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Mit heiliger Einfalt gegen den bitteren Ernst

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Der Noldi Abderhalden aus dem Toggenburg erinnert an den berühmten Simplicissimus Teutsch aus dem Schelmenroman von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. Diese Erzählung erschien im Jahre 1668 und gilt als der erste Abenteuerroman und als die wichtigste Geschichte des Barocks in deutscher Sprache.

Simplicissimus wächst zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges als einfältiger Viehhirte auf. Er erlebt bereits als Kind die Brutalität des Krieges, irrt nach dem Tode seiner Eltern einige Zeit in den Wäldern umher und wird schliesslich von einem Einsiedler aufgenommen, der ihm den Namen Simplicissimus, der Einfältige, gibt. Für den vermeintlich Einfältigen beginnt die Abenteuerreise, die ihn fast um den ganzen Erdball bringt. Am Ende findet er sich in der alten Heimat wieder.

Auch Patrick Tschan lässt seinen einfachen, ungebildeten, auch etwas naiven Protagonisten durch den Terror des Dreissigjährigen Krieges ziehen und «bitterem Ernst mit heiliger Einfalt die Stirn bieten».

Grimmelshausen hat eine Botschaft mitzuteilen: Sich nicht einmischen, sondern sich aus der Welt zurückziehen. Patrick Tschans Noldi Abderhalden hat von seinem Vater ebenfalls eine eiserne Regel mitbekommen: Sich nicht einmischen! Dem Leser, der Leserin stellt sich bei der Lektüre immer wieder die Frage, ob Noldi wirklich ein etwas naiver Tollpatsch oder ob er doch nicht eher bauernschlau sei.

Der junge, kräftige Toggenburger Noldi Abderhalden ist gerade mal 16-jährig und leidet unter gewaltigem Liebeskummer. Er versucht, sein Elend mit Branntwein zu ertränken, bis er am Schluss nicht mehr weiss, wo hinten und vorne ist. Und so kommt es, wie es kommen muss: Noldi gerät in die Fänge eines Anwerbers der Spanischen Armee und unterschreibt einen Vertrag, der ihn für zehn Jahre ans raue Söldnerleben bindet. Zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges, der ganz Europa erfasst, streifen auch in Graubünden spanische Anwerber durch die Lande auf der Suche nach geeigneten Söldnern, die auf der Seite der Katholischen gegen die Protestanten kämpfen sollen.

Vordergründig geht es um Glaubensfragen, aber in Wahrheit um Macht und Besitz. Das wissen auch Patrizierfamilien wie die von Planta und von Salis für ihre Zwecke zu nutzen und gelangen auf diesem Wege für ihre Vermittlung von meist arbeitslosen, verarmten jungen Männern zu grossem Reichtum und Besitztümern. Vermögen, an dem Blut klebt.

Noldi kann sich schnell an die Situation anpassen. Das Kriegshandwerk scheint ihm zu liegen, er bewährt sich ausserordentlich gut in den Schlachten und wird zu einer regelrechten Kampfmaschine. Ja, er wird gar zum Helden, als er seinen Heereskommandanten, den adeligen Gomez Suarez de Figueros, vor einer protestantischen Kugel rettet. Als Anerkennung für die heroische Tat und zum Dank wird er an den spanischen Königshof bestellt. Noldis Zukunft sieht vielversprechend aus, doch kommt ihm sein sexueller Drang in die Quere und die Inquisition wird auf ihn aufmerksam. Der Hof hält ihm zugute, er habe bei all seinen Affären auf einvernehmlicher Basis gehandelt. Deshalb entgeht er dem Henker; er wird nach Kuba verbannt. Dort werden ein paar Kühe unter sein Kommando gestellt, mit dem Auftrag, die Rindfleischversorgung der spanischen Atlantikflotte sicherzustellen.

Wie wird sich der ehrgeizige und tüchtige «Grind» aus dem bergigen Toggenburg im fernen karibischen Inselstaat durchschlagen?

Der kubanische Käser ist eine Erzählung zwischen Fiktion und Realität, mit viel Sinn für Witz und Ironie. Sprachlich sehr lebendig, farbig, temporeich, gewürzt mit eingeflochtenen, bodenständigen Mundartausdrücken.

Patrick Tschan: «Der kubanische Käser – Das wunderbare Leben und Lieben des Noldi Abderhalden». Roman, Zytglogge Basel 2019. 185 Seiten.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

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