14.02.2020

Ciara oder Sabine?

Meinungsbeitrag zur Namensgebung für Sturmtiefs

Etwas müde nach meinem Arbeitstag in Bern warte ich im TPF-Ortsbus in Düdingen auf die Weiterfahrt und lese derweil die Nachrichten, die auf dem Bildschirm angezeigt werden. Nur kurz nehme ich eine französische Schlagzeile wahr: «La tempête Ciara a nécessité plus de 50 interventions dans le canton de Fribourg entre dimanche et mardi.» Ich frage mich: Gab es nebst dem Sturm «Sabine» auch noch einen namens «Ciara»? Ist da etwas an mir vorbeigestürmt? Doch bald finde ich die Erklärung: Es handelt sich tatsächlich um das genau gleiche Wetterphänomen! Grund für die verschiedenen Namen ist die unterschiedliche Handhabung der Namensgebung in den europäischen Ländern. England, die Niederlande, Spanien, Portugal und Frankreich wählen die Namen der Stürme nach einer alphabetischen Liste. Deutschland hingegen überträgt einem Tief oder Hoch, das auf deutsches Staatsgebiet trifft, einen eigenen, zweiten Name. Die Deutschschweizer Wetterdienste stützen sich auf diese Bezeichnung. Auf der SRF-Webseite unter News ist zudem zu lesen, dass man sich in Deutschland die Bezeichnung eines Wintersturms oder Orkans mit seinem eigenen Vornamen für knapp 200 Euro erkaufen kann. Diesen Wunsch hat sich offenbar eine gewisse Sabine Kaufmann erfüllt.

Derweil sich die Deutschschweiz an Deutschland orientiert, richtet sich die Romandie nach Frankreich. Die Tessiner haben interessanterweise «Sabine» übernommen.

Ich realisiere, in was für einer ausserordentlich beneidenswerten Lage wir im zweisprachigen Kanton Freiburg sind: Wir können wählen, welchen Namen wir dem Tief oder Hoch geben. Ich finde das grossartig! Beim nächsten Sturm werde jenen Namen verwenden, der mir besser gefällt. Mal schauen, was sich daraus für Diskussionen ergeben. Und wer weiss, vielleicht wird dabei sogar eine eigene Freiburger Regelung für die Namensgebung der Sturmtiefs und -hochs erfunden ...