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Mobil, Mobilität

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Wenn wir zügeln, nehmen wir unsere Möbel mit, die sind ja mobil, und lassen die ehemalige Immobilie zurück, wir sind ja keine Schnecken. Wir brauchen dazu ein Automobil, das bald allein fahren kann. Mobilität ist in aller Munde und soll durch alle Mittel gefördert und verbessert werden.

Die soziale Mobilität ist in Freiburg in fast allen Familien spürbar: Ab den 1960er-Jahren kamen die meisten in den Genuss von beruflicher Bildung, und der Lebensstandard verbesserte sich merklich. Wie überall steigerte sich auch die geografische Mobilität. Immer weniger Personen sterben am Ort, an dem sie geboren wurden, oder wohnen an ihrem Bürgerort. Wir wohnen meist nicht dort, wo wir arbeiten, und auch nicht dort, wo wir unsere Freizeit verbringen.

Gleichzeitig wird die Mobilität undifferenziert als etwas Wünschenswertes dargestellt, sie wird in Lehrplänen und Positionspapieren erwähnt, zum Beispiel, dass die Mehrsprachigkeit die Mobilität fördere und umgekehrt. Aber die Realität sieht anders aus. Für gewisse Menschen, den sogenannten Expats, die schon ein komfortables Auskommen hatten, bringt Mobilität eine noch grössere Lohntüte, für andere den Erhalt des Arbeitsplatzes in einer anderen Region oder sogar im Ausland, für wiederum andere bedeutet Migration und Flucht das schiere Überleben. Das Radio meldet an Wochentagen Stau an den Schweizer Grenzen, am Samstag auch, aber in umgekehrter Richtung, da Schweizer ja anscheinend nicht nur lokal einkaufen.

Das statistische Amt kommuniziert, dass unsere Arbeitswege immer länger werden, als Kind stellte ich mir naiverweise vor, die Leute könnten doch ihre Wohnungen tauschen, wenn sie sich doch jeden Tag in ihren Autos auf der Strasse kreuzten. Eine sehr kurzzeitige Migration mit Billigflügen in Privatwohnungen europäischer Städte bringt unkontrollierten Massentourismus, den die Bewohnerinnen und Bewohner immer weniger ertragen und der heftige Proteste auslöst.

Mobilität hat halt ihren langfristigen sozialen und ökologischen Preis. «Den einzigen Luxus, den ich mir leiste, ist der, nicht mobil sein zu müssen», sagte mir mal ein Kollege. Verstehen Sie mich richtig, ich bin dafür, dass man andere Welten kennenlernt, ein Austauschsemester absolviert und anderswo arbeitet. Aber man muss sich eben im Klaren sein, dass Mobilität pauschal nicht unbedingt für alle Menschen, in jedem Fall immer und undifferenziert etwas Positives ist.

Claudine Brohy ist Linguistin und wohnt in Freiburg. Sie ist zweisprachig aufgewachsen, hat in Freiburg und in Kanada studiert. Als Teil eines Autorinnen- und Autorenteams bearbeitet sie in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen. Auf Wunsch der FN-Redaktion tut Claudine Brohy dies mal auf Deutsch, mal auf Französisch.

Kolumne

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