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Mit Kamille & Co gegen den Mehltau

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Das Weingut «Cave de la Tour» wurde 1990 von Jean-François und Jocelyne Biolley gegründet. Der gelernte Gemüsegärtner hat sich als Dreissigjähriger entschieden, auf den Weinanbau umzuschwenken. «Ich habe mir schon immer Gedanken gemacht, wie ich mit weniger chemischen Mitteln arbeiten könnte», erklärt der in Lugnorre wohnhafte Winzer. «Das Umsteigen auf biologischen Anbau ist für mich hinterher gesehen eine Selbstverständlichkeit.»

Tatsächlich hat die Umstellung auf Bio für Biolleys vor sechs Jahren begonnen. Dieses Jahr können sie die ersten Weinflaschen mit der Bio-Knospe vermarkten. «Unsere Reben haben das Bio-Gütesiegel schon länger. Damit aber auch der Wein das Label erhält, mussten auch die ganzen Prozesse der Vinifizierung den Richtlinien entsprechen und umgestellt werden.» Sie seien nicht aus marktwirtschaftlichen Gründen auf Bio umgestiegen. «Unserer treuen Kundschaft ist das Gütesiegel nicht so wichtig», so Jean-François Biolley. «Ab diesem Jahr verkauft aber auch Coop Bern unseren Pinot Noir, Chasselas und Oeil de Perdrix. Für sie ist die Knospe natürlich ein Verkaufsargument.»

Probieren auf kleinen Flächen

Der Startschuss zur Umstellung fiel für Biolleys, als Sohn Lionel in den Familienbetrieb einstieg. «Lionel konnte in Mur Reben übernehmen, die schon seit 15 Jahren biologisch bewirtschaftet wurden», erinnert sich Jean-François. «Das war der ideale Startpunkt. Wir haben einfach ausprobiert, was funktioniert, und die Fläche nach und nach vergrössert.» Mittlerweile bewirtschaftet die Familie 5,5 Hektaren und verarbeitet auch die Trauben eines Biowinzers aus dem Jura.

Jean-François steht inzwischen hinter dem Weinkeller in Môtier und zeigt mit einer ausladenden Geste auf die Reb­berge, die sich den Hang hinaufziehen. «All diese Reben hier werden biologisch bewirtschaftet», erklärt er und zählt auf, welche Winzer hier arbeiten. Prozentual gesehen dürfte der Vully den grössten Bioanteil der Schweiz haben, meint Biolley. Sein Blick ruht auf einem alten, knorrigen Kirschbaum, der mitten in den Reben steht. «Das ist wohl auch typisch Biolley», schmunzelt er. «Es ist wirklich nicht sehr praktisch, diesen Baum mitten in seinen Reben zu haben, und manch ein Winzer hätte ihn wohl schon längst gefällt. Aber ich finde einfach, dass er hier seinen Platz hat und seinen Beitrag zu einem natürlichen Gleichgewicht leistet.»

Die Reben impfen

Die Reben der Familie Biolley sind nicht nur Bio, sie wurden auch als Reben mit einer besonders hohen Biodiversität ausgezeichnet. «Ich sage immer, dass wir Reben auf einer Wiese haben», meint Jean-François. Lionel fügt an: «Heute beobachte ich in den Reben wieder Vögel und Insekten, die ich als Kind nicht sah.»

Zur Winzerfamilie Biolley gehört auch eine 20-köpfige Schafherde, die von Herbst bis Frühling in den Reben weidet. «Unsere Ouessant-Schafe sind bretonische Zwergschafe. Diese kleinen, robusten Schafe fressen das Gras zwischen den Reben und düngen gleichzeitig den Boden», so Jean-François.

Um die Reben vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen, setzen Biolleys auf Pflanzen. «Im Bioanbau dürfen wir auch Kupfer und Schwefel brauchen. Da sich Kupfer aber im Boden anreichert, versuchen wir nur die Menge zu brauchen, die der Boden auch verdauen kann.» Die Familie stellt im Moment auch auf Demeter um. «Demeter setzt auf die Biodynamik. Die zugelassenen Mengen an Kupfer und Schwefel sind bei diesem Label wesentlich tiefer als bei Bio.»

Jean-François Biolley stellt verschiedene Fläschchen mit getrockneten Kräutern vor sich auf den Tisch und zählt auf. «Hier haben wir Brennnessel, Schachtelhalm, Kamille oder auch Löwenzahn und Weidenrinde. Aus diesen Pflanzen stellen wir Tinkturen her und impfen die Reben.» Man gäbe den Reben dadurch Signale, die den Selbstschutz aktivierten. Eine Schwierigkeit sei, dass man immer präventiv agieren müsse. «Ist die Krankheit da, so ist es schon fast zu spät.» Die Winzer würden ihre Erfahrungen auch untereinander teilen. «Wir haben beispielsweise auch schon Molke gegen den Mehltau eingesetzt. Da es aber Biomolke sein musste, musste ich bis nach Cressier fahren, um sie zu holen. So weite Fahrten kann ich mit dem Biogedanken nicht vereinbaren, darum setze ich lieber auf die Pflanzentinkturen.»

Ungern erinnern sich Biol­leys zurück an den regenreichen Sommer 2016, der mit einer Menge Krankheiten aufwartete. «Das war ein schwieriger Sommer. Wir mussten stetig wachsam sein und agieren. Da mussten wir schon auf die Zähne beissen und zusammenhalten, um nicht zu konventionellen Mitteln zu greifen.»

Hoffnungen setzten Biolleys auch in die neuen multiresistenten Rebsorten wie Divico. Diese Züchtungen sind gegen die wichtigsten Pilzerkrankungen wie den Echten und den Falschen Mehltau oder die Graufäule resistent und eignen sich daher für den ökologischen Anbau. «Etwa einen Fünftel unserer Fläche haben wir mit diesen neuen Rebsorten bepflanzt. Auf dem Rest bauen wir traditionelle Rebsorten an», so Biolley.

Obligatorische Pufferzonen

«Das Interesse am Bioweinbau ist gross», sagt der überzeugte Biowinzer. Am Anfang hätten konventionell arbeitende Nachbarn ihre Reben doppelt geschützt, um keine Krankheiten von den Bioreben einzufangen. «Inzwischen hat man verstanden, dass es funktioniert», so Biolley. «Es ist nun sogar so, dass ich die obligatorischen Pufferzonen zwischen Bio- und konventionellem Anbau in den Rebbergen der Nachbarn einrichten darf. Ich behandle also ihre am Rande stehenden Reben mit unseren biologischen Mitteln.»

Regelmässig kommen auch interessierte Winzer vorbei und lassen sich beraten. Biolleys sind froh, die Bio-Kurve gekriegt zu haben. Jean-François Biolley stellt jedoch klar: «Ich möchte niemanden bewerten oder verurteilen. Im Moment können wir noch nicht behaupten, dass wir die Menschheit mit rein biologischem Anbau ernähren könnten. Das wird die Herausforderung der Zukunft sein.»

«Die Ouessant-Schafe fressen das Gras zwischen den Reben und düngen gleichzeitig den Boden.»

Jean-François Biolley

Winzer

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