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«Musik ist die schönere Literatur»

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«Musik ist die schönere Literatur»

Ausstellungsvernissage der ch-Reihe

In der Kantons- und Universitätsbibliothek präsentiert die ch-Reihe zurzeit eine Fotoausstellung mit Porträts von Schweizer Literaturpersönlichkeiten. Dabei wurden für einmal auch die Übersetzer in den Mittelpunkt gerückt und oft mit den Autoren gemeinsam abgelichtet.

Von HELEN LAGGER

An der Vernissage las Etienne Barilier aus seinem Buch «Nachtgespräche», in dem es um musikverrückte Protagonisten geht, die sich mit Genies aus dem 19. Jahrhundert identifizieren.

Martin Good, Direktor der Kantons- und Universitätsbibliothek (KUB) begrüsste die Anwesenden und betonte, dass die grosse Sammlung der ch-Reihe in der KUB vorhanden und ausleihbar sei. «Wir hoffen, dass Sie viele Bücher und Autoren entdecken und wieder entdecken», schloss Good seine Begrüssungsrede. Canisius Braun, Direktor der ch-Stiftung, präsentierte die grossen Etappen der ch-Reihe und stellte kurz die Ausstellung vor. Es handle sich um eine Wanderausstellung, die in allen grossen Bibliotheken der Romandie stattfinde. Freiburg spiele als zweisprachige Stadt in der Überwindung des Röstigrabens eine ganz besondere Rolle.

Musik als paradiesische Kunstform

Die Lesung von Etienne Barilier fand in engem Dialog mit Sylvie Jeanneret statt. Der bekannte Schriftsteller hat selbst auch als Übersetzer gewirkt und unter anderem Werke von Friedrich Dürrenmatt übersetzt. In seinen eigenen Werken geht es sehr oft um Musik. Sylvie Jeanneret fokussierte in ihrer Fragestellung vor allem auf dieses Thema. «Die Werke von Barilier fordern vom Leser ein Engagement, und zwar nicht weil es sich um besonders kompliziert geschriebene Texte handelt, sondern weil man sich gegenüber der Welt des Imaginären öffnen muss», leitete sie ein. Das Thema der Musik sei sehr präsent. Die Konstruktion der Personen fände rund um Musik statt. Barilier antwortete auf die Frage der Motivation, dass er glaube, alle Schriftsteller seien von den anderen Kunstformen fasziniert. Die Musik sei von der Abhängigkeit der Worte gänzlich frei. Sie müsse nie lügen und konstruieren und sei deshalb eine geradezu paradiesische Kunstform. Kein Wunder hat die Fotografin Yvonne Böhler den Schriftsteller aufgestützt auf seinem schwarzen Flügel festgehalten. Das nachdenkliche Gesicht spiegelt sich in der glänzenden Oberfläche des Instrumentes.

Wahrheitsfindung oder Wahnsinn?

Die Protagonisten in Bariliers Roman «Nachtgespräche» versuchen durch Musik ihrem Leben einen Sinn zu geben. Dadurch finden sie auch eine gewisse Wahrheit. Sie identifizieren sich mit Musikern aus dem neunzehnten Jahrhundert wie Schumann oder Liszt. Sie wollen so dem Prozess der Kreation auf die Spur kommen. «Das hat etwas sehr Pathologisches», erklärte Barilier. Überhaupt wisse man bei Bariliers Figuren nie so genau, ob sie nun verrückt oder bei klarem Verstand seien, erläuterte Sylvie Jeanneret. Barilier arbeitet sehr intuitiv. Er glaubt in der Kunst nicht an Mimesis. Inspiriert und geprägt hat ihn Thomas Mann, der von sich selber gesagt hat, dass er ein Musiker sei, der schreibe.

«Hochzeitsfotos» zwischen
Autor und Übersetzer

Yvonne Böhler, die Fotografin, die alle Schriftstellerporträts für die ch-Reihe realisiert hat, führte durch die Ausstellung. Sie wusste praktisch zu jedem Bild eine Anekdote zu erzählen. Oft gefalle ihr ein ganz anderes Bild als dem Porträtierten selber. Am einfachsten sei es, Autor und Übersetzer gemeinsam festzuhalten. «Autoren lieben ihre Übersetzer und umgekehrt», erklärte sie. Das gäbe dann regelrechte «Hochzeitsfotos». Das Thema der Spiegelung fasziniert die Fotografin. Damit hat sie oft gearbeitet und ihre «Opfer» des Öfteren in einem Spiegel oder einer Spiegelfläche dupliziert. Sie lässt sich von Texten der Autoren inspirieren und von deren Umgebung. Deshalb geht sie vorzugsweise zu den Autoren nach Hause. Daraus entstehen dann teils entlarvende, teils poetische Porträts diverser Persönlichkeiten.

Ausstellung und Lesungen an der KUB Freiburg bis 15. Mai 2003.
Im Geiste einer
kulturellen Öffnung

Die ch-Reihe wurde 1974 ins Leben gerufen, mit der Absicht, den Kulturaustausch zwischen den vier Sprachregionen der Schweiz zu fördern. Mit der Unterstützung sämtlicher Kantone, der Stiftung Pro Helvetia, der Oertli-Stiftung und der Fondation Ex Libris erscheinen jährlich fünf bis acht Übersetzungen zeitgenössischer Schweizer Autorinnen und Autoren aus den Bereichen Belletristik und Sachbuch. Schweizer Literatur soll so in allen Sprachräumen oder sogar über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht werden. Mit Hilfe der ch-Herausgeberkommission, die die Werke auswählt, konnte die ch-Reihe bisher über hundert Titel in ihren Katalog aufnehmen. hli

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