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«Man sollte nie sagen, das ist der Letzte»

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«Man sollte nie sagen, das ist der Letzte»

Der Sensler Filmpionier Hugo Corpataux wird 80 Jahre alt – und dreht immer noch

Heute Mittwoch feiert der Freiburger Filmemacher Hugo Corpataux seinen 80. Geburtstag. Und denkt noch immer nicht ans Aufhören: Dieses Jahr hat er einen Film von Jacqueline Surchat über Hafis Bertschinger produziert und seinen Klassiker über Jo Siffert als DVD neu herausgegeben.

Von CAROLE SCHNEUWLY

1997 hat Hugo Corpataux den Film «Unterwegs im Freiburgerland» von Jacqueline Veuve und Dominique de Rivaz produziert – und gesagt, es sei sein letzter. Dann kam 2003 Jacqueline Surchats Film «Freiburg… einmal anders» – und Produzent Corpataux sagte, dies sei nun wirklich der letzte.

Jetzt lässt Corpataux nur ein Jahr später schon wieder von sich hören, just zu seinem 80. Geburtstag: Sein jüngstes Werk ist wiederum in Zusammenarbeit mit Regisseurin Surchat entstanden und handelt vom freiburgisch-libanesischen Künstler Hafis Bertschinger. Der dritte letzte Film? Corpataux lacht und verneint: «Eigentlich sollte man nie sagen, das ist jetzt der Letzte.»

Geheimnis eins: Niemals aufhören

Der gebürtige Giffersner, der sein ganzes Leben dem Filmen verschrieben hat, hat allen Grund, kein «letztes Werk» mehr anzukündigen. Denn schon während der Arbeit mit Hafis Bertschinger sind Ideen für neue Projekte entstanden: «Über den weit gereisten Hafis könnte man Dutzende von Filmen machen, ihn zum Beispiel mit der Kamera in den Libanon, nach China und Marokko begleiten.»

Das sei halt wie mit den Päpsten, sinniert Corpataux: «Das Geheimnis liegt darin, nie aufzuhören.» Das gilt nicht nur für das Filmemachen. Auch sonst gönnt sich der Jubilar wenig Pausen. Seit 15 Jahren lebt er in Tentlingen, fährt aber fast täglich in die Stadt Freiburg, um Freunde zu treffen, Stammtische zu besuchen oder durchs Perolles zu flanieren, wo er während 45 Jahren gewohnt hat.

Geheimnis zwei: Immer weiterlernen

Noch immer erzählt er gerne von seinen ersten Filmvorführungen in Giffers oder von seinen frühen 16-Millimeter-Filmen, bei denen «man noch alles selber machen musste». Schreiben aber müsse man darüber nichts mehr, das sei ja alles längst bekannt. Viel interessanter findet Corpataux da schon die jüngsten technischen Entwicklungen im Film- und Fernsehfach. Wenn er von seinem neuen 50-Zoll-Plasma-Fernseher erzählt, von der Blue-Disc- und der High-Definition-Technologie und von den Möglichkeiten im Hologramm-Bereich, vermag ihm manch Zwanzigjähriger nicht zu folgen.

Auch das ist eines der Geheimnisse des Hugo Corpataux: «Man kann immer noch etwas dazulernen.» Er selber habe in seinem Beruf als Filmemacher jeden Tag gelernt. Eine Ausbildung habe es in diesem Bereich damals noch nicht gegeben. Deshalb habe er Fachzeitschriften verschlungen und sich den Rest selbst beigebracht.

Geheimnis drei: An sich glauben

Während des Zweiten Weltkriegs begann der Teenager Hugo Corpataux Filme vorzuführen, zuerst in Giffers, dann auch in anderen Gemeinden des Kantons, hie und da sogar gegen den Widerstand der kirchlichen und der weltlichen Obrigkeit.

Das ist ein weiteres Corpataux-Geheimnis: «Man muss eben glauben an das, was man tut.» Das sei in seinem Filmverleihgeschäft mit Cortux und Selecta nicht anders gewesen: «Anfangs habe ich ein oder zwei Filme pro Woche verliehen, 45 Jahre später waren es bis zu 125 im Tag.» Und dann ist da noch die Sache mit dem Openair-Kino: Was heute in zahlreichen Städten nicht mehr aus dem Sommerprogramm wegzudenken sei, habe er schon kurz nach Kriegsende gemacht: Weil es im Aufführungssaal in Giffers zu eng war, um die gezeigten Filme richtig zur Geltung zu bringen, präsentierte Corpataux die Streifen kurzerhand unter freiem Himmel – auf einer Grossleinwand aus vier zusammengenähten Leintüchern.
Hafis und die Vergänglichkeit

Der Film «Hafis – Der Nomadenkünstler» ist im Sommer 2004 entstanden und zeigt den Künstler bei den Vorbereitungen für eine Ausstellung im Kunsthistorischen Museum Neuenburg. Walter Tschopp, der Konservator des Museums, ist ein alter Freund von Hafis Bertschinger. In Bertschingers Atelier in Cormérod wählen die beiden Weggefährten die Werke für die Ausstellung aus – und unterhalten sich dabei über die Kunst, über die alten Zeiten, über Gott und die Welt. Ein wichtiges Thema ist die Vergänglichkeit: «Du bist nur ein Repräsentant einer gewissen Zeit, und dann vergehst du wieder wie alles andere in der Natur», sagt Bertschinger. Im Film ist denn auch das Feuer ein ständig wiederkehrendes Symbol: jenes Feuer, in dem der Künstler nicht gelungene Werke verbrennt. cs

«Hafis – Der Nomadenkünstler» ist im Hinblick auf die Ausstellung in Neuenburg entstanden. Bisher wurde der Film noch nicht für den Verkauf produziert.
Jo Siffert und seine Freunde

Hugo Corpataux’ Filmklassiker über den Freiburger Automobilhelden Jo Siffert stammt aus dem Jahr 1971, jenem Jahr, in dem Siffert in Brands Hatch tödlich verunglückt ist. Dieses Jahr wurde der Film als DVD neu aufgelegt. Er begleitet Siffert von den «heroischen Anfangszeiten» bis zu seinem «schönsten und letzten Sieg» am 15. August 1971 beim Grossen Preis von Österreich. Zusätzlich zum Originalfilm von Corpataux sind auf der DVD verschiedene Kurzbeiträge von Jacqueline Surchat zu finden, in denen sich Freunde und Verwandte an Jo Siffert erinnern. Ein besonderer Leckerbissen ist die Sequenz «Seppis Coiffeur»: Erwin Berger erzählt in einer charmanten Mischung aus Senslerdeutsch und Französisch von seinem Jugendfreund «Seppala», einem «Copain», wie man ihn sich wünsche. cs

«Jo Siffert – Der offizielle Film in Farbe» ist im Handel erhältlich.

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