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Mit Augen und Händen Musik erleben

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Carole Schneuwly

Es ist eine Mischung aus Gebärdensprache, eindringlichem Schauspiel und poetischer Pantomime, was die Frau auf der Bühne zu den leidenschaftlichen und melancholischen Klängen des Tango Nuevo zeigt. Die Frau ist Lilly Kahler, Dolmetscherin für Gebärdensprache und Vorstandsmitglied des Vereins für Musik und Gebärdensprache Mux. Die Musik kommt vom Ensemble Insieme Tango aus Basel. Und das Ganze ist ein Projekt, das am Freitag im Rahmen des Festivals Makellos in der Festhalle St. Leonhard in Freiburg aufgeführt wurde.

«Ich will immer mehr»

Ziel des Festivals ist es, behinderte und nichtbehinderte Menschen zusammenzubringen, und was der Verein Mux seit über zehn Jahren macht, passt perfekt dazu: «Wir wollen gehörlosen Menschen die Welt der Musik zugänglich machen», so Präsidentin Marzia Brunner, die selber gehörlos ist. Seit sie selber diese Welt entdeckt habe, wolle sie immer mehr davon. Die Musik nehme sie etwa über Äusserlichkeiten wie die Kleidung der Musiker wahr oder über die Liedtexte, die für Gehörlose viel wichtiger seien als für Hörende: «Da haben wir sogar einen Vorteil», so Marzia Brunner lachend. «Viele Hörende verstehen Lieder in Fremdsprachen kaum. Für uns ist das dank der Übersetzungen kein Problem.»

Die Übersetzung in Gebärdensprache kann aber noch viel mehr: «Gute Dolmetscher bringen Klänge, Wirkungen und Zwischentöne zum Ausdruck», erklärt Brunner. Und es gibt noch mehr Möglichkeiten, Musik für Gehörlose zugänglich zu machen, wie das Konzert in Freiburg verdeutlichte: Videobilder zeigten die Hände der Musiker in Grossaufnahme. «Die Hände sind für Gehörlose sehr wichtig», sagt Joel De Giovanni, der Kunst und Design studiert hat und seine Masterarbeit über «Musik und Gehörlosigkeit» schrieb. Durch diese Arbeit ist er auf den Verein Mux gestossen und arbeitet seither mit ihm zusammen. Mit der Auswahl der Videobilder zeigt er, welche Instrumente gerade dominieren, und mit verschiedenen Perspektiven visualisiert er den Rhythmus der Musik.

Der Tastsinn ist ein weiteres Hilfsmittel für gehörlose Musikkonsumenten: Beim Konzert erhielten alle einen Luftballon, der es ermöglichte, die Musik über die Schwingungen zu spüren. Wie gut das klappt, weiss auch Christian Neff, Gründer des Ensembles Insieme Tango. «Als Musiker funktioniert bei mir alles über das Gehör», so der Berufsviolinist. «Aber die Erfahrung, dass man Musik auch anders wahrnehmen kann, zum Beispiel, indem man sie ertastet, war für mich ein Wendepunkt.»

Als Musikpädagoge und Geigenlehrer sei ihm die Kommunikation über die Musik immer wichtig gewesen. Die Idee, dies auf die Gebärdensprache auszuweiten, habe ihn schon länger umgetrieben. Zusammen mit dem Verein Mux habe er sie endlich verwirklichen können: Das in Gebärdensprache übersetzte Konzert von Insieme Tango in Freiburg war für das Ensemble eine Premiere.Dass es immer wieder solche Konzerte gebe, sei wichtig, damit sowohl Hörende als auch Gehörlose merkten, dass die Idee funktioniere, sagt Dolmetscherin Lilly Kahler. Da gelte es noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

In Freiburg dürfte dies gelungen sein: Wer Lilly Kahler und ihre Kollegin Gaby Hauswirth im Einsatz sah, käme nie auf den Gedanken, sie als störend zu empfinden. Vielmehr waren die beiden Übersetzerinnen mit ihrer Gestik und ihrer Mimik vom ersten Takt an Teil des Konzerts und eine Bereicherung sowohl für das gehörlose als auch für das hörende Publikum.

Dolmetscherin Lilly Kahler versteht es, mit Gebärden und Mimik alle Nuancen der Musik zu vermitteln. Diese Zusammenarbeit ist auch für den Violinisten Christian Neff, Gründer des Ensembles Insieme Tango, eine bereichernde Erfahrung.Bild Aldo Ellena

Programm

Theater und Konzerte

Das Festival Makellos dauert noch bis Sonntagmittag. Am Samstag stehen an der Pädagogischen Hochschule Theateraufführungen auf dem Programm (10, 14 und 16 Uhr). In der Festhalle St. Leonhard gibt es ab 19.45 Uhr einen weiteren Konzertabend, ab 23 Uhr wird zum Ball aufgespielt. Am Sonntag geht das Festival mit einem ökumenischen Gottesdienst zu Ende (10 Uhr). cs

www.festivalmakellos-sanstache.org

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