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«Mit der Gleichberechtigung sind wir noch nicht am Ziel»

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Geneviève Beaud Spang 
Alain Wicht/a

Seit 50 Jahren dürfen Frauen in der Schweiz abstimmen. Doch der Weg hin zur Gleichberechtigung sei noch lang, sagt Geneviève Beaud Spang vom Freiburger Gleichstellungsbüro.

«1848 war die Schweiz stolz darauf, dass sie als erstes Land das allgemeine Wahlrecht einführte», sagt Geneviève Beaud Spang, Leiterin des freiburgischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann. «Dabei schloss sie damals noch eine grosse Bevölkerungsgruppe aus: die Frauen.» Das blieb auch noch über ein Jahrhundert so: Die Schweizer Männer haben den Frauen in einer Abstimmung am 7. Februar 1971  das Stimmrecht erteilt.

1959 hatte dasselbe Ansinnen an der Urne noch keine Chance gehabt. Bis 1971 änderte sich die Einstellung vieler. Pionierinnen hätten dafür gesorgt, dass die Stimmung umschlug, sagt Beaud Spang: «Frauen, die es gewagt haben, zu ihrer Meinung zu stehen. Wer sich damals für das Frauenstimmrecht einsetzte, begegnete grosser Ablehnung.» Denn damals habe die Meinung vorgeherrscht, dass Frauen, die politisieren wollten, sich gegen die natürliche Ordnung stellten. «Als ob es eine politische Natur gäbe», sagt Geneviève Beaud Spang.

Düsteres Bild

Doch diese Einstellung, Politik sei eher eine Männersache, sei noch heute spürbar. «Die politische Kultur blieb patriarchal, auch wenn das heute viel subtiler abläuft als in den 1970er-Jahren.» Klar sei: Die Norm in der Politik sei immer noch männlich. Und darum sagt Geneviève Beaud Spang: «Der Weg ist noch nicht zu Ende.»

Es brauchte aber auch 49 Jahre und einen zweiten Frauenstreik, bis eine Freiburgerin in den Ständerat gewählt wurde.

Geneviève Beaud Spang
Leiterin des freiburgischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann

Sie erinnert daran, dass in den letzten 50 Jahren nur gerade fünf Frauen im Freiburger Staatsrat sassen. «Und derzeit hat es eine Staatsrätin und sechs Staatsräte.»

Noch rasch die Liste verschönern

Im Herbst stehen kantonale Wahlen an. Dann könnte sich das Bild im Freiburger Staatsrat wieder ändern. Geneviève Beaud Spang ist allerdings nicht zuversichtlich, dass viele Frauen in die Kantonsregierung einziehen werden. «Die Parteien sind mit ihrer Suche nach Kandidatinnen zu spät dran.» Eine Kandidatur werde über Jahre aufgebaut, eine geeignete Kandidatin lasse sich nicht aus dem Hut zaubern. «Frauen aufbauen heisst, ihnen wichtige Ämter in der Partei, aber auch in wichtigen externen Kommissionen zu geben.» Es brauche Frauensektionen, die entsprechend finanziert würden. 

Das Büro für Gleichstellung weise die Parteien immer wieder darauf hin. «Wir haben aber das Gefühl, dass wir nicht gehört werden.» Und so sehe es auch in diesem Wahljahr wieder danach aus, als ob die meisten Parteien noch rasch eine Frau suchten, um ihre Listen zu verschönern.

Empfehlungen

Die Parteien stellen sich die Frauenfrage oft zu spät

Der Bericht «Frauen und Politik im Kanton Freiburg 1971 bis 2018» des freiburgischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann gibt den politischen Parteien Empfehlungen, um die Vertretung der Frauen in der Politik zu verbessern. «Das Bewusstsein für die Förderung des weiblichen Nachwuchses ist grundlegend», heisst es dort. Eine Partei mit einer besseren Vertretung von Frauen auf Gemeinde- und Kantons­ebene finde auch einfacher Kandidatinnen für den Staatsrat und die eidgenössischen Räte. Gerade das Kantonsparlament habe ein grosses Rekrutierungspotenzial. Bisher tauche die Frauenfrage zu spät im Wahlprozess auf und beschränke sich oft auf die Suche nach Kandidatinnen. «Die Parteien müssen sich im Vorfeld engagieren.» Beispielsweise, indem Frauen innerhalb der Partei und in wichtigen Kommissionen Schlüsselfunktionen besetzten. Auch Frauensektionen empfiehlt die Broschüre. njb

Rückschau

«Frauen sind nach wie vor ‹die anderen›»

In der Broschüre «Frauen und Politik im Kanton Freiburg 1971 bis 2018» des freiburgischen Gleichstellungsbüros von 2019 blickt die Historikerin Fabienne Amlinger auf die Anfänge der Frauen in der Schweizer Politik zurück. Die politischen Normen und Regeln seien von Männern geprägt gewesen. «Doch trotz vielfacher Anpassungsleistungen der Frauen an das politische Feld blieben geschlechtsspezifische Machtungleichheiten und Herrschaftsmechanismen innerhalb der Parteien wie auch allgemein im politischen Feld bestehen.» Auch heute seien Frauen in den meisten politischen Gremien untervertreten. «Und: Je wichtiger das Gremium, umso weniger Frauen sind darin vertreten.» Zwar hätten Frauen neue oder zuvor vernachlässigte Themen auf die politische Agenda gebracht. Doch, schliesst Amlinger: «Frauen sind nach wie vor ‹die anderen›, die sich an die Regeln anpassen und beweisen müssen, dass sie fähig sind.» njb

Kommentar (1)

  • 04.02.2021-Clerc

    Il y a quand même 4 femmes sur 7 pour representer Fribourg au Conseil national

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