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Lurtigen, eine Gemeinde im Funkloch

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Autor: Lukas Schwab

Das Handy von Hans-Beat Johner, Ammann von Lurtigen, klingelt selten. Grund sind nicht fehlende Anrufer, sondern der schlechte Empfang. «Im oberen Dorfteil reicht es fast nie zum Telefonieren», sagt Johner. Ab Dorfmitte werde es besser, aber telefonieren sei im ganzen Dorf Glückssache. «Lurtigen ist sozusagen eine natelfreie Zone», so der Ammann.

Probleme, aber auch Vorteile

Als Gründe vermutet Johner die Lage und den Wald, der Lurtigen umgibt. «Früher war der Empfang noch schlechter. Im Dorf sagt man, seit Lothar sei es besser geworden», so Johner. Ob es tatsächlich einen Zusammenhang mit dem Jahrhundertsturm gibt, weiss der Landwirt allerdings nicht. «Vielleicht sind auch die Natels leistungsfähiger geworden.» Sicher ist, dass der schlechte Empfang Nachteile mit sich bringt. «Gerade als Gemeindepräsident sollte ich erreichbar sein», sagt Johner. Und in seinem Nebenjob als Schadensschätzer der Hagelversicherung hat er schon Aufträge verloren, weil er nicht erreichbar war. «Bei Einsätzen der Dorffeuerwehr oder Notfällen ist es ebenfalls ein Problem.»

Der schlechte Empfang hat aber auch positive Seiten: «Ich geniesse es, nicht immer erreichbar zu sein», sagt die Landwirtin Marianne Etter. Ein Mobiltelefon sei zwar praktisch, man lerne aber auch ohne auszukommen. «Etwas mehr Planung und Nachdenken reichen oft aus, damit es auch ohne funktioniert», sagt sie. Etter ist keine Handy-Gegnerin, sie weiss die Vorteile selber zu schätzen. Sie denkt aber, dass viele Menschen nicht sinnvoll damit umgehen. «Die Mobiltelefonie hat viel Hektik in den Alltag der Leute gebracht», sagt sie. Das Gefühl, alle müssten jederzeit und überall erreichbar sein, ist für sie eine Fehlentwicklung. Eine Antenne und deren Strahlung würde die Landwirtin für besseren Empfang nicht in Kauf nehmen: «Dagegen würde ich mich zur Wehr setzen.»

Anfrage verlief im Sand

Ähnliche Tendenzen offenbarten auch Diskussionen an einer vergangenen Gemeindeversammlung. «Damals sagten viele, sie kämen ohne Natel zurecht», erinnert sich Johner. Die Strahlung und die Verschandelung des Dorfes durch eine Antenne schien niemand so in Kauf nehmen zu wollen. Anstoss zur Diskussion hatte die Beschwerde eines Bürgers gegeben, der für seine Firma Pikettdienst leisten musste. «Aufgrund der Diskussion und weil besagter Bürger heute in Pension ist, verlief eine Anfrage bei der Swisscom im Sande», erklärt der Ammann. Die mehrheitlich in der Landwirtschaft tätige Dorfbevölkerung scheine sich mit der Situation abgefunden zu haben. «Es wird halt einfach über Mittag und abends telefoniert», so Johner. Persönlich wünscht er sich zwar besseren Empfang, aber eine Antenne möcht er auch nicht. Er hat aber eine humorvolle Idee, wie die Gemeinde vom Nachteil profitieren könnte: «Wir könnten uns ohne irgendetwas zu ändern als strahlenfreie Gemeinde vermarkten.»

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