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Leitplanken für den «wildesten Kapitalismus»

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Leitplanken für den «wildesten Kapitalismus»

Ein Schweizer lehrt Wirtschaftsethik in Peking

E r kenne kein Land, in dem die Kluft zwischen Armen und Reichen so gross sei wie in China, in dem der «wildeste Kapitalismus» herrsche, sagt der Innerschweizer Stephan Rothlin. Er ist seit einigen Jahren Professor für Wirtschaftsethik an einer Universität für internationalen Handel in Peking.

Mit STEPHAN ROTHLIN sprach
JOSEF BOSSART/Kipa

Ihre Präsenz in China zeigt, dass Wirtschaftsethik auf ein grosses Interesse stösst. Weshalb?

Die Chinesen sind immer sehr pragmatisch – und dies vielleicht noch mehr als wir Schweizer. Weil im Fach Unternehmensethik immer mit Fallbeispielen gearbeitet wird, ist natürlich im Unterricht auch viel von Korruption und allen Spielarten von Betrug und Missbrauch die Rede, wie sie in China häufig an der Tagesordnung sind.

Wirtschaftsethik interessiert auch die Kommunistische Partei Chinas …

Ich konnte dieser Tage einen Vortrag über Wirtschaftsethik an der zentralen Hochschule der Kommunistischen Partei in Peking halten, was doch eher ungewöhnlich ist – in der Regel muss man lange anstehen, um dort hineinzukommen. Das Fach Wirtschaftsethik fand jedenfalls Anklang.

Vor einem Jahr habe ich hier in China ein Buch veröffentlicht, das mit Fallbeispielen meiner chinesischen Studenten auf griffige Art darstellt, was internationale Wirtschaftsethik heute ist. Das Buch hat sich sehr gut verkauft.

Hat das Interesse an Wirtschaftsethik bei den pragmatischen Chinesen auch damit zu tun, dass ausländische Investoren ein positives Bild erhalten sollen?

Die Chinesen sind sehr daran interessiert, eine Art von Geschäftsfeld zu schaffen, das ausländischen Investoren passt. Weil China seit 2001 Mitglied der Welthandelsorganisation WTO ist, ist das Land sehr darum bemüht, nicht als Hinterwäldler-Nation dazustehen, um als internationaler Mitspieler dabei sein zu können.

Das überzeugendste Argument für Wirtschaftsethik ist in China, dass sich ethisches Verhalten bezahlt macht. Die chinesische Presse ist in letzter Zeit freier geworden, und Geschichten über irgendwelche Schmiergeldzahlungen geraten heute rascher an die Öffentlichkeit. Es bahnt sich eine transparentere Gesellschaft an.

Es drängt die Wirtschaft fast des gesamten Westens nach China. Was macht China so attraktiv?

Die Löhne sind in China so unglaublich tief – selbst im Vergleich zu Indien. Deshalb fürchtet nun bereits Indien die Konkurrenz aus China. Die chinesische Ware war schon früher billiger, aber von schlechter Qualität. Da hat sich in der Zwischenzeit schon sehr viel geändert.

Heute kann ein Unternehmer in China jemanden für 70 oder 80 Franken Monatslohn anstellen, ohne Vertrag. Um zum Beispiel für die Erziehung und Bildung seines Kindes aufzukommen, lässt sich der Arbeiter unter allen Bedingungen anstellen.

In China leben etwa 150 Millionen Buddhisten, und der Buddhismus ist wohl die am tiefsten in China verwurzelte Religion. Existiert eine spezifisch buddhistische Wirtschaftsethik?

Meines Wissens noch nicht, zumindest nicht in einer theoretischen Entwicklung. Dabei wäre es doch ganz zentral, in diesem wilden chinesischen Geschäftsdschungel zu sagen: «Halt, es gibt da noch andere Werte, das Mitleid, das Überwinden des eigenen Ego!» Da wäre der Buddhismus, vor allem der tibetanische, ganz stark!

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