07.03.2018

Jägeridylle und Realität

«Lieber Naturkenner als Trophäensammler» – FN vom 5. März 2018

Das Interview mit dem frisch gewählten Jägerpräsidenten kommt sehr naturverbunden und tierliebend daher. Hege, Fütterung, Kitzrettung werden als höchste Schwingungen einer Jägerseele geschildert. Das ist doch wohl etwas zu viel Romantik. Die Psyche eines Jägers muss vielschichtig und schwer ergründbar sein, ein Jäger ohne finalen Abschuss ist dabei aber nur schwer vorstellbar. Oder würde es im Kanton noch 700 Heger und Pfleger geben, wenn sie am Schluss den Schuss nicht abgeben dürften? 700 altruistische Jäger ohne Abschussbelohnung? Eher unrealistisch. Warum eigentlich darf man nicht dazu stehen, dass es einem Freude bereitet, ein Wildtier zu erlegen? Was ist denn daran so schlecht?

Als Fleischesser mag ich die Jäger sehr. Weil ich weiss, dass sie alles daran setzen, ihren finalen Schuss so leidlos wie möglich zu setzen. Dafür üben sie und sind auch erfolgreich. Wenn Veganer sich den Jägern entgegensetzen, ist das durchaus plausibel, wenn es Vegetarier tun, schon weniger. Aber wenn Fleischverzehrer und Fischesser als Supermarktkunden es tun, ist es pervers. Glaubt denn jemand allen Ernstes, dass man täglich Hunderttausende Poulets, Tausende von Schweinen leidlos halten und töten kann? Und ist jemandem bewusst, dass Meerfische nicht getötet werden, sondern dass einer nach dem andern elend verrecken muss?

Bevor die Jäger auf die moralische Anklagebank gesetzt werden, sollte sich jeder überlegen, welches sein Anteil am Leid der Tiere ist. Und da kommen die Jäger viel besser weg als die meisten ihrer Kritiker.