13.02.2020

Thiam geht, Morerod bleibt?

«Bischof Morerod will eine dritte Untersuchung» – FN vom 10. Februar

Beschämendes haben die Medien enthüllt über das Verhalten des Chorherren, in dessen Pfarrkirche medienwirksam eine Gedenktafel für Missbrauchsopfer angebracht wurde. Trotz erdrückender Dokumente streitet er das Geschehene ab, und sein Förderer, der Freiburger Bischof Charles Morerod, flüchtet sich in Wissenslücken und Ausreden. Opfer können sich trotz Verjährung besser an Missetaten erinnern als die Täter. Auf meinen Leserbrief zum FN-Artikel vom 28. Dezember zu diesem Fall erhielt ich zahlreiche positive Rückmeldung, nur wenige negative. Die «Freiburger Nachrichten» sind schon länger kein konservativ-katholisches Blatt mehr. Das Weglassen des Artikels zu einer Fehde im Bistum Lausanne, Genf und Freiburg wäre Zensur gewesen.

Auch wenn der Journalist und Theologe Michael Meier dem Katholizismus gegenüber kritisch eingestellt ist, war sein Artikel breit recherchiert und ausgewogen. Aussagen von beiden Seiten wurden zitiert, teils wörtlich. In der «Liberté» wurde der Spiess umgedreht und der mehrmals versetzte schwarze Priester angeschwärzt. Die Herren Morerod und Frochaux dementierten und drohten mit Klagen. Aussage stehe gegen Aussage.

Auch jetzt? Es ist eine bekannte Kirchenstrategie, Unbequemes abzustreiten. Ich musste diese Strategie, die Wissenslücken und das Machtgehabe von Herrn ­Morerod und seiner Entourage im Fall des wegen Missverständnissen bei fehlendem Reglement unschuldig in Ungnade gefallenen Vikars ­K.  G. erschreckend miterleben. Dass man einen erst 40  jährigen, integren und beliebten Priester gnadenlos fast drei Jahre nicht arbeiten liess, davon zwei Jahre mit einem de facto Berufsverbot, war unverantwortlich! Erst nach Intervention eines Anwalts bekam der Vikar recht, wurde aber nach Genf abgeschoben.

In der Privatwirtschaft müssen Führungskräfte nach Fehlleistungen ihren Sessel räumen, auch bei den Sportvereinen. Doch die Kirche tickt anders. Ist Herr Morerod noch tragbar? Seine Glaubwürdigkeit hat er jedenfalls verspielt.

«In der Privatwirtschaft müssen Führungskräfte nach Fehlleistungen ihren Sessel räumen, auch bei den Sportvereinen. Doch die Kirche tickt anders. Ist Herr Morerod noch tragbar?»