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«Man sieht vieles durch eine andere Brille»

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Wohl nicht anders als vor rund 8000 Jahren springen die Kinder den «Jägern» entgegen: Die drei Männer bringen am Sonntag das Wildschwein an einem Ast ins Pfahlbauerdorf Gletterens am Neuenburgersee. Das Wildschweinessen ist schon fast eine kleine Tradition am Pfahlbaufest. Zahlreiche Schaulustige versammeln sich, um zuzusehen, wie das Tier gehäutet und zerteilt wird: Ganz im Stil der Pfahlbauer mit scharfen Feuersteinklingen. Wer sich wundert, wie es sich mit dem Messer aus der Jungsteinzeit wohl schneidet, bekommt es zum Ausprobieren flugs in die Hände gedrückt. Und die Fragende stellt fest, dass das urgeschichtliche Werkzeug gar nicht mal so schlecht funktioniert.

Mit Pfeil und Bogen fischen

«Die Jagd war immer noch zentral, obwohl die ersten Menschen in der Jungsteinzeit begannen, als Bauern sesshaft zu werden», sagt Kulturvermittlerin Doris Aeberhard vom Pfahlbauerdorf Gletterens. Das Wildschwein, das bald zum Verzehr bereit sein wird, wurde vor einigen Tagen von einem Jäger aus der Nähe von Payerne im Elsass geschossen. Danach wurde es ausgenommen und abgehangen. «Diese Zugeständnisse muss man machen: Sonst könnte man es gar nicht essen», sagt Kulturvermittler François Rossel. Er ist einer der drei «Jäger» und gerade dabei, das Wildschwein zu zerteilen. «Schade, dass man es nicht ganz hergebracht hat», bedauert ein kleiner Junge. Seine Mutter sagt, dies wäre kein schöner Anblick gewesen. Eine Frau meint: «Schon ungewöhnlich, wenn man es so sieht.» Ein Kontrastprogramm zum Einkauf von fixfertig abgepacktem Fleisch im Supermarkt. Einer der Jäger hackt dem Tier den Kopf ab und legt Fell samt Kopf wie einen Teppich auf den Boden. «Das Fell werden wir später weiterverarbeiten, etwa zu einem Teppich», so Kulturvermittler Rossel.

 «Mich interessiert an der Pfahlbauerzeit die Perfektionierung des Werkzeugs: Die Pfeilspitzen, das sind Kunstwerke», sagt Yves-Alain Dürig. Im echten Leben arbeitet er im Tourismusbüro des Val-de-Travers. Auch Sportlehrer Henrique Dos Santos ist Fan der Pfahlbauer. «Ich habe schon als Kind Pfeil und Bogen selber hergestellt und damit gefischt», sagt der Brasilianer.

Die drei Männer sind nun am Tisch dabei, das Fleisch für die Wildschwein-Spiesschen in mundgerechte Happen zu schneiden. «Schau, hier sitzt beim Tier das Filet», sagt Rossel zu einem interessierten Jungen. Wie die Pfahlbauer das Fleisch zubereiteten, sei nicht bekannt, so Dürig. Die dicke Fettschicht schneiden die «Jäger» ab. «Anders als das Hausschwein besitzt das Wildschwein eine dicke Fettschicht und mageres Fleisch», so Dos Santos. «Die Pfahlbauer verwendeten das Fett zum Beispiel für Lampen», sagt Dürig. «Ich finde es toll, dass man alles vom Tier braucht», meint eine Frau. «Es war noch das Objekt, das zählte, man gab den Dingen noch den richtigen Wert», sagt ein Besucher.

Gedankenanstösse finden

Die Besucher grillieren, setzen sich ins Gras und essen gemütlich in der Sonne: Auf dem Menü stehen etwa Linsensalat, Stangenbrot mit Mohn, Wildschweinspiess und -bratwurst. Neben diversen Imbissen nach Steinzeitart können Interessierte in Ateliers selber Verschiedenes ausprobieren oder Fachkundigen zuschauen. Einer davon ist der Murtner Martin Bula: Er zeigt, wie man Gegenstände aus Bronze herstellt. «Mich faszinieren die Kenntnisse der Pfahlbauer», sagt der Jugendarbeiter. «Wir haben heute technologisch zwar mehr Möglichkeiten, aber nicht viele zusätzliche Kenntnisse.» Die Legierungen seien mit viel Präzision gefertigt worden: Ein Prozent weniger Zinn etwa, und das Material könne nicht mehr gehämmert werden. Es sei für ihn spannend, herauszufinden, wie die Pfahlbauer die Gegenstände in dieser Perfektion hergestellt haben. «Mit unseren Mitteln können wir sie nun gerade knapp kopieren», sagt er lachend, und bearbeitet meditativ die Gussform. Trotzdem lebe er gerne in der heutigen Zeit, so Bula. «Man sieht jedoch viel von heute durch eine andere Brille», sagt er. «Es wäre faszinierend, einmal eine Woche in dieser Zeit zu leben–und danach zu duschen», meint der Murtner, und lacht.

Lust auf die Steinzeit

Eine Frau flicht Körbe und Hüte, ein Mann zeigt, wie man Feuersteine bearbeitet, in einer Hütte spielen Musiker auf jungsteinzeitlichen Instrumenten, eine Feuershow findet statt. Kinder versuchen, ein Erntemesser zu basteln, kreieren steinzeitlichen Schmuck oder versuchen, einen Speer zu werfen. Es gibt vieles zu entdecken auf der Reise in unsere Vergangenheit.

Pfahlbaudorf Gletterens: Die Steinzeit «begreifen»

S chon über 150 000 Besucher konnte das Pfahlbaudorf Gletterens am Neuenburgersee seit seiner Gründung 1996 begrüssen. Zahlreiche Hütten, Unterkünfte und Animationen laden zum Entdecken der Jungsteinzeit ein. Das Pfahlbaudorf ist auch ein Forschungsfeld für experimentelle Archäologie. Zum 20-Jahr-Jubiläum plant die Stiftung für 2016 eine neue Attraktion: ein Haus aus der Bronzezeit. «Das passt gut zu uns, denn Gletterens stellt ein Dorf im Übergang zur Bronzezeit dar», sagt Kulturvermittlerin Doris Aeberhard. «Schon Ötzi hatte ein Bronzebeil.» In Gletterens kann man auch in Tipis übernachten. In einer Versuchsphase wurde eines der vier Tipis durch eine Jäger- und Sammlerunterkunft ersetzt; später folgen eventuell auch die anderen. «Wir haben für die Unterkunft Häute verwendet, die pflanzlich gegerbt wurden», sagt die Murtnerin. «Das ist selten: Ohne Chemie wird in der Schweiz nur noch an zwei Orten gegerbt.» ea

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