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«Lebendiger als im Gemeinderat»

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«Lebendiger als im Gemeinderat»

Die gestrige Jugendsession erwies sich als grosser Erfolg

Bei der Jugendsession in Freiburg kamen für einmal die Jungen zu Wort. Sie verstanden es, ihre Anliegen zu präsentieren, und lieferten den anwesenden Gemeinderäten Anhaltspunkte, die es verdienen, genauer geprüft zu werden.

«Jugendliche interessieren sich nicht für Politik!» Eine Behauptung, die man sehr oft zu hören bekommt, wenn man sich mit dem Verhältnis zwischen Jugend und Politik beschäftigt. Doch ist dem wirklich so? «Bei Jugendlichen steht die Politik einfach nicht an erster Stelle. Da kommen zuerst die Schule, die Freunde und die Musik. Es ist klar, dass nicht mehr viel Platz bleibt, um sich mit Politik zu beschäftigen», meint André Schoenenweid, Präsident des Generalrates und Leiter der Jugendsession, auf diese Frage. Dennoch ist er überzeugt, dass die Jungen, gibt man ihnen die Möglichkeit, Interesse haben, an der Politik mitzuwirken. Doch Lukas Bitterli (15), Schüler der FOS Gambach, ist überzeugt: «In unserem Alter ist es sinnlos, sich mit Politik zu befassen, man darf sich ja doch nicht aktiv betätigen, solange man noch nicht 18 ist.» Deshalb hält er die Jugendsession für eine gute Sache. Es sei auch für die Gemeinde wichtig, wenn sie von den Interessen der Jugend in Kenntnis gesetzt wird, denn «die Jungen von heute sind die Alten von morgen».

Bei der Jugendsession gestern waren nur zwei Lehrlinge anwesend. Das erstaunte umso mehr, als doch sehr viele Junge in dieser Altersgruppe eine Lehre absolvieren. «Politik ist Sache der anderen. Das interessiert die Lehrlinge nicht. Oder kennen Sie vielleicht einen Lehrling, der später Politiker wurde?», antwortete Miguel Panzo (18) vom «Foyer pour apprentis». Sein Kollege Sascha Houriez, ebenfalls vom «Foyer pour apprentis», wertet die Jugendsession als einen Erfolg: «Hier haben wir die Möglichkeit, uns zu äussern, vor allem, was die Lehrstellenknappheit betrifft.»

Senkung des Wahlalters

Die Schüler vom Kollegium St. Michael schlugen vor, das Stimm- und das passive Wahlrecht auf 16 Jahre zu senken. «Wenn wir mit 16 stimmen dürften, würde damit auch die Akzeptanz der Politik unter den Jugendlichen wieder steigen. Ich bin der Überzeugung, dass die Jugendlichen sich sehr wohl eine politische Meinung bilden können», erörterte Christian Dessibourg (16), einer der Initianten dieses Vorschlages, gegenüber den FN. Jacques Eschmann, Mitglied des Gemeinderates, äusserte sich positiv zu diesem Anliegen: «Es könnte sein, dass sich die Jugendlichen gar besser informieren würden als die Erwachsenen, wenn sie die Erlaubnis hätten, zu stimmen und zu wählen. Man sollte es auf jeden Fall versuchen.» Auch André Schoenenweid erachtet den Vorschlag zur Senkung des Wahlalters als «interessant». Eine Realisation sei aber nur auf Gemeinde- und eventuell auf kantonaler Ebene möglich.

Viele der Vorschläge wurden mit Hinweis auf die beschränkten finanziellen Kapazitäten von den Generalratsmitgliedern zurückgewiesen. Dieses Verhalten rief bei den Jugendlichen verschiedene Reaktionen hervor. «Immer scheitert alles am Geld! Man gibt es lieber aus, um Strassen zu sanieren, als es den Jungen zugute kommen zu lassen», meint Christian Dessibourg dazu. Julien Hayoz (14) von der CO Pérolles ist der Ansicht, dass man mit dem vorhandenen Geld auskommen kann: «Wir müssen halt auf das Budget der Stadt Rücksicht nehmen.»

Was aber die Verbesserung des Angebots der öffentlichen Verkehrsmittel betrifft, sind sich die Jungen einig: «Wenn man noch nicht Auto fahren kann, ist man auf den Bus angewiesen. Deshalb wünschen wir uns, dass auch am Abend Busse in die einzelnen Quartiere und Dörfer fahren», so Lukas Bitterli, einer der wenigen deutschsprachigen Teilnehmer an der Jugendsession. Ob er sich denn von den «Grossen» ernst genommen fühle? «Ich denke schon. Ich finde es aber nicht gut, wenn ich auf Deutsch einen Antrag stelle und man mir auf Französisch antwortet. Ich dachte immer, wir leben in einer zweisprachigen Stadt!» Das Sprachenproblem wurde in der Folge auch an der Sitzung besprochen.

Lassen sich die Anträge realisieren?

«Meiner Meinung nach gibt es Projekte, die sich problemlos realisieren lassen. So zum Beispiel die Einführung eines Schülerausweises, die Errichtung einer zweiten Eisbahn oder auch der gewünschte Bau einer Finnenbahn. Bei den Busverbindungen hingegen muss man erst zusammen mit den Verantwortlichen nach einer Lösung suchen», erklärt André Schoenenweid. Er ist mit dem Verlauf der Sitzung zufrieden: «Ich bin dankbar, dass ich die Session leiten darf, die Arbeit mit jungen Leuten gefällt mir sehr gut.» Und Jacques Eschmann meint noch: «Es ist schön zu sehen, wie sich die Jungen für ihre Anliegen einsetzen. Diese Sitzung ist zudem viel lebendiger und interessanter als die Sessionen im Gemeinderat.» le

Jährliche Session?

Zu Beginn der gestrigen Jugendsession haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ihren Reihen ein fünfköpfiges Büro gewählt. Dieses soll sich nun regelmässig mit Prosper Dombele, dem Präsidenten der Jugendkommission, treffen.

Die Jugendlichen aus der Stadt Freiburg, welche neue Ideen und Anregungen haben, können sich laut Prosper Dombele an ihn oder an das gewählte Büro wenden. «Wenn genug Themen oder Fragen an uns gerichtet werden, könnten wir wieder eine solche Session machen», äusserte sich Prosper Dombele am Ende der gestrigen Veranstaltung. Ideal wäre es gemäss dem Präsidenten der Jugendkommission, eine bis zwei Sessionen pro Jahr abzuhalten. Vorerst gelte es jedoch, eine Evaluation dieser ersten Session vorzunehmen. da

Für ein paar Stunden «Monsieur le député» sein

Nach anfänglicher Zurückhaltung von Seiten vieler der teilnehmenden Jugendlichen sind die Diskussionen im Verlaufe der ersten Stadtfreiburger Jugendsession immer intensiver geworden. Kaum jemand, der sich bis zum Ende der Veranstaltung nicht mindestens einmal zu Wort gemeldet hätte.

Es lief bei der Jugendsession wie bei den Grossen ab. Wer das Wort wünschte, bekam es von Generalratspräsident André Schoenenweid mit der Anrede «Monsieur le député» beziehungsweise «Mademoiselle la députée» zuerteilt. Passend zum generalrätlichen Formalismus, der auch in der Jugendsession an den Tag gelegt wurde, äusserten sich einige der «Grünschnäbel» bereits wie altgediente Polit-Hasen. Ausdrücke wie «Realismus» oder der Verweis auf den finanziellen Aufwand gewisser Vorschläge hätten wohl ebenso gut aus dem Munde eines Mitgliedes des Gemeinderates stammen können.

«Cool»

Daneben wurde von gewissen aber durchaus ein lockerer Umgangston angeschlagen: «Ja, cool», sagte etwa ein Sessionsteilnehmer, als er von André Schoenenweid gefragt wurde, ob ihn die Antwort von Gemeinderätin Geneviève Beaud Spang zur Lehrstellenfrage zufrieden stelle.

Bei den zwei ersten vorgestellten Themen entstand noch keine richtige Debatte. In Bezug auf das Wahlrecht mit sechzehn Jahren und auch für hier wohnhafte Ausländerinnen und Ausländer betonte Ammann Dominique de Buman, man sei hier an die kantonalen Bestimmungen gebunden. Und punkto Ermässigungen für Schwimmbadeintritte und Ähnliches dank Schülerkarte gab sich die versammelte Jugend mit der Bemerkung von Gemeinderätin Nicole Zimmermann, man werde die Sache prüfen, zufrieden.

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