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Mit der Kamera zwischen Glamour und neuer Bescheidenheit

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Mit der Kamera zwischen Glamour und neuer Bescheidenheit

Autor: Urs Haenni

Die Medien sind aus vielerlei Ländern angereist, um einen Blick auf Annie Leibovitz zu erhaschen oder ein Zitat von ihr auf dem Notizblock festzuhalten. Annie Leibovitz bei der Eröffnung ihrer Ausstellung «A Photographer’s Life 1990-2005» im KunstHaus Wien – dies ähnelt dem Empfang eines Popstars vom Range einer Madonna.

Doch Leibovitz zeigt sich kooperativ. «Jeder bekommt, was er will», sagt sie den Fotografen und Kameraleuten, welche die Amerikanerin zwischen den Wänden der Wiener Galerie fast erdrücken. «Ich mache ja das Gleiche wir ihr auch», sagt sie der Medienmeute.

Schwangere Demi Moore

Das ist denn doch ein bisschen weit hergeholt. Während die Fotografen im KunstHaus während einer Viertelstunde in einem regelrechten Kampf versuchen, den Star aus ihrer Gilde auch nur ein oder zwei Mal scharf und ohne störende Hand oder Haarschopf aufs Bild zu bekommen, kann sich Annie Leibovitz bei ihren Porträts alle Zeit der Welt nehmen. Sie ist mit den Rolling Stones auf Tournee gegangen, sie hielt sich drei Wochen in der Dance Academy von Andrej Baryschnikow auf, sie wohnte im Hause von Demi Moore und Bruce Willis, als sie das berühmte Bild von Demi Moore – nackt und schwanger – aufnahm.

Das Porträt der schwangeren Demi Moore in «Vanity Fair» wurde von den amerikanischen Magazin-Verlegern zum zweitbesten Titelbild der letzten 40 Jahre gewählt. Platz 1 ging an das Bild des nackten John Lennon, welches in «Rolling Stone» an jenem Tag erschien, als der Beatle erschossen wurde. Auch bei diesem Bild stand Annie Leibovitz hinter der Kamera.

Annie Leibovitz wurde beim Magazin «Rolling Stone» gross, für das sie 142 Titelbilder fotografierte. Ab 1983 arbeitete sie auch für «Vanity Fair» und die letzten zehn Jahr für «Vogue». Doch wer einen Namen hat wie Leibovitz, wird oftmals direkt von den Prominenten eingeladen. So durfte sie zuletzt ein Familienbild für die Obamas im Weissen Haus machen, und auch die Königin von England posierte vor zwei Jahren für die 60-Jährige.

«Es war eine Ehre, gleichzeitig aber auch eine Herausforderung», so Leibovitz. «Immerhin ist es wohl die am meisten fotografierte Frau der Welt.» Sie tat, was sie vor einem grösseren Projekt immer tut: Sie recherchierte. «Ich hatte den Eindruck, dass die formellen Bilder der Queen zuletzt nicht sehr stark waren. Es war, als ob die britischen Fotografen sie bereits zur Seite geschoben hätten.»

Pflichtbewusste Queen

Es sei nicht schwierig gewesen, die Königin zu fotografieren, sagt Leibovitz. Die Queen sei eine resolute Person, die sich aber genau bewusst sei, wie sie gegenüber der Öffentlichkeit in der Pflicht steht: «Genau das tat die Queen: Sie tat ihre Pflicht.»

Herausgekommen ist ein Bild, das Elisabeth II. ohne Krone zeigt, ausserhalb des Palastes vor dem Hintergrund einer Herbstlandschaft, müde von der Last ihrer 30 Kilo schweren Robe. Der Himmel ist dramatisch düster, Blätter fallen. «Passend zu ihrem Alter», erklärt Leibovitz.

Dieser Auftrag hat Annie Leibovitz ein weiteres Mal in die Schlagzeilen gebracht. Die Amerikanerin habe die Queen gebeten, die Krone abzunehmen, worauf die britische Regentin empört aus dem Raum des Buckingham-Palastes geschnaubt sei, berichteten die Medien. «Es war lächerlich», so Leibovitz. «Ein Team von BBC war zugegen, und die haben es so dargestellt. In Tat und Wahrheit lief die Queen nicht weg, sondern kam gerade in den Raum hinein. Ihr haben im Übrigen die Bilder gut gefallen.»

Die Episode passt bestens zu Annie Leibovitz, deren Karriere bei weitem nicht frei von Polemik ist. Sie hatte Drogenprobleme, als sie tagtäglich mit Rockstars verkehrte, zog mit ihrer Lebenspartnerin Susan Sontag Kinder gross und verschuldete sich derart, dass sie vor kurzem ihr fotografisches Werk verpfändete.

Vom Schloss in den Stall

Als Leibovitz mehr und mehr Mode- und Werbefotografie machte, wurden ihre Bilder zu aufwendigen Inszenierungen, für die sie auch einmal das Schloss Versailles gemietet hat. «Es gab eine Zeit der ?big budgets?. Wir machten verrückte Dinge», erklärt sie. «Doch das ist ganz und gar nicht mehr so heute.»

Tatsächlich hat man den Eindruck, Leibovitz hätte mit ihrer Wiener Ausstellung wieder zur Bescheidenheit zurückgefunden. «Nach dem Tod meines Vaters begann ich meine persönlichen Bilder durchzuschauen. In einem Stall im Staat New York stellte ich die persönlichen Bilder auf eine Seite, und die Porträts auf die andere. Sie passen nicht zueinander, und doch gehören sie zueinander. Das eine wäre ohne das andere nicht möglich gewesen.»

Das Porträt der Mutter

Diese beiden Facetten stehen sich denn auch im KunstHaus Wien gegenüber. Und wenn man Leibovitz auf ihr liebstes Bild anspricht, so hält sie bei einem kleinformatigen Porträt ihrer Mutter inne. «Mutter wollte immer, dass wir auf Fotos lachen. Ich hasste dies. Bei diesem Bild war meine Mutter nervös. Sie sagte, sie habe Angst, sie sehe auf dem Bild alt aus. Doch genau das wollte ich. Mein Vater mochte das Bild auch nicht, weil Mutter darauf nicht lächelt.»

Die Ausstellung «Annie Leibovitz – A Photographer’s Life 1990-2005» ist bis zum 31. Januar im KunstHaus Wien zu sehen. Details: www.kunsthauswien.com

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