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Murtner Elefant stürmt Berner Bühne

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«Unruhe, Lärm, Chaos. Unruhe, Lärm, Chaos. Unruhe, Lärm, Chaos», skandieren die Schauspielerinnen und Schauspieler. «Abu umschlingt Myers mit seinem Rüssel, hebt seinen Meister fünf Meter hoch in die Luft, und schmettert ihn heftig zu Boden. Das tut er zwei Mal.» Die Proben in der ehemaligen Berner Spinnerei Felsen­au sind in vollem Gange. Das Ensemble widmet sich der Szene «Amoklauf», in welcher der Zirkuselefant in der Murtner Rathausgasse aus seinen Stallungen ausbricht. Eine kurze Pause. Co-Regisseur Jonathan Loosli richtet sich an die Spielenden. «Man muss die Stimmungen besser unterscheiden können. Zum einen haben wir die interne Panik, zum anderen die öffentliche Sensationslust. Versucht, dies durch eine unterschiedliche Intonation zu unterstreichen. Arbeitet mit Spannung und Entladung.»

Mensch gegen Natur

Die Berner Theatergruppe «Vor Ort» nimmt sich in ihrer aktuellen Produktion der bekannten Geschichte rund um den Murtner Elefanten an. Die historische Begebenheit ist schnell erzählt: Das Tier war mit dem amerikanischen Wanderzirkus «Bell & Myers» 1866 nach Murten gekommen, wo es im Stedtli in aggressiver Verfassung einen Wärter tötete. Vermutlich befand es sich in der sogenannten Musth, einer bei männlichen Elefanten einmal pro Jahr auftretenden Phase, die mit einem Testosteronschub verbunden ist. Die Murtner wussten sich damals nicht anders zu helfen und erschossen das unbändige Tier mit einer Kanone. «Wir wollen nicht darüber urteilen», sagt Co-­Regisseur Mathis Künzler, bekannt geworden als Hauptdarsteller der deutschen Telenovela «Verliebt in Berlin». «Wie hätten wir damals an der Stelle der Bevölkerung entschieden?» Die Theatergruppe «Vor Ort» blickt in ihren Produktionen auf Ereignisse zurück, die real stattgefunden haben, und baut ihre Fiktion darauf auf. «Teil unseres Konzeptes ist es, Realität in Fiktion und Fiktion in Realität zu verwandeln», sagt er. «In ‹Der Elefant von Murten› lassen wir die geordnete Welt des Stedtlis auf die Welt der Zirkusleute prallen, die nach ihren eigenen Gesetzen leben.» Die Handlung ist fiktiv, geschrieben hat das Stück Drehbuchautor Uwe Lützen. «Wir haben nach einem universellen Thema gesucht», so Künzler. «Etwas Fremdes, Faszinierendes kommt in eine bestehende Welt, und wird plötzlich zur Bedrohung. Das abgekapselte Stedtli wird zum Sinnbild.» Das 19. Jahrhundert biete einen spannenden historischen Hintergrund. «Es war eine Epoche grosser technologischer und sozialer Veränderungen.» Die vermeintliche Bändigung der Natur und des Unterbewussten sowie das Streben nach Ordnung prägten das Zeitalter. «Der Kampf gegen die Natur und schlussendlich sich selber manifestiert sich etwa auch im zeitgenössischen Roman Moby-Dick des US-Schriftstellers Herman Melville», sagt Künzler, und verweist auf die 2017er «Vor-Ort»-Adaptation des Romans.

Der Traum vom Fliegen

Die Handlung des Theaterstücks «Der Elefant von Murten» dreht sich um den Metzgerssohn Jeremias (David Berger) und die Zirkusartistin Miranda (Sonja Riesen, «Dr Goalie bin ig»). «Jeremias möchte aus seiner Zeit und seinem Umfeld ausbrechen, er ist ein Träumer und Idealist», sagt David Berger über seine Rolle. Durch den Zirkus wird sein Wunsch, auszubrechen, beflügelt. Daran hat vor allem die schöne Miranda Anteil. «Sie ist eine starke Frau, die sich schon als Kind allein hat durchschlagen müssen», sagt Schauspielerin Sonja Riesen. «Jeremias hat den gleichen Traum wie sie: fliegen zu können. Sie ermutigt ihn dazu, seinen Traum zu verwirklichen und einen Flugapparat zu bauen.» Das Fliegen wird zum Sinnbild für den Ausbruch aus der beengten Welt.

Von der Geschichte des Elefanten von Murten hat Co-Regisseur Mathis Künzler erst erfahren, als das Stadttheater Bern die Gruppe «Vor Ort» kontaktiert hatte. 2017 hatte das Ensemble mit der Jugendroman­adaptation «Krabat» im Berner Theater gastiert. Das Murtner Stedtli kennt Künzler seit Jahren. «Co-Regisseur Jonathan Loosli hat Freunde, die in der Nähe von Murten ein Ferienhaus besitzen. Wir waren mit unseren Familien schon oft dort.» Er habe sich inzwischen vor Ort über die Geschichte des Elefanten informiert. «Es gibt unzählige Versionen, die Geschichte ist mittlerweile zur Legende geworden. Fest steht nur, dass das Skelett des Elefanten sich inzwischen im Naturhistorischen Museum in Bern befindet.» Doch zurück zum Bühnenstück: «Die Zuschauer erwartet ein Märchen für Erwachsene», so der 40-Jährige. «Das Theater soll faszinieren, aber auch Fragen aufwerfen. Erzählt wird eine universelle Fabel, Mensch gegen Natur.» Die fabelhafte Welt des Zirkus werde in schillernden Farben und grossen Bildern beschrieben. «Wir arbeiten mit Überzeichnung.» Man sieht dies den provisorischen Drehkulissen und Kostümen schon etwas an. «Bald werden wir im Stadttheater mit den definitiven Kulissen und Kostümen arbeiten.» Doch es werden nicht nur greifbare Requisiten eingesetzt. «Wir werden auch viel mit den Fantasieräumen in den Köpfen der Zuschauerinnen und Zuschauern arbeiten», sagt der gebürtige Basler. «Wir möchten mit Effekten Bilder triggern.» Welche dies sein werden, darüber möchte der Co-Regisseur nichts verraten.

Zahlen und Fakten

Von Flugapparaten und Elefanten

Am 13. April findet um 19.30 Uhr die Uraufführung des Theaterstücks «Der Elefant von Murten oder Der Traum vom Fliegen. Nach wahren Ereignissen» im Stadttheater Bern statt. Gespielt wird es zehn Mal bis zur Dernière am 26. Juni. Drei Tage später jährt sich der 103. Todestag des Elefanten. Das — abgesehen von der berndeutschen Einleitung — Hochdeutsch gesprochene Stück wird von der Theatergruppe «Vor Ort» inszeniert. Neun Schauspieler wirken mit. Während der Spielzeit leiht das Naturhistorische Museum Bern dem Stadttheater ferner sein Markenzeichen, den goldenen Elefanten. Morgen findet ein Umzug samt Ensemble und Autor des Stücks statt: Dann wird der Elefant zwischen 15 und 16.30 Uhr vom Dach des Museums zum Stadttheater gebracht.

 

 

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