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Masturbation: «Heilmittel gegen das Patriarchat»

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Masturbation, Selbstbefriedigung, Onanie, Autoerotik oder Autosex. Die sexuelle Selbstliebe hat viele Namen, doch nicht alle trauen sich, sie auszusprechen. Eine Umfrage des Instituts für Psychologie der Universität Bern im Jahr 2019 hat gezeigt, dass 99 Prozent von 1100 Schweizer Befragten schon masturbiert haben. Fast alle machen das, dennoch wird es als schamhaft empfunden. Dagegen will die Masturbationskampagne unter der Führung von Noëmi Grütter kämpfen.

Die 25-Jährige ist seit vier Jahren Mitglied der Dachorganisation Sexuelle Gesundheit Schweiz (SGCH), sie hat 2016 deren Jugendnetzwerk mitgegründet und betreut dieses seither. Vor zwei Jahren wurde sie Co-Präsidentin der SGCH, und nach einem Jahr startete sie die Vorbereitungen für die Masturbationskampagne. Gleichzeitig studiert sie Politikwissenschaft in Paris und macht ihren Master in Menschenrechten und Humanitärer Aktion.

Auftrag nach Abstimmung

Vielleicht wird eine Masturbationskampagne von vielen als unnötig empfunden, aber Grütter meint das Gegenteil. «Unser Jugendnetzwerk hat entschieden, dies sei ein wichtiges Thema. Also müssen wir ihm die Rede lassen.» Denn es gab ein nationales Treffen mit jungen Menschen. Sie stimmten über das Thema der neuen Kampagne ab, und die Mehrheit wählte die Selbstbefriedigung. Gemäss Grütter schämen sich viele, nachdem sie sich selbst befriedigt haben. Dieses Thema sei besonders wichtig für Frauen, weil es bei ihnen noch heftiger tabuisiert werde. Folglich sei das schlecht für die Entwicklung einer selbstbestimmten Sexualität und der dazugehörigen Emanzipation. Dabei sei Masturbation ganz normal – und das soll auch die Message der Kampagne sein.

Das Thema Selbstbefriedigung hängt also auch mit Feminismus zusammen. «Masturbation ist schon ein feministischer Akt an sich. Sich die eigene Sexualität anzueignen und den eigenen Körper kennenzulernen ist schon ein rebellischer Akt gegen das Patriarchat», sagt Grütter. Weibliche Sexualität werde noch heute unterdrückt, was sich auch in der Sexualkunde zeige. Die Vagina, Vulva und Klitoris würden entweder falsch oder gar nicht dargestellt. Die Masturbationskampagne will hier eingreifen. Sie druckt beispielsweise Klitorides auf Taschen; dies in Zusammenarbeit mit dem jungen Modelabel Frisky. Dabei soll bekannt werden: Die Klitoris ist nicht nur ein Punkt.

Grosse Unterschiede

Aber das ist nicht der einzige Aspekt, welchen Grütter an der Sexualkunde kritisiert. Man rede kaum über Homosexualität oder Non-Monogamie. Es werde zwar auf biologische Faktoren eingegangen, aber zu wenig auf Lust und auf externe Einflüsse wie beispielsweise Pornografie. Auch seien die Unterschiede in der Sexualkunde zwischen den Kantonen, den Schulen und den Lehrkräften zu stark; dies, weil jede Person für sich selbst entscheide, wie genau sie unterrichte. Es gebe keine strikten Obligationen und oft hänge die Sexualkunde auch vom Budget ab. Die Kinder erhalten nicht die gleichen Informationen. Gute oder schlechte Sexualkunde hänge damit vom Wohnort ab.

Über die Sexualität reden

Die SGCH wird sich sicher weiterhin dafür einsetzen, dass die Qualität der Sexualkunde besser wird und eine ganzheitliche Sexualkunde gewährleistet wird. Grütter sagt: «Wir müssen uns alle an der Nase nehmen und uns trauen, über die Sexualität und alles, was dazu gehört, zu reden. Wir müssen für die selbstbestimmte Sexualität kämpfen und somit einen Beitrag zur Gleichstellung leisten.»

Zur Organisation

Sexuelle Gesundheit Schweiz

Die Sexuelle Gesundheit Schweiz (SGCH) ist eine Dachorganisation, welche auf nationaler und internationaler Ebene die sexuelle und reproduktive Gesundheit, die Einhaltung der sexuellen Rechte und die Sexualaufklärung fördert. Darunter tätig sind Beratungsstellen, Fachorganisationen und Fachpersonen. Das Jugendnetzwerk von der SGCH ist ein Zusammenschluss von interessierten und engagierten Menschen unter 25 Jahren. Sie bringen die Interessen junger Menschen bei der Organisation Sexuelle Gesundheit Schweiz ein.

bg

Masturbation

Von der Erfahrung mit sich selbst

Junge Freiburgerinnen erzählen von Masturbation und erklären, was weibliche Masturbation für sie bedeutet.

«Als ich 16 Jahre alt war, habe ich erfahren, dass meine Klassenkameraden masturbieren, und ich habe es ausprobiert», berichtet eine 21-jährige Freiburgerin. «Vorher dachte ich, Frauen masturbieren nicht. In der Schule haben wir auch nur von heterosexuellem Geschlechtsverkehr gesprochen. Es wäre aber wichtig gewesen, weibliche Masturbation, Lust, Konsens und sexuelle Orientierungen zu thematisieren. Für mich ist Masturbation ein Akt der Selbstliebe.»

«Ich masturbiere nicht», sagt eine junge Freiburgerin. «Ich habe es ausprobiert und fühlte Scham, ein schlechtes Gewissen und Ekel. Zudem kenne ich zu viele Leute, die Mühe haben aufzuhören. Masturbation und Pornografie sollten als Sucht anerkannt werden. Daher sollte Sexualkunde präventiv sein. Sexuell inaktiv sein heisst nicht, prüde oder eingeengt zu sein, sondern weise und reif. Sexualität sollte zu zweit stattfinden, vorzugsweise mit dem Ehepartner oder der Ehepartnerin. Es soll darum gehen, den anderen zu lieben und nicht für die eigene Befriedigung auszunutzen.»

«Am Anfang der Pubertät habe ich meinen Körper kennengelernt. Unter Mädchen war Masturbation ein Tabuthema. Ergo war es mir peinlich», erzählt eine 20-Jährige. «Jetzt rede ich mit meinen Freunden und Freundinnen darüber. Mit Partnern, mit denen ich intim werde, spreche ich auch über Masturbation, um Vorlieben zu kommunizieren. In der Schule lag der Fokus von Sexualkunde auf Verhütungsmitteln und Risikofaktoren, nicht auf Intimität und Lust. Sex wurde als etwas Gefährliches und Verbotenes dargestellt. Ich unterstütze die Masturbationskampagne absolut und hätte sie mir schon vorher gewünscht. Masturbation ist doch ein pures Vergnügen.»

Joyce Dworak

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