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«Mein Blick hat sich geweitet»

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Ein riesiger Koffer steht mitten im kleinen Büro von Bal­tha­zar Lovay in der Kunsthalle Fri Art. Es scheint, als wäre der 41-Jährige reisefertig. Ende Monat wird er sein Amt als Direktor der Kunsthalle abgeben, nach Biel ziehen und vorerst auf Mandatsbasis für verschiedene Auftraggeber arbeiten. Doch der Koffer täuscht: Er habe das Ungetüm angeschafft, um ein Kunstwerk von Freiburg nach Paris zu transportieren, erklärt Lovay lachend. Er selber habe noch einiges zu tun, bevor er die Schlüssel des Fri Art an seinen Nachfolger Nicolas Brulhart übergebe. Dennoch hat er sich die Zeit genommen, um mit den FN auf die sechs Jahre zurückzuschauen, in denen er das Fri Art geleitet hat.

Balthazar Lovay, wie geht es Ihnen so kurz vor dem Abschied vom Fri Art?

Es geht mir gut. Ich bin zufrieden, weil ich die Leitung des Fri Art zu einem Zeitpunkt abgebe, zu dem alles gut läuft und die finanzielle Si­tua­tion stabil ist. Ich kann mit einem positiven Gefühl gehen. Zudem habe ich in den letzten sechs Jahren quasi nonstop gearbeitet. Ein bisschen mehr Ruhe wird mir guttun.

Was bleibt Ihnen in den letzten Tagen in der Kunsthalle noch zu tun?

Die aktuelle Retrospektive von ­Gene Beery und das Buch, das wir dazu veröffentlicht haben, halten mich auf Trab. Da gibt es noch einige Anlässe, Besuche und Medienanfragen, aus der Schweiz und aus dem Ausland. Und dann muss ich natürlich noch manche Projekte abschliessen, die Archive auf Vordermann bringen und das Büro für meinen Nachfolger aufräumen.

Wenn Sie auf die letzten sechs Jahre zurückblicken: Welche Ihrer Ausstellungen war Ihnen am wichtigsten?

Die Ausstellungen sind wie meine Kinder, da kann man nicht eines bevorzugen. Aber am prägendsten waren wohl jene Ausstellungen, bei denen ich mit anderen Kuratoren zusammengearbeitet habe. Das ist immer bereichernd, man lernt viel und wird jedes Mal ein bisschen klüger.

Und welche Ausstellungen haben am meisten Publikum angezogen?

Sicher jene des Architekten- und Designerpaars Trix und Robert Hauss­mann 2014, dann «Film Implosion» über den Schweizer Experimentalfilm 2015 und dieses Jahr das grosse Projekt «Discoteca Analitica» von Nicolas Brulhart. Das zeigt auch, wie vielfältig die Themen sind, die das Publikum interessieren. Ich wollte immer die verschiedenen Genres zeigen und damit unterschiedliche Leute ansprechen und diese auch vermischen.

Es gehe Ihnen weniger um die Anzahl der Besucher als um deren Vielfalt, das sagten Sie bereits bei Ihrem Amtsantritt. Haben Sie also Ihre Ziele im Fri Art erreicht?

Ich glaube, ich war sogar noch vielfältiger, als ich anfangs selbst gedacht hätte! Ich habe mich selbst verändert in diesen sechs Jahren, mein Blick hat sich geweitet. Ich habe gegen meine eigenen Gewohnheiten gearbeitet und mich auf Unbekanntes eingelassen. Gerade in den letzten zwei Jahren habe ich experimentellere Sachen gezeigt, als ich je für möglich gehalten hätte.

Was wird Ihnen ausser den Ausstellungen sonst noch in Erinnerung bleiben?

Das Freiburger St.-Nikolaus-Fest – und vieles mehr! Als ich nach Freiburg kam, kannte ich hier niemanden. Jetzt habe ich viele Freunde, Freiburger und andere, die bleiben werden. Ich bin es gewohnt, alle paar Jahre umzuziehen. Wenn man weiss, dass man nicht für immer an einem Ort bleibt, lebt man intensiver. Man teilt ein Stück seines Weges mit anderen Menschen, und das ist etwas Starkes, das verbindet. Ich denke zum Beispiel an all die Leute, die im Fri Art hinter den Kulissen arbeiten. Eine Ausstellung vorzubereiten, ist physisch und psychisch anstrengend, da teilt man intensive Momente – umso mehr, als es an einem Ort wie dem Fri Art keine festen Regeln gibt und wir immer wieder neue Lösungen für neue Probleme finden müssen.

Wie hat sich das Fri Art nach Ihrer Einschätzung in den letzten sechs Jahren entwickelt?

Ich höre von den Leuten, es sei den Freiburgern nähergekommen und werde zugleich national und international stärker wahrgenommen. Ich habe auch das Gefühl, dass Freiburger Politikerinnen und Politiker mehr Interesse zeigen als vor sechs Jahren, als ich angefangen habe. Ich glaube, dass wir im Rahmen der Möglichkeiten des Gebäudes und des Budgets das Maximum erreicht haben. Geholfen hat auch die Zusammenarbeit mit anderen Freiburger Institutionen wie dem Bad Bonn oder dem Internationalen Filmfestival. Dafür gibt es in Freiburg eine schöne Energie!

Welche Stellung hat denn das Fri Art innerhalb dieser Freiburger Kulturszene?

Es ist, mit Ausnahme des kleinen Kunstraums WallRiss, der einzige Ort in Freiburg, an dem regelmässig visuelle Kunst produziert wird. Wir produzieren mit den Künstlerinnen und Künstlern; dafür gibt es auch Unterstützung vom Kanton. Wir stehen im Austausch mit den anderen Freiburger Akteuren, aber wir wollen sie nicht konkurrenzieren. Machen wir zum Beispiel etwas mit Musik, dann ist es entweder etwas sehr Experimentelles, oder wir machen es zusammen mit einem Partner wie dem Bad Bonn oder dem Fri-Son. Wenn die verschiedenen Genres so in einen Dialog treten, dann kann eine Kunstszene erst richtig funktionieren.

Was wünschen Sie dem Fri Art für die Zukunft?

Dass es seine DNA behält, mit einer überschaubaren Grösse, die Flexibilität und Freiheit gibt. Das Fri Art hat die Möglichkeit, den Ort dem Inhalt anzupassen, nicht umgekehrt. In grös­seren Strukturen ist das schwieriger. Nichtsdestotrotz wären einige technische und organisatorische Verbesserungen wünschenswert. Das Techniklokal etwa genügt den heutigen Anforderungen eigentlich nicht mehr. Schön wäre auch ein Ausbau des Empfangsbereichs oder sogar ein kleines Café für die Besucherinnen und Besucher. Mir scheint, dass sich die Freiburger manchmal selber im Weg stehen mit ihrer übertriebenen Bescheidenheit. Wenn man vorankommen will, muss man auch einmal etwas fordern. Da habe ich es ganz mit Michel Ritter, dem Gründer des Fri Art, der immer zu fragen pflegte: «Könnten wir nicht noch ein bisschen mehr machen?»

Sie werden jetzt vorerst nach Biel ziehen. Werden Sie nach Freiburg zurückkehren – vielleicht als Besucher des Fri Art?

Ich werde immer gerne zurückkommen, ins Fri Art, aber auch, um Freunde und ehemalige Kollegen zu treffen. Ich werde ins Bad Bonn gehen, ins Gothard – und ganz sicher mit meiner Tochter zum St.-Nikolaus-Umzug.

Die letzte Ausstellung von Balthazar Lovay im Fri Art mit Werken von Gene Beery, Grégory Sugnaux und Vanessa Safavi ist noch bis zum 30. Juni zu sehen. Öffnungszeiten: Mi. bis Fr. 12 bis 18 Uhr, Sa. und So. 13 bis 18 Uhr.

«Wenn die verschiedenen Genres in einen Dialog treten, dann kann eine Kunstszene erst richtig funktionieren.»

«Die Ausstellungen sind wie meine Kinder, da kann man nicht eines bevorzugen.»

Zahlen und Fakten

5500 Besucherinnen und Besucher pro Jahr

Die Kunsthalle Fri Art wurde 1990 von Michel Ritter gegründet, der sie bis 2001 leitete. Als Direktoren folgten Sarah Zürcher, Corinne Charpentier und Balthazar Lovay. Heute hat das Fri Art eine Co-Direktion mit einem künstlerischen und einem administrativen Leiter. Die künstlerische Leitung ist auf fünf bis sechs Jahre beschränkt. Die administrative Leitung ist unbeschränkt und obliegt seit 2013 Julia Crottet. Das Fri Art verfügt über ein Jahresbudget von rund 600 000 Franken. Es zählt pro Jahr etwa 5500 Besucher.

cs

Nachfolge

Nicolas Brulhart übernimmt von Balthazar Lovay

Auf den Walliser Balthazar Lovay folgt mit Nicolas Brulhart ein Freiburger, der die künstlerische Leitung des Fri Art am 1. Juni übernimmt. Brulhart wurde 1983 in Freiburg geboren und studierte Filmgeschichte an der Universität Lau­sanne. Nach dem Masterabschluss arbeitete er mehrere Jahre an einem Forschungsprojekt des Schweizerischen Nationalfonds. 2013 war er Mitgründer des Kunstraums WallRiss in Freiburg, ab 2014 leitete er das Archiv der Berner Kunsthalle, wo er auch zwei Ausstellungen organisierte. Von 2016 bis 2018 leitete Brulhart zusammen mit Sylvain Menétrey den Genfer Kunstraum Forde. Mit Menétrey gewann er 2018 auch den Swiss Art Award in der Kategorie Kunst und Vermittlung. Im Fri Art war Nicolas Brulhart dieses Jahr bereits mit der Ausstellung «Discoteca Analitica» präsent, die er kuratiert hat. Seine erste Ausstellung als Direktor wird er im Herbst präsentieren.

cs

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