leichtathletik 19.11.2018

Wanders schlägt 13 Jahre alten Rekord

Lief mit einem neuen Streckenrekord ins Ziel ein: Corrida-Sieger Julien Wanders.
2005 hatte Günther Wendlinger (AUT) an der Corrida von Bulle in 22:35 Minuten den Rekord gelaufen. Am Samstag gelang es dem Genfer Julien Wanders diesen 13 Jahre alten Rekord um acht Sekunden zu drücken.

4408 Läuferinnen und Läufer wurden an der 43. Corrida von Bulle klassiert. Das ist neuer Rekord. Zuvor lag er bei 4395 Klassierten im Jahr 2013. Einsam in Bezug auf die Gegnerschaft war das Rennen des 22-jährigen Julien Wanders. Keineswegs einsam hingegen war es für ihn, wenn man die Stimmung in den Gassen von Bulle als Massstab nimmt: Das zahlreiche Publikum trug Wanders schier zum Rekord. Nach den vier von acht Runden lag Wanders deutliche 14 Sekunden unter dem Marschplan zum Rekord. Dann wurde er langsamer. Schliesslich waren es immer noch 8 Sekunden, mit denen er den Rekord auf 22:27 Minuten drückte. Schon bei seinem ersten Corrida-Sieg im Vorjahr wollte Wanders den Rekord brechen. Damals scheiterte er auf der zweiten Streckenhälfte.

Auch am Samstag wurde Julien Wanders auf der zweiten Hälfte langsamer. «Die zwei letzten Runden waren wirklich sehr hart», erklärte er am Ziel, nachdem er sich ein paar Momente auf dem Boden liegend erholt hatte. Gleich in der ersten Runde griff er an und verabschiedete sich von den afrikanischen Gegnern. «Dieser Sieg und der Rekord sind sehr wichtig für mich. Denn ich fühle mich an der Corrida wohl.»

2:48 Minuten pro Kilometer

Julien Wanders hält den Europarekord über 10 km Strasse. Mit 27:32 Minuten hatte er diesen Rekord im Oktober dem vierfachen Olympiasieger Mo Farah (GB) abgeluchst. Und die Organisatoren in Bulle ehrten Wanders dafür mit der Startnummer 2732. Die Corrida-Zeit von 22:27 Minuten für die acht Kilometer dürften eine echte Knacknuss für die künftigen Läufer an der Corrida werden. Julien Wanders lief den Kilometerdurchschnitt von 2:48 Minuten, was das Niveau seines Laufes beeindruckend beschreibt. Wanders läuft im Aufbau 180 Kilometer pro Woche, in 12 bis 13 Trainingseinheiten. In den kommenden Wochen wird er an weiteren Schweizer Stadtläufen zu sehen sein.

Das Feld an dieser 43. Corrida war sehr stark besetzt. Nicht weniger als sechs Läufer mit einer 5000-m-Bestzeit deutlich unter 14 Minuten standen im Feld. Doch diese waren dem Sieger weit unterlegen, und der zweitklassierte Marokkaner Zohair Talbi musste sich um krasse 39 Sekunden von Wanders distanzieren lassen.

Lange lief der Kenianer Moses Koech an zweiter Stelle. Am Ende näherte sich ihm Zohair Talbi immer mehr. Talbi überspurtete Koech schliesslich um winzige vier Zehntelsekunden. Der 23-jährige Talbi weist 13:29 und 28:20 als Bestzeiten über 5000 bzw. 10 000 m auf. Der zweifache Corrida-Sieger Patrick Ereng (2013 und 2016), mittlerweile 31 Jahre alt, lief auf den 12. Rang.

Zweiter Schweizer wie im Vorjahr wurde Eric Rüttimann (LC Uster) auf dem 13. Rang: «Ich habe gar nicht probiert mit der Spitze zu laufen. Es war ganz einfach zu schnell. Ich befinde mich in einer harten Trainingsphase für einen Marathon», erklärte der Sohn des ehemaligen Spitzen-Radrennfahrer Niki Rüttimann. Der 26-Jährige möchte demnächst seine Marathonbestzeit von 2:24 auf 2:17 Stunden drücken.

Freiburger

Jari Piller wurde es warm ums Herz

Im Elitefeld der Männer lief in Abwesenheit von Andreas Kempf mit Jari Piller vom TSV Düdingen ein einziger Deutschfreiburger mit. Piller klassierte sich unter den 53 Athleten in 25:34 auf dem 28. Rang. Er schwärmte: «Das Publikum ist fantastisch. Da wird es einem beim Laufen richtig warm ums Herz.» Piller hatte bei seinem Lauf ein einfaches Ziel: «Ich wollte mich von Julien Wanders nicht überrunden lassen. Das ist mir knapp gelungen. Der Lauf von Wanders ist beeindruckend.»

bi

Corrida von Bulle

Schweizer Sieger

Bulle. Corrida Bulloise. Elite. Männer (8 km): 1. Julien Wanders (Stade Genève) 22:27 (Rekord, zuvor Günther Wendlinger 2005 in 22:35). 2. Zouhair Talbi (MAR) 23:06. 3. Moses Koech (KEN) 23:06. 4. Rinas Akhmadeev (RUS) 23:09. 5. Isaac Kimeli (BEL) 23:25. 6. Soufiyan Bouqantar (MAR) 23:27. 7. Bernard Matheka (KEN) 23:30. 8. Mathew Kibarus (KEN) 23:32. 9. Malcolm Hicks (NZL) 23:35. 10. Marcel Fehr (DEU) 23:42. – Ferner: 13. Eric Rüttimann (LC Uster) 24:09. 15. Fabian Juert (LV Langenthal) 24:32. 28. Jari Piller (TSV Düdingen) 25:34. 28. Yan Volery (SA Bulle) 25:34. 33. Jérémy Schouwey (CS Hauteville) 26:06. – 53 kl. Frauen (6 km): 1. Fabienne Schlumpf (TG Hütten) 19:41. 2. Cynthia Kosgei (KEN) 19:41. 3. Mercyline Jeronoh (KEN) 20:16. 4. Chiara Scherrer (TG Hütten) 20:19. 5. Daria Mykailova (UKR) 20:40. 6. Aude Salord (FRA) 20:43. 7. Maude Mathys (Ollon VD) 20:44. 8. Malika Akkaoui (MAR) 21:23. 9. Vanessa Pittet (CARC Romont) 222:10. 10. Jasmin Widmer (LATV Erstfeld) 22:14. – Ferner: 14. Isabell Gindrat-Keller (LAT Sense) 22:26. – 22 kl.

Die Resultate der übrigen Kategorien folgen in der Ausgabe vom Dienstag.

Frauen

Fabienne Schlumpf beschenkt sich gleich selbst

Bei den Frauen über 6 km (10 Runden) gewann wie im Vorjahr die Zürcherin Fabienne Schlumpf. Sie war im August in Berlin Vize-Europameisterin über 3000 m Steeple geworden. An der Corrida auf dem Podest stehend durfte die 28-Jährige vom Publikum das Geburtstagslied hören. Das Rennen der Frauen war weit spannender als bei den Männern. Zunächst lief eine Dreiergruppe an der Spitze. Nach Streckenhälfte lagen Schlumpf und die Kenianerin Cynthia Kosgei allein voraus. Kosgei wagte sogar einen Angriff und setzte sich vor Schlumpf. Dazu die Siegerin, die mit 183 cm Grösse fast zwei Köpfe grösser ist als Kosgei: «Cynthia hat einen ganz anderen Schrittrhythmus. So kam sie mir irgendwie in den Weg, und ich überholte sie wieder.» Am Ende kam es zum äusserst knappen Spurt, den Schlumpf um einen Zehntel gewann. Fabienne Schlumpf trainiert auf die Cross-EM am 9. Dezember hin.

Auf den vierten Rang lief die weitere Zürcherin Chiara Scherrer. Die Physiotherapeutin ist Trainingskollegin von Schlumpf, und sie ist ebenfalls für die EM in Berlin im Steeple qualifiziert.

bi