Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Man isst nicht seine Freunde»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Man isst nicht seine Freunde»

Pferdefleisch ist für viele kein gewöhnliches Fleisch

Das Fleisch von Pferden ist für die einen tabu und für die anderen ein Produkt wie jedes andere. Ethische, religiöse, wirtschaftliche und soziale Gründe sprechen für oder gegen den Genuss von Pferdefleisch. Warum ist es nicht ein Lebensmittel wie Fisch, Gemüse oder Milchprodukte?

Von ELISABETH SCHWAB-SALZMANN

«Ich kann kein Fleisch von so schönen Tieren essen, wie von Pferden», hört man oft. Sind denn Kälber, Schweine, Rinder, Lämmer, Hühner oder Fische nicht auch schöne Tiere? Bei den Diskussionen zwischen Vegetariern und Fleischessern spielen weltanschauliche, ökologische und religiöse Ansichten eine Rolle.

Sind die Pferdefleisch-Esser von den übrigen Fleisch-Konsumenten so weit entfernt wie die Vegetarier von den Fleischessern im Allgemeinen? Sicher ist, dass Pferde in der heutigen Wohlstandsgesellschaft eine andere Bedeutung haben als noch vor 40 oder 50 Jahren. Pferde können für viele ein Statussymbol sein, dienen dem Sport oder der Freizeitgestaltung. Vielen Menschen sind Pferde genauso lieb wie Hunde, und sie verstehen nicht, dass das Pferd ein Fleischlieferant wie jedes andere landwirtschaftliche Nutztier sein kann. «Man isst schliesslich nicht seine Freunde», geben einem Pferdefreunde zu bedenken.

Ein Nischenprodukt

René Davet führt seit zehn Jahren die Metzgerei Brod’Art innerhalb des Schlachthofes von Freiburg. Davor hatte er sein Geschäft in der Innenstadt. «Die Lokalmieten im Stadtzentrum sind für kleinere Betriebe der Lebensmittelbranche untragbar geworden, so zogen wir um in den Schlachthof», erklärt Davet. Er verkauft Fleisch von Rind, Kalb, Schwein, Geflügel, Lamm und Pferd. «Pferdefleisch ist im Geschmack dem Rindfleisch oder Wild ähnlich. Oft wird es als süsslich empfunden. Fohlenfleisch ist von eher festen, aber zarten Konsistenz, es hat meistens eine dunklere Farbe als das Kalb- oder Rindfleisch. In der Schweiz werden meistens nur die edlen Stücke wie Steaks verlangt, sie sind mit einem Kilopreis von rund 25 Franken auch relativ günstig», sagt der Metzger. Bei ihm macht der Verkauf von Pferdefleisch rund 20 Prozent vom Umsatz aus. Er bezieht es bei Schweizer Importeuren und verkauft an private Konsumenten und an Grossisten.

«Wir spüren sofort, wenn im Lebensmittelbereich Krisen auftreten. In der Zeit der BSE-Krise, den Tierseuchen in England oder in Asien spürte man sofort das Umschwenken der Konsumenten. Es wurde mehr Schweinefleisch konsumiert, auch der Anteil an Pferdefleisch stieg an. Nach Bekanntwerden der Geflügel-Pest in Asien brach der Verkauf von ausländischem Geflügelfleisch sofort ein, es wurde nur noch inländisches gekauft.» In der Agglomeration Freiburg verkaufen mehrere Metzgereien unter anderem auch Pferdefleisch, auch in den Restaurants steht Pferdefleisch oft auf der Speisekarte. Es gilt als vitaminreich und fettarm.

Das in die Schweiz importierte Pferdefleisch kommt laut Davet vor allem aus den USA, Kanada, Australien und Argentinien. Er bezieht nur frisches Fleisch, das gefrorene verfärbe sich nach dem Auftauen zu rasch und dunkles Fleisch werde kaum verlangt. «Pferdefleisch ist gesund und fettarm, denn die Tiere sind sehr wählerisch, sie fressen nur Gras oder Heu», erklärt Davet. Übrigens sei das Fleisch von jungen Pferden nicht unbedingt zarter als das von älteren: «Das Fleisch von rund 10-jährigen Pferden ist im Allgemeinen sehr zart, im Gegensatz zu Fleisch von anderen Tieren im selben Alter.»

Neue Vorschriften

Der Verband der Schweizerischen Pferdefleischimporteure (VPI) schreibt, dass bis 1995 Verkaufsbeschränkungen für Pferdefleisch existierten. Wahrscheinlich durfte es gemäss VPI deshalb nicht gemeinsam mit Rindfleisch angeboten werden, um Verwechslungen auszuschliessen. Seit 1995 darf jegliches Fleisch, auch Fisch, im Lebensmittelhandel angeboten werden.

Die Adjunktin des Freiburger Kantonstierarztes erklärt, dass heutzutage dank modernsten Kühltechniken und strengen Hygienevorschriften das Nebeneinander von verschiedenen Fleischarten, auch von Fisch, mit anderen Lebensmitteln im gleichen Geschäft problemlos sei.

Balz Horber, Direktor des Verbandes Schweizer Metzgermeister und des Pferdefleisch-Importverbandes, stellt fest, dass entgegen seinen Hoffnungen mit dem geänderten Lebensmittelgesetz das Pferdefleisch keinen Verkaufs-Boom erlebt habe. Er arbeite aber daran, dass sich das Pferdefleisch als Nischenprodukt und Spezialität weiterhin gut behaupten könne. Von den rund 4500 Tonnen Pferdefleisch werden nur 550 Tonnen in der Schweiz produziert, es existiert keine eigentliche Pferdefleischproduktion in der Schweiz. Was an Pferdefleisch anfalle, sei lediglich ein «Nebeneffekt» der Pferdezucht und des Pferdesportes, indem nicht mehr gebrauchte oder zur Zucht ungeeignete Tiere zur Gewinnung von Lebensmitteln dienen, sagt Horber.
Zur Geschichte des Pferdefleisches

Der Konsum von Pferdefleisch wird durch die Essgewohnheiten der Menschen bestimmter Regionen und Bevölkerungsgruppen bestimmt.

In der Steinzeit war das Fleisch von Wildpferden im Nahrungsangebot. Das Christentum verbot lange den Verzehr von Pferdefleisch, man nahm an, dass es Menschen krank mache. Seit der Reformation wurde es vor allem von armen Menschen gegessen, da es billiger war als anderes Fleisch.

Heute ist der Verzehr von Pferdefleisch nicht mehr einkommensabhängig, es wird von jungen und alten, reichen und armen Konsumenten gekauft.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war der Verzehr von Pferdefleisch in Europa verpönt oder teilweise auch verboten. In Frankreich ass man seit ca. 1870 oft Pferdefleisch, in England wurde es erst ab 1876 verbreitet gegessen. Es hiess dort «chevaline» vom französischen Wort «cheval». Je südlicher das Land ist, desto mehr Pferdefleisch werde konsumiert, schreibt der Verband Schweizer Pferdefleischimporteure. Italien war 1999 mit einem Pro-Kopf-Konsum von rund 900 Gramm und Jahr an der europäischen Spitze. In Deutschland wurden im gleichen Jahr 40 Gramm konsumiert.
2003 wurden in der Schweiz pro Kopf rund 60 Kilo Fleisch inklusive Fisch konsumiert: 25 Kilo Schweinefleisch, 14 Kilo Rindfleisch, 10 Kilo Geflügel, 7,5 Kilo Fische und Krustentiere, ein Kilo Wild und Kaninchen und 600 Gramm Pferdefleisch. ess

Quellen: Verband Schweizerische Pferdefleischimporteure VPI, Zürich.

Meistgelesen

Mehr zum Thema