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Leben für die Fotografie

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Leben für die Fotografie

Zum Tod von Jean Mülhauser

«Eigentlich müsste ich längstens tot sein.» Diesen Satz sagte Jean Mülhauser in den letzten Jahren immer wieder. Der Fotograf war schwer krebskrank. Am Sonntag ist er nun 72-jährig gestorben.

Von IRMGARD LEHMANN

Wegen der heimtückischen Krankheit hat Jean Mülhauser vor fünf Jahren sein Geschäft an der Steinbrückengasse beim Lindenplatz in Freiburg geschlossen. Die Ärzte gaben ihm damals nur noch einige Monate zu leben. Doch Jean Mülhauser blieben fünf Jahre. Vor zwei Jahren konnte er gar seinen 70. Geburtstag feiern: «Es stimmt, dass ich zwischendurch mal krank gewesen bin, aber aufgehört zu arbeiten habe ich nie», meinte er damals. Auf die Frage, was er denn noch vorhabe, sagte er: «Wenn ich noch ein Jahr habe, um alles zu erledigen, dann stimmts für mich.»

Über 100 dicke Ordner

Noch zwei Jahre blieben ihm und die Zeit hat er genutzt. Tag für Tag glitten Fotografien durch seine Finger. In seiner Wohnung stapelten sie sich, an den Wänden, in den Regalen, auf der Couch. Zusammen mit seiner Frau Hélène und seinen Schwestern hat er in den letzten drei Jahren während vier Stunden täglich klassiert und kopiert. Über 100 dicke Ordner und über eine Million Negative sind zusammengekommen, die der Kantons- und Universitätsbibliothek übergeben wurden: «Der Nachlass ist faszinierend und wir werden eine einmalige Ausstellung machen», schwärmt Adjunkt Emmanuel Schmutz. Noch sollte ein kleiner Teil dazukommen.

Aus dem Vollen geschöpft

Jean Mülhauser ist an der Oberen Matte, in der Altstadt von Freiburg, aufgewachsen. Von seinem Vater, einem Sensler aus Überstorf, lernte er das Handwerk, die Fotografie. Als er 18 war, erkrankte der Vater und der Jüngling musste die Verantwortung für die achtköpfige Familie übernehmen.

1961 hat er das Haus am Pont-Muré 4 gekauft und 37 Jahre mit seiner Frau das Geschäft geführt: «Meine Frau hat die drei Kinder grossgezogen und den Laden geführt. Ich hingegen war immer auf dem Sprung, um Aufträge einzuholen.». Er habe aus dem Vollen schöpfen können, damals in den Anfangszeiten. Mit Aufnahmen von Bauprojekten und Industriebetrieben habe er das Brot verdient. Doch sein Herz schlug für die Kunstfotografie. In Kirchen, da fühlte er sich wohl. Kunstbände über die Kathedrale und die Franziskanerkirche tragen u. a. seine Handschrift.

Jean Mülhauser war aber auch unterwegs um Hochzeiten, Primizen, Firmungen, Theateraufführungen und Schulabschlüsse festzuhalten. Die Fotografie bewahre vor dem Vergessen, pflegte er zu sagen. Denn die Gegenwart sei zu kurz, als dass man sie richtig wahrnehmen könne.

Jean Mülhauser hat aber auch Lehrlinge ausgebildet – als einer der letzten, wie er sagte und darauf war er besonders stolz (heute Fotoschule).
Am Sonntag ist der Fotograf nun gestorben. Er, der so viel sah, was andere nicht sahen. Er, der zu seinem Schaffen nur das eine zu sagen hatte: «I ha de Plousch ghäbe, quoi.» (FN 8. 9. 1999)

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