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Mit Lippenstift und Sturmgewehr

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: URS HAENNI

Ungefähr da, wo die Schiesslinie des Murtenschiessens verläuft, hatte Karl der Kühne im Juni 1476 bei der Belagerung Murtens sein Hauptquartier. Vom Bodemünzi aus wurden die Berner und verbündeten Eidgenossen beschossen; heute schiesst man nicht mehr auf die Berner, aber doch über die Kantonsgrenze hinweg nach bernisch Münchenwiler.

Die Vorbereitungen der Schützen auf den bevorstehenden Einsatz mögen im Heer Karls des Kühnen ähnlich gewesen sein. Man sucht in waldigen Partien des Bodemünzis einen ruhigen Platz, um Schutz vor Sonne und Trubel zu finden und Konzentration zu sammeln.

Ausschussblachen sind auf dem Waldboden ausgebreitet, man stärkt sich mit Züpfe oder Süssmost, versucht sich mit Lektüre zu zerstreuen, der Sonntagsblick liegt herum und daneben die Bauernzeitung.

Zwei Schützen auf eine Scheibe

Sobald die Serie aufgerufen wird, wirds militärisch. Die Schützen stehen in der Reihenfolge ein, in der sie wenig später schiessen. Eine Gruppe zu zehn Schützen, immer zwei Schützen auf eine Scheibe. Damit man beim Erhalt der Scheiben erkennen kann, welcher Schütze was geschossen hat, färbt manch einer seine Patronen mit Lippenstift. Auf der Scheibe gibt das dann einen roten Ring um das Einschussloch.

Die Laufkontrolle ist beendet, und die Schützen marschieren über einen schmalen Waldpfad zur Schiesslinie. Sie legen sich auf Sacktücher der Eidgenössischen Getreideverwaltung und richten sich ein. Die einen mit Karabiner, die anderen mit Sturmgewehr 90, da mit ledernen Schiessjacken, dort im Trainerjäggli der Feldschützen Oberfrittenbach.

Zwölf Schüsse sind in vier Minuten zu absolvieren, die Schützen blicken noch ins Täli hinunter, wo die Scheiben hängen, kein Wind, der Mais bewegt sich nicht, dann das Kommando «Anschlagen, Epauler, Feuer».

Wer wie gut geschossen hat, weiss zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Es wird nicht gezeigt; die Scheiben werden einfach abgehängt und ins Resultatbüro gebracht. Man hört einzig «I ha n’es guets Gfühl», oder, im Schützenjargon, «Mini si verzatteret». Der Schützenmeister kommandiert: «Hülseler, tüet guet hülsele.»

Vier Minuten, und der Einsatz ist vorbei. Doch das Murtenschiessen lädt länger zum Verweilen ein. So werden ab 6.45 Uhr Gruppen ausgelost und Munition ausgegeben. Auf dem Bodemünzi beginnt alles mit einer Gedenkfeier. Die Zürcher Regierungsrätin Rita Fuhrer hätte zu den Schützen sprechen sollen. Doch wegen ihres Velounfalls musste sie passen, und Grossrat Rudolf Vonlanthen sprang für sie ein. Ein Mann, der Fuhrer in Sachen Medienpräsenz in nichts nachsteht.

Ein Fritz ist gegangen, ein neuer ist nicht in Sicht

Pfarrer Fritz Sartorius muss weiter zuwarten, dass er an der Feldpredigt einen Buben auf den Namen «Fritz» taufen kann, derweil mischte sich der legendäre Murtner Pfarrer Fritz Brechbühl unter die Schützenfamilie. Ein weiterer Fritz ist dem Murtenschiessen verloren gegangen. Ehren-Präsident Fritz Götschi ist kürzlich verstorben. Derweil liest der letzte Staatsrat aus dem Seebezirk, Hans Bächler, aufmerksam die Erinnerungstafel auf dem Bodemünzi. Wie Karl der Kühne in Murten den Mut und in Nancy das Blut verlor. Geschichtsträchtiges, wohin man blickt. Das eben macht das Murtenschiessen so speziell.

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