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Mehr oder weniger Stress mit mehr Ferien?

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Mireille Rotzetter

An die Vorstellung von sechs Wochen Ferien pro Jahr könnten sich wohl alle Arbeitnehmenden gewöhnen. Mehr Ferien bedeuten mehr Freizeit, mehr Erholung und mehr Zeit, sich um die Familie zu kümmern oder sich sozial zu engagieren. Dies sagt Travail Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, der die Initiative «Sechs Wochen Ferien für alle» lanciert hat. Gaétan Zurkinden, Regionalsekretär des Freiburger Verbandes des Personals öffentlicher Dienste (VPOD), weist darauf hin, dass die Schweizer Ferienregelung im europäischen Vergleich schlecht abschneide. «In der Schweiz wird so viel gearbeitet wie fast nirgendwo sonst.»

Grosse Mehrkosten

Die Arbeitgeber sehen das anders. «Ich denke, dass sechs Wochen Ferien im Generellen nicht sinnvoll sind», sagt Hans-Jörg Mihm, Geschäftsführer der Extramet AG in Plaffeien. Er findet die heutige Regelung mit stufenweisen Ferien nach Alter und körperlicher Belastung ausreichend, solange jemand Freude an seiner Arbeit habe und die Freizeit und Ferien zur Erholung nutze. «Zudem können mehr Ferien keine stressbedingten Krankheiten heilen.» Es sei am Einzelnen, auf Erholung, ausgewogene Ernährung und genügend Bewegung zu achten.

Laut Hans-Jörg Mihm würden sich die Mehrkosten für die Extramet AG, die zirka 180 Mitarbeitende beschäftigt, bei einer Annahme der Initiative auf 700 000 bis eine Million Franken im Jahr belaufen, dies alleine für die Anstellung von zusätzlichem Personal. «Es fände eine Verknappung der Ressourcen statt, was zu mehr Druck bei den bestehenden Mitarbeitenden führen würde», erklärt Mihm. Es würde so auch schwierig werden, einen kontinuierlichen Schichtbetrieb zu gewährleisten.

Mehrkosten für den Betrieb befürchtet auch Hermann Zahno, der in seiner Baufirma Renobau Zahno in Heitenried rund zwanzig Mitarbeiter beschäftigt. «Ich schätze die Mehrkosten auf 50 000 bis 60 000 Franken pro Jahr. Dies hätte zur Folge, dass wir pro Arbeitsstunde mehr verlangen müssten, was unsere Arbeit zum Nachteil der Kundschaft verteuern würde.»

Zahno findet, mit der Initiative würden die mit den Sozialpartnern ausgehandelten Errungenschaften untergraben. «Gerade in der Baubranche hat sich in den letzten Jahren viel getan.» Er hält fest, dass in dieser Branche die zusätzliche Ferienwoche im Winter bezogen werden müsste. «Ich denke nicht, dass dies den Arbeitnehmenden viel bringt.»

Unterschiede in Branchen

Zahno hat nicht das Gefühl, dass die Arbeiter seiner Firma unter übermässigem Arbeitsstress litten. In anderen Branchen seien die Arbeitsbedingungen aber weniger gut, und eine fünfte Ferienwoche sicher erwünscht. Wie Mihm ist Zahno überzeugt, dass die Initiative dem Arbeitsdruck nicht zum Verschwinden bringen könnte. «Wenn sich am Arbeitsplatz sonst nichts verändert, bringt eine Woche mehr Ferien nichts.» Entwicklungen wie die Ferienregelung müssten mit den Sozialpartnern der verschiedenen Branchen ausgehandelt werden.

Zurkinden findet dies ein falsches Argument. «Verhandlungen finden dort statt, wo das Recht nicht genügt. Wenn man Vorteile für die Arbeitnehmenden im Gesetz verankern kann, ist das umso besser.» Ausserdem verstärkten neue Regelungen zugunsten der Arbeitnehmenden die Gesamtarbeitsverträge und liefen diesen nicht zuwider. Die Arbeitsbedingungen in der Baubranche seien im Vergleich zu anderswo tatsächlich sehr gut. «In anderen Branchen gibt es keinen Gesamtarbeitsvertrag.»

Mihm sagt, dass es bei der Initiative nicht bloss um mehr Ferien gehe, sondern dass sich die Situation komplexer gestalte. Er denkt nicht, dass die Firma Extramet mit mehr Ferien für die Mitarbeitenden etwas Positives bewirken könnte. «Es wäre dagegen für uns deutlich schwieriger, im Wettbewerb bestehen zu können. Die Initiative gefährdet so eher Arbeitsplätze in der Region.»

Gewinne sind gestiegen

Hier widerspricht Gewerkschafter Zurkinden wiederum vehement. «Es ist das Argument, dass immer gebraucht wird, wenn für die Arbeitnehmenden etwas verändert werden soll.» Zudem seien die Gewinne in der Wirtschaft in den letzten fünfzehn Jahren stark gestiegen, was sich nicht in gleichem Masse in den Ferien niedergeschlagen habe. «Die Resultate der Betriebe zeigen, dass wir uns sechs Wochen Ferien gut leisten können.»

Am 11. März wird entschieden, ob in Zukunft sechs Wochen Ferien die Norm sind.Bild Mireille Rotzetter

Psychologie:Aktive Erholung ist wichtig

Petra Klumb, Professorin für Personal- und Organisationspsychologie an der Universität Freiburg, bestätigt, dass der Stress am Arbeitsplatz zugenommen hat. Untersuchungen zeigten ebenfalls einen Anstieg von negativen Folgen wie Gereiztheit oder Schlafstörungen. «Die Arbeitnehmenden stehen vermehrt unter Zeitdruck und sind häufiger Bewertungen ausgesetzt.»

Abschalten können

Ausserdem habe sich die Art der Arbeit verändert. Diese sei meist nicht körperlich, sondern geistig und psychisch anstrengend. Deshalb genüge blosses Ausruhen nicht. «Erholung muss aktiv sein. Es braucht eine Tätigkeit, bei der die Gedanken von der Arbeit wegkommen.» So seien beispielsweise Sport treiben, Musik machen oder sich mit Freunden treffen geeignetere Aktivitäten als jeden Abend auf dem Sofa zu sitzen.

Wenn aber jemand zu viel Stress habe, dann fehle die Energie für aktive Freizeit. «Es ist deshalb wichtig, dass man sich rechtzeitig Routinen zulegt.» Wichtig sei ebenfalls, Berufs- und Privatleben klar zu trennen, was aufgrund der neuen Technologien nicht immer einfach sei.

Flexibel dank Erholung

Laut Petra Klumb ist es der Verdienst der Ferieninitiative, auf die zunehmenden Belastungen am Arbeitsplatz aufmerksam zu machen. Andere Interventionen stünden aber höher auf ihrer Prioritätenliste, zum Beispiel die Veränderung widriger Arbeitsbedingungen. «Studien zeigen, dass die Wirkung eines Urlaubs rasch verfliegt.» Besser wäre es deshalb, häufiger kurze Urlaube oder jeden Tag Erholungsmöglichkeiten vorzusehen. Klumb weist darauf hin, dass Erholung auch im Sinne der Arbeitgeber sei. «Erholte Menschen sind klar leistungsfähiger und flexibler.»mir

Volksinitiative: Für weniger Stress und Arbeitsüberlastung

Die Volksinitiative «Sechs Wochen Ferien für alle» will den Anspruch von Arbeitnehmenden auf mindestens sechs Wochen bezahlte Ferien pro Jahr in der Bundesverfassung verankern. Travail Suisse, der Dachverband der Schweizer Arbeitnehmenden, hat die Initiative lanciert.

Travail Suisse reagierte damit auf mehrere Studien, die gezeigt haben, dass ein Drittel der Arbeitnehmenden unter zu hohem Druck und 80 Prozent aller Arbeitnehmenden unter ständigem Termindruck arbeiten müssen. «Diese Belastung hat gesundheitliche und finanzielle Folgen», schreibt Travail Suisse in einer Medienmitteilung.

Die aus der hohen Arbeitsbelastung resultierenden Kosten werden von Gewerkschaften auf zehn Milliarden Franken pro Jahr geschätzt. Stress am Arbeitsplatz kann sich negativ auswirken auf die Gesundheit der Arbeitnehmenden, aber auch auf deren Privatleben. Laut Travail Suisse leidet das Familienleben, aber beispielsweise auch die Bereitschaft, sich sozial zu engagieren.

Andere Vorschläge

Travail Suisse weist darauf hin, dass das Parlament alle anderen Vorschläge für mehr Erholung und Ausgleich für die Arbeitnehmenden abgelehnt hat, worauf die Initiative lanciert wurde. mir

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