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«Moderne Kunst verlangt nach Erklärung»

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Autor: karin aebischer

«Neuer Brunnen auf dem Kirchplatz – Genehmigung und Finanzierung» heisst das Traktandum, das an der Schmittner Pfarreiversammlung vom kommenden Mittwoch wohl grosse Diskussionen auslösen wird. Die Pfarreiversammlung wird darüber entscheiden, ob der bestehende Brunnen durch einen neuen ersetzt werden soll.

Schon mehrmals ist der Pfarreirat aus der Bevölkerung darauf angesprochen worden, dass der Brunnen einfach nicht gefalle. Falls die Versammlung dem Antrag zustimmt, hat der Pfarreirat zwei Vorschläge für einen neuen Brunnen parat – sie sind im aktuellen Pfarrblatt publiziert. 50 000 Franken sind in der Investitionsrechnung des Voranschlags 2011 für den neuen Brunnen vorgesehen.

Geschenk gefährdet

«Da bleibt mir die Spucke weg. Das Entfernen des Brunnens muss verhindert werden», sagt Pius Lehmann, ehemaliger Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Schmitten (heute Sensetal). Die Bank hatte der Bevölkerung den Brunnen damals als Jubiläumsgabe geschenkt und zirka 75 000 Franken investiert. Pius Lehmann amtete als Präsident der Projektkommission. «Der Brunnen soll Zeichen des Dankes sein an alle, die am Aufbau unserer Dorfkasse mitgearbeitet haben», heisst es in der Festschrift zum 75-Jahr-Jubiläum von 1983. Und weiter: «Gleichzeitig möchten wir ein Werk schenken, das von bleibender kultureller Bedeutung sein soll.» Dass das Werk auf dem Schmittner Kirchplatz nun gefährdet ist, löst bei Pius Lehmann Unverständnis und Kopfschütteln aus.

Ein Kunstwerk

Der Brunnen steht zurzeit nicht unter Schutz. «Bei einer nächsten Gelegenheit würden wir aber eine Unterschutzstellung beantragen», sagt François Guex vom kantonalen Amt für Kulturgüter. Denn das Amt sei ganz entschieden der Meinung, dass es sich bei diesem Brunnen um ein Kunstwerk handle. «Und das Projekt ist seinerzeit auf eine gute Art zu Stande gekommen», so Guex.

Der verstorbene Solothurner Künstler Franz Eggenschwiler (siehe Kasten) hatte den Projektwettbewerb der Raiffeisenbank gewonnen und das Werk 1985 erstellt. «Der Brunnen in Schmitten ist ein wichtiges Werk von Franz Eggenschwiler. Er hatte das Motiv speziell für den Standort Schmitten konzipiert», schreibt seine Frau Rosemarie Eggenschwiler-Wiggli in einem Brief an die Pfarrei Schmitten. Sie äussert sich darin sehr besorgt darüber, dass das Werk ihres Mannes ersetzt werden soll.

Das kantonale Amt für Kulturgüter hat der Pfarrei Schmitten seine Bedenken über das Entfernen des Brunnens mitgeteilt. «Es ist uns nicht gleichgültig, was in Schmitten geschieht», sagt François Guex. «Wir fänden es sehr bedenklich, wenn der Brunnen wegkommen würde.» Dass der Brunnen nicht allen gefalle, liege aber vielleicht nicht nur am Brunnen selbst, sondern auch an der Umgebungsgestaltung wie der Pflästerung, der Bepflanzung, am Ausblick etc.

Walter Tschopp, Kurator am Museum für Kunst und Geschichte in Neuenburg, hat im vergangenen Jahr auf Anfrage der Freiburger Denkmalpflege ein Gutachten zur Brunnenfigur Franz Eggenschwilers erstellt. «Das Hauptproblem des Brunnens ist, dass er kein prächtiges Monument, sondern aus philosophischer Sicht eine Auseinandersetzung mit der heutigen Welt ist», erklärt Walter Tschopp, der 1985 an der Einweihung des Brunnens eine Rede aus kunsthistorischer Sicht gehalten hatte.

Der Brunnen sei in seiner erstaunlichen Verbindung von Tradition und Moderne eine zwar nicht ganz einfache, aber dafür sehr differenzierte künstlerische Schöpfung, schreibt Tschopp im Gutachten. Damals habe eine Art Aufbruchstimmung vorgeherrscht. Der Brunnen sollte Ausdruck einer fortschrittlichen Haltung sein. «Einer Gemeinde, die zeigt, dass sie sich weiterentwickeln will», sagt auch François Guex.

Broschüre könnte helfen

All dies heute aufzugeben, wäre gemäss Walter Tschopp sehr schade und würde eigentlich bedeuten, dass die Aufbruchstimmung vor 26 Jahren heute keine Perspektive mehr hätte. Dies sieht inzwischen auch der Schmittner Pfarreirat so. «Wir haben am Dienstag einstimmig beschlossen, dass wir uns an der Versammlung für den Erhalt des Brunnens aussprechen werden», sagt Pfarreipräsident René Aebischer. Dies habe der Pfarreirat entschieden, nachdem er sich intensiver mit der Geschichte des Brunnens auseinandergesetzt habe.

Walter Tschopp ist überzeugt, dass der Brunnen seinen Weg in die Herzen der Menschen noch finden wird. «Moderne Kunst verlangt aber nach Erklärung, weil Kunst immer eine Frage von Sinngebung und nicht blosser Anschauung ist», betont Walter Tschopp. Deshalb hat er der Pfarrei Schmitten angeboten, eine Broschüre mit Erklärungen zur Symbolik des Brunnens zu verfassen.

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