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Lust oder Abscheu? Was Pornografie bei der Jugend auslöst

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Sexkonsumieren ist mühelos. Dafür braucht sich niemand für ein Tinderdate schön zu machen in der Hoffnung, dass einem ein nackter Körper offenbart wird. Niemand muss sich mehr in Clubs zwingen, deren laute Musik unerträglich ist. Man braucht sich auch nicht mit den Eltern darüber zu streiten, ob das ehemalige Kinderzimmer zum Ort des Vergnügens werden darf oder nicht. Das kann es nämlich sein. Ohne das es jemand mitbekommt.

So viel Sex, wie wir wollen, und das alles gratis! Durch einige Klicks kann das Stöhnen von wildfremden Menschen einen Raum oder auch nur schon unsere Kopfhörermuscheln erfüllen. Pornoseiten wie «Youporn» oder «xnxx», aber auch Tumblr und andere soziale Netzwerke bieten die volle Palette: süsse Asiatinnen, gepiercte Chocolategirls oder heisse Blondinen? Ü50 oder knackige Latinas? Aufnahmen von Heterosex, Homosex, Gangbang oder lieber schlichte Masturbation? Eine Umfrage des Typisch-Jung-Teams zeigt, dass auch junge Freiburgerinnen und Freiburger zwischen 16 und 21 Jahren an Pornos interessiert sind. Sadomaso, Minderjährige oder Tiere? Spätestens hier sagt die Freiburger Jugend Stopp.

Die No-Gos

Moralische Vertretbarkeit scheint wichtig zu sein. So sind Brutalität und die Darstellung der Frau als unterwürfige Sexobjekte absolute No-Goes. Abgesehen davon sei die Pornoindustrie stereotypisch, rassistisch, sexistisch und frauenfeindlich, ausbeutend, skru­pellos, menschenunwürdig, so die Antworten in der Umfrage. Dreckig, primitiv, vulgär und reine Geldmacherei. Pornos würden eine realitätsferne Darstellung des höchst privaten Aktes abgeben. Harte Kritik, muss man schon sagen – angesichts der Tatsache, dass 52 Prozent der Befragten sich immer wieder mal Pornos gönnen.

Echtes Leben wird beeinflusst

Die jungen Freiburgerinnen und Freiburger wachen vor allem dann aus ihrem Rausch auf, wenn Kameraleute im Hintergrund zu sehen sind. Sie fragen sich, wie sich die Pornodarstellerinnen und -darsteller beim Dreh fühlen. Ob der Porno fair produziert wurde oder ob die Schauspielerinnen und Schauspieler an ihre emotionalen Grenzen stossen müssen. Zwei Teilnehmer der Umfrage gaben zu, dass sie sich den Pornokonsum abgewöhnt hatten. Schönheitsideale im echten Leben spielten durch den Genuss eine immerzu grössere Rolle. Der Blick auf die realen Menschen sei getrübt worden. Um der Kritik entgegenzuwirken, wurde in der Umfrage die feministischen Pornoseiten «Xconfessions» empfohlen. Hier lassen sich Pornos finden, die sich an Frauen richten und bei deren Herstellung faire Arbeitsbedingungen herrschen.

Auch wenn die Freiburgerinnen und Freiburger sich nicht aktiv für humanistische Werte in der Pornoindustrie einsetzen, so schlummert doch die Moral in ihnen. «Die Würde des Menschen ist unan­tastbar.» Und wenn die Würde des Menschen angetastet wirkt, dann wird der Porno halt ausgeschalten.

Interview

Pornografie als Ausdruck der Liebe zum eigenen Körper

Elf Prozent der Schweizer Jugendlichen haben schon selbst pornografisches Bild- und Videomaterial erstellt. Die 20-jährige Leila* trägt im Ausgang ein schwarzes Lederhalsband mit einem massiven Eisenring. Auf ihrem Handy hat sie pornografische Fotografien von sich.

 

Leila, was motiviert dich dazu, pornografische Fotos zu machen?

Ich mache ganz natürliche Bilder, weil ich zeigen möchte, dass jeder seinen Körper lieben sollte, so wie er ist. Das, was an uns unperfekt ist, macht uns für andere perfekt. Lange Zeit habe ich mich unwohl gefühlt in meinem Körper. Ich war übergewichtig, und in den sozialen Medien sah ich andauernd diese Plastikkörper, die mir zeigten, wie ich aussehen müsste. Jetzt glaube ich endlich, dass jeder Körper schön ist und man ihn zur Schau stellen darf, anstatt sich dafür zu schämen.

Erhältst du Geld für deine Bilder?

Nein, ich veröffentliche sie auch nicht. Meine Fotos zeige ich nur Auserwählten, Leuten, die ich sehr gerne habe. Ich würde sie nicht verschicken. Aber ich habe kein Problem damit, wenn Leute so was machen.

Werden Frauen in der Pornografie zum Objekt gemacht?

In unseren Köpfen ist der Gedanke verankert, dass Frauen Männern gefallen und ihnen Freude bereiten müssen. Überall spiegelt sich das wieder, im Leben, in der Sexualität und in vielen Pornos. Ich finde es gar nicht gut. Was wäre, wenn die Typen mal was für uns machen würden? Meistens kriegen die das überhaupt nicht hin. Deshalb möchte ich zeigen, was der Frau ge-fällt und was sie braucht. Wir sind ja schliesslich nicht nur da, um dem Mann einen zu blasen.

Lara Schroeter

 

*) Name wurde geändert

Zahlen und Fakten

Gut 70 Prozent haben schon Pornos geschaut

An der Umfrage des Typisch-Jung-Teams über Pornografie haben 145 Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren teilgenommen. Unter den weiblichen und männlichen Teilnehmern identifizieren sich drei als keines von beiden. 70,8 Prozent der Befragten haben schon einmal Porno geschaut (siehe auch Diagramm links). Es turnt sie an oder dient ihnen als Inspiration im Sexleben. Die Minderheit konsumiert Porno zusammen mit Freunden, weil sie es lustig finden, oder ganz alleine, um Zeit totzuschlagen. 12,9 Prozent der Teenies verzichten auf Pornos, da sie gar nicht interessiert sind. Der Rest traut sich nicht, findet es abstossend oder auch moralisch unvertretbar. 18,4 Prozent konsumiert wöchentlich, während 17 Prozent nur monatlich Pornos schaut. 30 Prozent haben schon einmal einen Porno gesehen, verzichten jetzt aber lieber darauf. Bei 15 Prozent der Befragten kommt es darauf an, ob sie einen Partner oder eine Partnerin haben. 42,6 Prozent jener, die Pornos konsumieren, hält dies nicht ganz geheim und redet eventuell mit Kolleginnen und Kollegen darüber. Knapp ein Viertel steht dazu; ihnen ist gleichgültig, wenn jemand davon erfährt. 9 Prozent tauschen sich gerne mit anderen Interessierten über Pornos aus, während 24 Prozent nicht wollen, dass jemand davon erfährt.

Brigitte Gong

 

 

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