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Mehrsprachigkeit noch mehr fördern

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Raphael Berthele wird neuer Professor für Mehrsprachigkeit in Freiburg

Autor: Von CHRISTIAN SCHMUTZ

«In Freiburg soll Mehrsprachigkeit nicht nur im Alltag praktiziert, sondern auch wissenschaftlich erforscht werden.» Davon ist Raphael Berthele überzeugt. Der 36-Jährige ist neuer Professor für Mehrsprachigkeit und Mehrsprachigkeitsdidaktik an der Uni Freiburg.Es handelt sich dabei um eine neu geschaffene Stelle. Warum überhaupt? «Die Stelle braucht es nicht zuletzt, weil die Mehrsprachigkeit in der Schweiz einer der wenigen Pfeiler der nationalen Identität ist», sagt Berthele. Im Bereich der Sprachkompetenzen habe es in den letzten Jahren ja viele Diskussionen gegeben, im Zusammenhang mit Migration, Pisa-Studien usw. «Nach ?Pisa? wurden sofort sprachpolitische Massnahmen gefordert, obwohl bisher noch kein direkter Zusammenhang zwischen Lesekompetenz und mündlichen Sprachkenntnissen festgestellt wurde», sagt er.

In Afrika problemlos 4 bis 5 Sprachen

Nach seinem Amtsantritt in Freiburg will Raphael Berthele aber auch ausserhalb der Uni Konkretes anpacken. Er ist überzeugt, dass es nicht mehr lange dauert, bis die zweite Fremdsprache in den meisten Kantonen ab der 5. Klasse unterrichtet wird. «Ich denke, dass dies für die grosse Mehrheit der Kinder kein Problem ist. In Afrika wachsen sehr viele Kinder problemlos mit 4 bis 5 Sprachen auf. Mehrsprachige Schulen stellen also nicht zwangsläufig eine Überforderung dar», ist er überzeugt. Gleichzeitig müsse man Bedenken der Lehrerschaft ernst nehmen und ihr gute Rahmenbedingungen und die nötigen Weiterbildungsmöglichkeiten bieten. Die Uni Freiburg wolle und müsse einen Beitrag für die Grundlagen einer guten Aus- und Weiterbildung leisten. «Die Lehrer dürfen nicht überfahren, sondern müssen an das 3-5-System herangeführt werden», meint Berthele. Er könne sich aber auch eine Mitarbeit an anderen Modellen wie z. B. «Partnersprache in der Kinderkrippe» vorstellen.Mehrsprachigkeit ist ein weltweites Phänomen. «In Europa laufen momentan Bestrebungen für den Einbezug von ?Brückensprachen? im Fremdsprachen-Unterricht», erklärte Berthele. Dass viele Leute neben ihrer Muttersprache bereits eine Fremdsprache sprächen, gelte es auszunützen. Über diese könnten weitere Sprachen erschlossen werden. «Gerade Französisch und Deutsch sind prädestiniert», sagt er. «Deutsch er-schliesst für Französischsprachige andere germanische Sprachen. Und nach Französisch können Deutschsprachige romanische Sprachen relativ schnell erfassen. Ich arbeite momentan an einem Projekt in dieser Richtung.»

«Eine unglaubliche Chance»

Und wie nimmt der neue Professor die Zweisprachigkeit in Freiburg wahr? Dies sei stark vom Kontext abhängig. «Es gibt viele Deutschsprachige, die Französisch können müssen, weil im Alltag viel in dieser Sprache abläuft und Deutsch prinzipiell abgelehnt wird», sagt Berthele. Er finde es eine unglaubliche Chance für ein zweisprachiges Leben und hätte Freude, wenn die Romands ebenso profitieren könnten. «Oft helfen aber auch Deutschschweizer nicht mit, indem sie sofort auf Französisch wechseln und es den Welschen nicht ermöglichen, ihr in der Schule hart erkämpftes Deutsch anzuwenden.» Andererseits weise er aber auch darauf hin, dass es zum Beispiel in den Gremien der Uni sehr gut funktioniere, dass jeder seine Sprache spreche.

Intensivwoche Schweizerdeutsch

Oft wird Schweizerdeutsch als Hauptproblem für die Romands angesehen. «Ich denke, Schweizerdeutsch ist ein kleineres Problem, als immer gesagt wird», gibt Berthele zu bedenken. «Natürlich gibt es ein erhöhtes Frustpotenzial für Romands, wenn sie mühsam Hochdeutsch lernen und dann nichts verstehen.» Vielleicht müsse man in der Westschweiz besser eine Intensivwoche «Schweizerdeutsch verstehen» im Lehrplan aufnehmen, statt Akkusative und Dative zu büffeln. «Grundkenntnisse wären einfach zu haben, und dies kann durchaus lustvoll sein», sagt er.Er wies aber auch darauf hin, dass die Alternative zu den Dialekten eine stark normative, zentralisierte, deutsche Sprache wäre. Diese würde automatisch Minderheiten unterdrücken. «Französischsprachige haben also auch Vorteile durch die Dialekte», sagt Berthele. «Dies merken auch je länger, je mehr Leute in der Romandie und sehen den Dialekt als Chance.»

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