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Murten war eine Lepra-Station

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Neue Publikation über den Aussatz in der Schweiz

Autor: Von FADRINA HOFMANN

«Die Lepra ist eine ansteckende Krankheit, an deren Folgen auch heute noch weltweit zwei bis drei Millionen Menschen leiden.» Mit diesem Satz beginnt der Autor Christian Müller das Buch «Lepra in der Schweiz». Auf knapp 300 Seiten untersucht er unter anderem die Entstehung der Krankheit, deren Ausbreitung in der Schweiz, die Geschichte der Siechenhäuser und 30 tragische Einzelschicksale.Er beschreibt die Symptome der Krankheit, vom Haarausfall bis zu dunklen Verfärbungen der Haut, Verflachung der Nase und Lähmungen. «Es folgen Knochenfrass und Verstümmelungen vor allem an den Füssen, Händen und im Gesicht, manchmal auch Erblinden», schreibt Christian Müller.1600 Jahre lang waren Lepra-Kranke in der Schweiz an der Tagesordnung. Der Aussatz erreichte das Land nämlich bereits zur Römerzeit.

18 Siechenhäuser in Freiburg

Im Hochmittelalter kümmerte sich die Kirche um die Leprakranken. In der Schweiz entstanden rund 200 Siechenhäuser, in der die Betroffenen buchstäblich «dahinsiechten». Im Kanton Freiburg gab es 18 solcher institutionalisierter Pflegehäuser, davon zwei im Seebezirk. Damit liegt der Kanton an dritter Stelle in der Statistik, hinter Waadt und Bern.In Murten stand von 1327 bis ins 18. Jahrhundert ein Siechenhaus, das sich östlich der Stadt an der Strasse Löwenberg Richtung Bern befand. Zweimal brannte das Gebäude ab. Einweisungen sind bis 1786 dokumentiert. Auch in Lugnorre gab es bis 1844 ein «maison du berger, dite Maladeire», das auf dem Vully an der Strasse nach Môtiers stand.Seit Ende des 14. bis zum 17. Jahrhundert erliessen Schultheiss und Räte vieler Städte Verordnungen, um das Leben der Aussätzigen zu reglementieren. Christian Müller zitiert die Siechenordnung Murtens vom 28. Oktober 1550 (Rechtsquellen des Kantons Freiburg), die unter anderem über die Aussätzigen bestimmt, dass «(…) dieselbigen von aller gmeindt abgesündert unnd ir sunderbare Wohnung haben söllindt, (…)».Die Ordnung erklärt, dass die Krankheit sehr ansteckend und unheilbar sei, und die von «maletzy» beladenen sollen bemitleidet werden. Die Kranken mussten isoliert leben und im Kontakt mit der Öffentlichkeit Handschuhe tragen. Sie durften nicht in die Lauben der Stadt gehen und mussten eigenes Ess- und Trinkgeschirr mitführen.Wer sich nicht an die Regeln hielt, wurde aus der Stadt verbannt: «(…) söllennt sy alldann mit dem eydt von statt unnd lannd gehysst werden.» Diejenigen, die den Eid verweigerten, wurden trotzdem mit Verbannung bedroht.

Immer noch Ansteckungen

Im Mittelalter wurden die Aussätzigen teilweise als Brunnenvergifter verfolgt, aber auch von frommen Stiftungen unterstützt.Es ist noch nicht hundert Jahre her, dass die letzte in der Schweiz angesteckte Person an Lepra starb. Obwohl seit Anfang der 1980er-Jahre die Krankheit heilbar ist, findet man laut dem Autor immer noch davon befallene Personen, die im Ausland angesteckt wurden.Christian Müller hat mit seinem Werk die Geschichte der Lepra-Krankheit und ihrer Opfer ins Zentrum gerückt. «Nach der Lektüre dieses Buches wird die Leserin oder der Leser nicht nur mehr über die Leprakranken in der Schweiz wissen, sondern vielleicht auch den Menschen, die heute noch mit dieser Krankheit oder ihren Folgen leben müssen, mehr Verständnis und Interesse entgegenbringen können», schliesst der Autor sein Vorwort.Christian Müller: Lepra in der Schweiz. (Hrgs.) Leprahilfe Emmaus Schweiz. Chronos Verlag. Zürich 2007.

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