31.03.2020

Sabbat, Sonntag

Meinungsbeitrag zu den Auswirkungen der Coronavirus-Krise

Plötzlich herrscht Sabbat, Sonntag. Viele Wochen lang. Die Gesellschaft steht zu einem grossen Teil still. Der Bundesrat hat dies mit gutem Grund angeordnet. Wir haben Zeit, über den Sinn des Lebens, der Arbeit und des Konsums nachzudenken. Genau das ist der Sinn des Sabbats und des Sonntags. Normalerweise hat unser modernes Leben für solche kollektiven Unterbrüche keinen Platz mehr. Aber plötzlich ist der Unterbruch da. Ich will ihn zum Anlass nehmen, mich zu fragen, um was es in der uralten Kultureinrichtung des Sabbats geht.

Der Alltag, die Arbeit, der Konsum sollen immer nach sechs Tagen unterbrochen werden, damit wir nicht falschen Göttern nachrennen. Wir sollen uns während dieses Unterbruchs auf Gott und seine lebensschützende gute Ordnung ausrichten. Jesus hat am Sabbat geheilt. Das hat ihm Ärger eingebracht, weil die damaligen Religionsführer den Sabbat mit vielen Hundert Verboten und Regeln belegt hatten. Der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat. Der Sabbat schützt uns davor, dass der Mammon oder welche politischen, wirtschaftlichen, ideologischen oder religiösen Götzen auch immer die Herrschaft über unser Leben übernehmen. Ich möchte den zwangsverordneten Sabbat dazu nutzen, mich zu fragen, um was es im Leben geht. Es finden jetzt zwar keine öffentlichen Gottesdienste statt, aber die Bibel ist nicht ausser Kraft gesetzt. Sie ist für mich aktueller, spannender und nötiger denn je.