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«Möglich – ich kann mich nicht erinnern»

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Im Bezirksgericht See in Murten sass gestern ein 29-jähriger Moldawier auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft warf ihm unter anderem banden- und gewerbsmässigen Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und die Entwendung von Motorfahrzeugen zum Gebrauch vor. Die Vorfälle ereigneten sich zwischen 2008 und 2014 in den Kantonen Schwyz, Bern, Schaffhausen, Aargau, Zürich und Freiburg. Die Liste der geschädigten Personen umfasst über 20 Namen. Als Beweise liegen DNA- wie auch Schuhspuren vor.

Ein Kriminaltourist

Der Mann gab vor Gericht zu, von Moldawien nach Frankreich gereist zu sein, um von dort aus über Nacht Diebstähle in der Schweiz zu verüben. Sein amtlicher Rechtsbeistand André Clerc fragte ihn während der Verhandlung, wie diese Diebestouren genau funktionierten. «Schauen Sie, ich bin jetzt hier, das funktioniert also gar nicht», antwortete der Moldawier auf Rumänisch. Dem Mann stand eine Übersetzerin zur Verfügung. Es seien immer andere Personen gewesen, mit denen er von Frankreich aus auf Diebestour gegangen sei, erklärte der Beschuldigte. Namen von Mittätern nannte er keine.

Die Liste der Vergehen ist lang. Auf die einzelnen Vorfälle angesprochen, gab der Mann einige Tatbestände zu, oft zuckte er auch mit den Schultern. «Möglich, ich kann mich nicht erinnern», war der meistgehörte Satz des Angeklagten am Prozesstag in Murten. «Ich weiss nicht mehr genau, wie dieser Abend abgelaufen ist, das ist schon lange her», sagte er auch. Autos verschiedener Marken, Uhren, Navigationsgeräte, Fernseher und mehr gehörten laut Anklage zu seinem Diebesgut.

Humor im Gerichtssaal

Einen Einbruchdiebstahl im Seebezirk stritt der Mann ab. Auch die Entwendung eines Autos im Seebezirk stellte er in Abrede. Doch die Polizei fand seine DNA-Spuren auf dem Lenkrad. «Ich bin das Auto nur gefahren, gestohlen habe ich es nicht», sagte der Moldawier. Ob er gewusst habe, dass das Auto Diebesgut war, wollte Gerichtspräsident Markus Ducret wissen. «Ja, natürlich», sagte der Mann und lachte. Das brachte auch die Beisitzer, den Gerichtspräsidenten, den Generalstaatsanwalt Markus Julmy und den Verteidiger zum Lachen. Und es war nicht das letzte Mal, dass der Angeklagte den ganzen Saal zum Schmunzeln verleitete. Doch seine humorvolle Antwort nützte ihm nichts: Wer ein Auto fährt, von dem er weiss, dass es gestohlen ist, hat dieselbe Sanktion auf sich zu nehmen wie die Person, die das Auto gestohlen hat. Dies erklärte Verteidiger Clerc in seinem Plädoyer. «Deshalb ist es auch glaubhaft, was er sagt.» Der Anwalt verwies auf die Armut in Moldawien als Erklärung für die Taten seines Mandanten. «2006 betrug das Durchschnittseinkommen in Moldawien 102 Euro.»

Seit 22 Monaten ist der Moldawier in Haft, zurzeit im Zentralgefängnis in Freiburg. Dort wird er auch noch eine Weile bleiben müssen: Das Bezirksgericht See verurteilte ihn zu 24 Monaten Haft. Hinzu kommen 14 Monate aus einer bedingten Strafe von 2009. Der Staatsanwalt hatte 34 Monate plus die 14 Monate gefordert. Der Verteidiger wollte, dass der Mann das Gefängnis vor Ende Jahr verlassen kann. Dem wird wohl nicht so sein.

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