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Mit der fliegenden Jurte zu den Tuareg

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Zugegeben: Von aussen sieht die mongolische Jurte in Ulmiz eher unspektakulär aus. In Plastikfolie eingepackt, steht sie unter dem Sternenhimmel zwischen alten Bauernhöfen mitten im 400-Seelen-Dorf. Bald wird im Innern des Zelts ein Teeritual der Tuareg stattfinden, des Berbervolks aus der Sahara. Dazu werden Märchen erzählt.

Im mongolischen Zelt

Organisatorin Yvonne Meyer heisst die Besucher am Samstagabend willkommen; es herrscht eine familiäre Atmosphäre, viele kennen sich, man ist per Du. Bevor die Gäste die Jurte betreten, ziehen sie die Schuhe aus. Im Innern ist es erstaunlich warm: Ein Ofen sorgt für wohlige Temperaturen. Auf dem Holzboden befinden sich Orientteppiche, an den Wänden hängen exotische Artefakte, darunter ein Wasserschlauch aus einem Ziegenbalg. Über 20 Personen, vorwiegend Frauen, nehmen nach und nach Platz: Auf Kissen und Matratzen oder auf Stühlen entlang der Wand. Die beiden Reisenden aus der «Sahara» haben Verspätung, Zeit für Yvonne Meyer, um etwas über die Jurte zu erzählen. Diese steht seit 2013 in Ulmiz und war vorher in Schwarzenburg zu sehen. «Gefilzt und gezimmert wurde sie in der Mongolei, vom Erlös wurde Schulmaterial gekauft», sagt die Lebensberaterin. Innert zwei Stunden wäre das Zelt mit sechs Meter Durchmesser wieder abgebaut.

Mit dem Wüstengewand

Inzwischen hat einer der Reisenden den Weg nach Ulmiz gefunden. «Teekoch» Oliver Scheuvens begrüsst die Anwesenden mit «Salaam aleikum, herzlich willkommen, werte Gäste.» Zum dritten Mal gastiert er in der Jurte. Bevor der Geschichtenerzähler alias Andreas Sommer ankommt, stimmt Scheuvens die Besucher mit Informationen über die Tuareg in den Abend ein. Der Lebensberater trägt ein Wüstengewand und einen Gesichtsschleier, den «eshesh.» Die Verhüllung schützt in der Wüste nicht nur vor Sonne und Sand. «Bei den Tuareg gelten Körperöffnungen als unfein.» Frauen tragen dagegen keinen Gesichtsschleier, aber ein Kopftuch. Werte wie Ehre, Würde und Demut seien zentral, ebenso Mut, Wille und Geduld. Zu viel Besitz ist im Matriarchat nicht angesehen. «Alles, was ein Mensch besitzt, sollte auf drei Eseln Platz haben», so ein Sprichwort.

Scheuvens fordert anschliessend alle dazu auf, die Augen zu schliessen und mit ihm, mitsamt der Jurte, wie auf einem fliegenden Teppich in die Sahara zu reisen. Vor der Tür ertönt ein Summen, der Geschichtenerzähler ist angekommen. In der Sprache der Tuareg begrüssen sich die beiden, bevor sie auf Dialekt wechseln. Auch Sagenwanderer Andreas Sommer war schon früher in Ulmiz zu Gast: Unter anderem erzählte er damals Sensler Sagen, etwa diejenige von Hutätä.

Märchen und Tee

Die Geschichtenerzähler sind ein wichtiger Teil der Tuareg-Kultur. Durch die Märchen werden am Lagerfeuer Werte weitergegeben. «Wie früher in der Schweiz bei den Sennen», so Sommer. Während er drei Märchen erzählt, die er bei den Tuareg hörte, bereitet Scheuvens auf dem Campingkocher meditativ den Tee zu: Den ersten Aufguss «bitter wie das Leben», den zweiten «stark wie die Liebe», den dritten «süss wie den Tod» (siehe Kasten). Dazu giesst er den gesüssten Grüntee in hohem Bogen immer wieder in andere Kannen, bis dieser durch die Luftzufuhr genügend Schaum entwickelt. «Einen Tee ohne Schäumchen anzubieten gilt bei den Tuareg als unhöflich.» Sommer erzählt derweil, passend zur Teezeremonie, Märchen aus dem Dschinnenreich, von der Liebe oder von einer mutigen, schönen Musikerin, die einen Gefangenen vor dem Tod rettete. Nach jeder Geschichte singt er ein Lied, begleitet vom dumpfen Klang eines schellenlo- sen Tamburins. Anschliessend probieren die Gäste den Tee aus kleinen Gläsern: Der erste ist fast ungeniessbar, dunkel und bitter, der zweite stark und bittersüss. Der dritte, der «Tod» ist hell, leicht und süss–und mit «Wüsten-Wermut» gewürzt, der geschmacklich etwas an Verveine erinnert. Schliesslich steckt in allem, was zu Ende geht, ein Neuanfang drin.

Tuareg-Teeritual: Das Leben, die Liebe und der Tod

D rei Mal wird der Tee, der «Schahi», bei den Tuareg aufgekocht. Der erste Aufguss ist bitter: «Bitter wie das Leben», wie die Tuareg sagen. Das Leben in der Wüste sei hart und entbehrungsreich, es mache aber auch wach. Der zweite Aufguss sei «stark wie die Liebe», der dritte «süss wie der Tod». Der Tod symbolisiere, dass etwas zu Ende gehe, das Loslassen. Diesem Aufguss wird oft etwas beigemischt, etwa Minze. Dies symbolisiert, dass schon etwas Neues da ist. Der dritte Aufguss ist der einzige, den auch die Kinder mittrinken. Gekocht wird der Tee bei Sonnenaufgang, am Mittag und Abend, oder fortlaufend, wenn Gäste da sind. «Er schmeckt immer anders», sagt Oliver Scheuvens, der in Ulmiz den Tee zubereitete. «Er spiegelt den Gemütszustand des Teekochs wieder.» Anders als in Japan habe das Ritual keine fixe Struktur. Es sei intuitiv, gesellig und pragmatisch. ea

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