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Mit Pferden kam sie besser aus als mit Menschen

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Mit Pferden kam sie besser aus als mit Menschen

Befragung von Daniela T. zu ihrer Kindheit und ihrer problematischen Beziehung zu Walter Plüschke

Die Tat selbst war am ersten Verhandlungstag im Fall Daniela T. Nebensache. Vielmehr wurden die Familienverhältnisse des Opfers und der Angeklagten zerpflückt. Langsam ergab sich das Bild einer Beziehung, die von Anfang an problematisch gewesen war.

Von IMELDA RUFFIEUX

Der Gerichtssaal war mit rund 40 Personen fast bis auf den letzten Platz besetzt. Neben Medienvertretern waren auch viele andere Zuschauer anwesend – unter ihnen mehrere Familienangehörige des Opfers. Die Eltern von Walter Plüschke waren als Zivilpartei durch einen Rechtsanwalt vertreten.

Leise Antworten

Trotzdem war es mucksmäuschenstill, als Gerichtspräsident Reinold Raemy das erste Mal das Wort an die Angeklagte richtete. Die leise Stimme, die Haltung mit zumeist gesenktem Kopf und die schmale Gestalt vermittelten den Eindruck eines verängstigten Mädchens, das nicht weiss, wie ihm geschieht. Mit der Zeit wurde die Stimme ein wenig stärker. Als es aber um die Beantwortung von sehr intimen Fragen ging, wurde sie wieder leiser. Einige Fragen, vor allem über die Beziehung zu ihrem Freund Walter, beantwortete sich unter Tränen.

Bei Pferden fand sie den Frieden

Befragt durch den Gerichtspräsidenten, durch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Alessia Chocomeli, und durch ihren Verteidiger Patrik Gruber, ergab sich mit jeder Verhandlungsstunde ein neuer Aspekt des Falls. «Ich hatte immer eine gewisse Distanz zu anderen Leuten», sagte sie bei der Schilderung ihrer Kindheit. Nähe und Umarmungen waren in ihrer Familie nicht üblich.

Pferde wurden zu ihrem Lebensinhalt. Die Eltern kauften ihr erst eins, dann noch vier weitere Pferde. Die Tiere waren ihr so wichtig, dass sie ihnen Priorität vor Beziehungen zu anderen Leuten einräumte. Sie setzte Pferde gleich mit Menschen, sagte sie aus und bestätigte, dass sie eine bessere Beziehung zu Pferden hatte als zu Menschen. «Wenn es Krach gab, zog ich mich zu den Pferden zurück und hatte meinen Frieden.»

Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete sie in einer 50-Prozent-Stelle. Der Rest der Zeit war für ihre geliebten Vierbeiner reserviert. Sie absolvierte sogar Kurse im Pferderennsport und nahm an Rennen teil.

Angst und Kopfschmerzen

Dauernde Kopfschmerzen seit dem 18. Lebensjahr ohne medizinische Erklärung und die Angst, die sie als Kind stets gehabt habe, waren Themen, die an der Verhandlung zur Sprache kamen. Vorsichtig zurückhaltend war sie auch in Bezug auf Männer. Die Vermutung, dass sie als Kind Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden war, war von einer Therapeutin nach der Tat geäussert worden. Daniela T. berichtete von zwei Männern, die ihr zu nahe gekommen seien – Erinnerung an tiefer gehende Vorfälle hat sie nicht.

Zwei Jahre dauerte die Beziehung

Am Arbeitsplatz, im Inselspital Bern, lernte sie Walter Plüschke kennen, den vier Jahre jüngeren, angehenden Arzt. Ab September 1998 hatten sie eine Beziehung, die zwei Jahre dauerte und von einer längeren Trennung (sechs Wochen) und vielen geplanten Trennungen bzw. Trennungsversuchen gekennzeichnet war.

Walter habe sie oft gehänselt, dass sie nicht klug genug sei, dass sie nicht seine Traumfrau sei, und er habe auch wenig Verständnis für ihre Pferde gezeigt, sagte Daniela T. aus.

Reisepläne trotz Krise

Obwohl es schon kriselte und trotz Trennungsgedanken, planten die beiden eine Reise nach Australien, der Heimat von Walter Plüschke, der für das Studium in das Herkunftsland seiner Mutter gekommen war. Sie habe sich auf die Reise gefreut, weil sie vorher noch nie so weit gereist sei, sagte sie aus. In Australien wurde sie von der Mehrheit der Familie Plüschke gut aufgenommen, nur zum Vater Plüschke hatte sie von Anfang an keinen guten Draht. Als Augenarzt hatte dieser sehr ehrgeizige Pläne für seine Kinder: Alle sollten Medizin studieren. Die Angeklagte berichtete dem Gericht vom grossen Druck, dem die Plüschke-Kinder ausgesetzt waren und dem kaum eines – auch Walter nicht – etwas entgegenhalten konnte. «Walter wollte gar nicht Arzt werden, sondern Schreiner», erklärte sie. Er sei ihr auch nicht als überzeugter Student vorgekommen.

Eine Woche allein unterwegs

Daniela T. fühlte sich angesichts der hohen Anforderungen des Vaters als einfache KV-Angestellte schlecht gemacht, hatte auch das Gefühl, kontrolliert zu werden. Sie habe kaum etwas auf eigene Faust unternehmen können – die eine Woche, in der sie allein herumgereist sei, sei das Schönste an der ganzen Reise gewesen. «Da konnte ich für einmal ich selbst sein.»

Auch mit anderen Dingen konnte sich die junge Frau in Australien nicht anfreunden: Die Familie Plüschke ging viel lockerer mit dem Thema Sexualität um, als sie es gewohnt war. Das Vorführen eines Negligés, Nacktbaden und andere Sitten und Gebräuche empfand sie als belastend. «Das war für mich nicht normal.»

Viele Widersprüche

Bei der Befragung zu ihrer Beziehung nach der Australienreise bis zur Tatzeit am 16. Oktober 2000 gab es am ersten Verhandlungstag am meisten Ungereimtheiten. Es gab Widersprüche zwischen früheren Aussagen vor den Untersuchungsbehörden, zwischen Aussagen von Kolleginnen sowie zwischen den zahlreichen schriftlichen Dokumenten (Briefe, E-Mails, Gedichte, Tagebuch usw.) und den Äusserungen an der Verhandlung selber.

Nach der Australienreise sei ihre Beziehung «einfach nur krank» gewesen, berichtete Daniela T. «Er kam nur noch zu mir, wenn er etwas wollte.» Belegen über ein gemeinsames Wochenende oder von Plänen, zusammen eine Wohnung zu nehmen, hielt sie dürftig scheinende Erklärungen entgegen – oftmals gab sie auch an, sich nicht mehr zu erinnern.

Mit Sexvideo erpresst

Sie zeichnete ein recht negatives Bild vom Charakter ihres Freundes: Er habe sie betrunken gemacht, ein Sexvideo von ihr gedreht und sie unter der Androhung, dieses den Mitstudenten zu zeigen, zu allerlei Sexspielchen gezwungen. Er habe sie auch zur mehreren psychiatrischen Gesprächen überredet. «Ich bringe dich in die Klapsmühle», soll er gedroht haben.

Und er habe sie sogar dazu gebracht, gegen ihren Willen bestimmte Briefe zu schreiben. Sie habe sehr schlecht geschlafen und sie sei sicher, dass sie in dieser Zeit noch viele andere Dinge getan habe, von denen sie heute nichts mehr wisse, sagte sie aus. Warum sie sich nicht gewehrt, ihn nicht angezeigt habe, wollte Gerichtspräsident Raemy von Daniela T. wissen. «Ich war nur ein Spielzeug für ihn» und «Er hatte doch dieses Video», gab sie zur Antwort.

Schwangerschaften – Alles erfunden?

Die Angeklagte stritt es ab, mehrfach Schwangerschaften vorgetäuscht zu haben. Schriftliche Unterlagen des Opfers, Aussagen von Kollegen und in – von ihr geschriebenen – Briefen an seine Verwandten waren Hinweise darauf, dass sie im April 2000 eine Fehlgeburt, kurz darauf eine Abtreibung hatte und dass sie im August 2000 wieder schwanger gewesen sein soll.

Sie wisse nicht, wie ihr Freund darauf gekommen sei. Auch eine Geburtsbroschüre,

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