere Seen oder Wasserlachen zu sehen. «Unter diesen ersticken die Kulturen.» Deshalb laute der Vorschlag, «unbelastetes Bauaushubmaterial für Terrainanpassungen zu verwenden.» Zudem wollen die Landwirte laut Thomet Wasser aus dem Hagneck-Kanal beziehen, «damit sich der Grundwasserspiegel nicht absenkt».

Die Trockenheit des Sommers stellte die Region Seeland vor grosse Probleme. Wäre es mit der Klimaveränderung angebracht, auf andere Kulturen zu setzen? «Da ist nicht viel zu erwarten: Patati ist eine Varian­te, das ist aber ein Nischenprodukt», sagt Thomet. Auch Reis stehe zur Diskussion, «dafür ist es aber zu wenig warm». Wenn die Landwirte Tierfutter wie Kleegras oder Mais anbauten, habe das mit den Fruchtfolgen zu tun. «Gerade Kleegras dient dazu, dass der Boden in den nächsten Jahren wieder fit ist für Gemüse.»

Herbert Känzig, Präsident WWF Freiburg, wird an einer der Podiumsdiskussionen teilnehmen. Für ihn ist das Vorhaben ein Projekt von nationaler Bedeutung. «Der Hintergrund ist, dass die Initiative von der Seite der Landwirtschaft kommt.» Doch es dürfe kein von der Landwirtschaft dominiertes Projekt sein, da das Gebiet für den Naturschutz und den Klimaschutz von grosser Relevanz sei. Für die Landwirtschaft gehe es bei dem Projekt hauptsächlich um Bewässerung, Entwässerung und Bodenqualität, «oder allgemein gesagt: um Produktivität.» Doch die intensive Nutzung des Bodens durch die Landwirtschaft soll nach Ansicht der Naturschutz­organisationen nicht dominieren: «Viele Auen, Moore und Landschaften sind mit ihren Bewohnern, den Wildtieren, Zug- und Wasservögeln sowie Amphibien von nationaler und zum Teil sogar von internationaler Bedeutung – und sind dennoch sehr gefährdet.» Die heutigen Naturflächen dürfen laut Känzig keinesfalls verkleinert, «sondern sollten vergrössert werden». Es gebe seitens der Naturschutzorganisationen auch Ideen, wie der Anbau in Zukunft aussehen könnte. Damit in Zusammenhang stünden auch die nationalen Strategien für Biodiversität und Klima sowie der Aktionsplan Pestizide. «Es geht darum, alles zu überdenken. Unter anderem auch, was die Landwirte anbauen.» Zum Beispiel werde auf wertvollen Acker- und Gemüseflächen auch recht viel Tierfutter angebaut. Das gelte es zu hinterfragen. «Wir vom WWF wie auch Pro Natura, Vogelschutz Schweiz und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz sind an diesem Projekt sehr interessiert.»

Moderation von externer Seite

«Unser zentrales Anliegen an die Landsgemeinde vom Freitag ist, dass das Projekt professionell und von externer Seite geführt wird», sagt Marcel Liner, Pro-Natura-Projektleiter Landwirtschaftspolitik. Er wird am Freitag als Referent an der Landsgemeinde teilnehmen. «Es gibt viele Interessen und ein grosses Konfliktpotenzial.» Deshalb erachte Pro Natura eine externe Moderation mit mediativem Charakter als die beste Lösung. Ob Pro Natura im Gründungskomitee Einsitz nehmen wird, sei noch offen. «Im Perimeter sind fünf Sektionen von Pro Natura betroffen, und wir werden das weitere Vorgehen Anfang Dezember gemeinsam diskutieren.» Präsidentin des Zentralvorstands von Pro Natura ist die Murtner Vize-Stadtpräsidentin Ursula Schneider Schüttel. Für Pro Natura sei klar, dass es mehr Naturschutzflächen geben muss, sagt Liner: «Früher war das gesamte Gebiet ein unglaublich wertvoller Raum für Biodiversität. Heute sind 99 Prozent davon weg.»

«Wir müssen die Ressourcen im Drei-Seen-Land dafür verwenden, unsere Ernährung zu sichern.»

Peter Thomet

Sekretär Patronatskomitee

Zahlen und Fakten

18 Gemeinden aus dem Seebezirk

An die Landsgemeinde vom Freitag in Murten sind Vertreterinnen und Vertreter von 230 Gemeinden des Drei-Seen-Landes zwischen Orbe und Solothurn (siehe Grafik links) sowie Vertreter aus fünf Kantonen wie auch Burgergemeinden und Vertreter von Naturschutzverbänden eingeladen. Das Drei-Seen-Land zieht sich über die Kantone Waadt, Neuenburg, Bern, Solothurn und Freiburg hinweg. Von den betroffenen Gemeinden befinden sich 18 im Freiburger Seebezirk, 50 gehören zum Einzugsgebiet des Regionalverbandes Broye Coreb in den Kantonen Waadt und Freiburg. Die Landsgemeinde bildet den Startschuss für die Gründung eines Vereins.

emu/Grafik zvg

 

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